1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Wo ist noch Platz für Bienen?

Landkreis Augsburg

01.06.2018

Wo ist noch Platz für Bienen?

Im Landkreis gibt es immer weniger Bienen und Insekten. Der Kreisverband der Imker will da nicht mehr länger zuschauen. Er berät nun Gemeinden, was sie für die heimische Tierwelt tun können. Den Anfang bildet Diedorf

Den Imkern aus dem Landkreis Augsburg reicht es. Sie wollen, dass die Region ein besseres Nahrungsangebot für Insekten, Kleintiere und freilich vor allem für die Honigbiene bietet.

Deshalb hat sich der Kreisverband der Imkervereine vorgenommen, die Kommunen bei der Anlage und Pflege geeigneter Grünflächen zu beraten, berichtet die Vorsitzende des Kreisverbands, Birgit Wimmer aus Lettenbach. Den Anfang haben der Kreisverband und der Imkerverein Gessertshausen nun im Bauausschuss der Gemeinde Diedorf gemacht.

Es ist längst höchste Zeit, etwas zu tun, findet auch der Vorsitzende des Imkervereins Gessertshausen, Rainer Holzapfel aus Lettenbach. Dem Rückgang der Artenvielfalt in unserer Region und speziell dem Bienensterben einfach zuzuschauen, da will er nicht mehr mitmachen. Auf Signale aus Bayern, Berlin oder Brüssel will er aber nicht mehr warten. „Wir müssen lokale und regionale Rückzugsinseln für die Tierwelt erkämpfen, damit die Arten ihren Bestand soweit halten können und nicht aussterben“, ist er überzeugt. Und das hat er jetzt auch den Gemeinderäten deutlich gemacht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Bienenfreundlicher soll seine Heimatgemeinde Diedorf werden und damit ein gutes Beispiel für die Nachbarn. Dem Bauausschuss hat er nun einige aus seiner Sicht praktikable Vorschläge in diese Richtung gemacht: Wenn die Gemeinde einen Parkplatz genehmigt, dann soll die Bepflanzung und Eingrünung gleich mitbesprochen werden. So zeigte das Beispiel eines Discounters in Diedorf, dass Bäume den Parkplatz begrünen können und bienenfreundliche, heimische Blumen wir etwa Fetthenne in der Böschung blühen können. Allerdings sei solch ein positives Beispiel nur einem Discounter in Diedorf gelungen, betont Holzapfel.

Und er nimmt die Gemeinde weiter in die Pflicht: Im Neubaugebiet zwischen Linden- und Gewerbestraße wie auch im Ortsteil Oggenhof sei kaum öffentliches Grün vorgesehen und auch in den Gärten dominiere eine Gestaltung, die zwar wenig Arbeit mache, gleichzeitig aber heimischen Insekten- und Vogelarten kaum Rückzugsmöglichkeiten biete.

Nur eine zielgerichtete Bepflanzung von Baugebieten mit geeigneten Bäumen, Hecken und etwa einer Dachbepflanzung könne die Versiegelung der Flächen aber ausgleichen, ergänzt Birgit Wimmer.

Dass man nun mehr für die Bienen tun wolle, hat sich Bürgermeister Peter Högg fest vorgenommen. Die Gemeinde will sich nun vom Imkerverein beraten lassen, wie etwa Regenüberlaufbecken für trockenere Zeiten so bepflanzt werden können, dass sie ein Gewinn für die Tierwelt sind. „Wir hatten schon einmal den Versuch von Blühstreifen gemacht, das war aber nicht so nachhaltig“, berichtet der Bürgermeister. Auch in diesem Bereich sollen nun gemeinsam mit dem Imkerverein geeignete Standorte gesucht werden.

Gleichzeitig gebe es aber auch in Diedorf positive Beispiele, betont Birgit Wimmer. Sie nennt die Anlage des Schmuttertal-Gymnasiums durch den Landkreis als ein solches, ebenso wie die Umweltschutz im Schmuttertal generell. Und manchmal wirken auch schon kleine Vorhaben: So haben Diedorfer Schüler gemeinsam mit der Umweltfachfrau aus dem Diedorfer Rathaus, Anna Röder, und Birgit Wimmer den Sinnesgarten der Gemeinde um eine Krokuswiese ergänzt: Sie bietet Bienen und anderen Insekten im Frühjahr eine erste Nahrung. Bienenfreundliche Bepflanzung soll nun auch in Ausgleichsflächen umgesetzt und auch kontrolliert werden, so die Imker.

Diedorf soll freilich nur ein erster Schritt sein, ist man im Kreisverband der Imker überzeugt. Nur scheinbar betreffe das allgemeine Artensterben den Mensch vor Ort nicht, erinnert Rainer Holzapfel. Doch betrachte man die gesamte Nahrungskette, stecke der Mensch eben doch mittendrin. Und dann kämen die Auswirkungen bei uns noch schneller an, als die Klimaerwärmung, ist er überzeugt.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
KAYA6755.JPG
Bonstetten

Die Angst vor einem neuen Fall Veh im Bonstetter Baugebiet

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden