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LokalrundeSerie (13)

11.08.2018

Wo sich Casanova und Napoleon wohlfühlten

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Die Gäste des Brauereigasthofs Fuchs werden in einer typisch bayerischen Wirtshausatmosphäre verwöhnt.

Das ist Beständigkeit: Familie Fuchs betreibt den Brauereigasthof im Herzen von Steppach seit sechs Generationen /

Im Brauereigasthof Fuchs ist nichts im trendigen Vintage-Stil gestaltet. „In den historischen Gemäuern ist tatsächlich alles alt“, schmunzelt Jessica Fuchs, die zusammen mit ihrem Vater Josef die Geschicke der Traditionsgaststätte leitet. Das fange beim Gebäude und den offenliegenden Balken an und reiche hin bis zu diversen Beschlägen und der alten Gedenktafel am Eingang, die auf das verheerende Feuer während eines Hochzeitsmahls im Jahr 1782 hinweist.

Diesen Charme mit viel Holz, gekacheltem Kamin, Gemütlichkeit und bayerischer Lebensart heiße es auch zu bewahren, meint die 31-jährige Hotelfachfrau. Klar sei in den letzten Jahrzehnten viel investiert worden, um den Gasthof und das 32 Zimmer umfassende Hotel für die heutigen Annehmlichkeiten zu rüsten. Doch alles stehe in der Verpflichtung zur Tradition, betont Josef Fuchs. Er ist gelernter Braumeister. „Unseren Familienbetrieb führen wir bereits in der sechsten Generation.“

Ein Blick in die Chronik verweist konkret auf 1890. Es war das Jahr von Reichskanzler Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm II. Damals heiratete der Braumeister Franz Joseph Fuchs die verwitwete Gasthofbesitzerin Karolina Steger. Seit dieser Eheschließung befindet sich der Brauereigasthof im Besitz der Familie.

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Zurück geht das ursprüngliche Gebäude jedoch auf 1431. Schon da beherbergte es eine Gaststätte. Zum Brauereigasthof wurde der Betrieb mit der Einrichtung einer hauseigenen Brauerei. Sie wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts erstellt, Reichsadler-Bräu getauft und erst 1985 stillgelegt. 1782 brannte das Gebäude teilweise ab. „Der Gasthof wurde sofort aufgebaut und im folgenden Jahr wieder eröffnet“, erzählt Josef Fuchs. Heute ist der Bau mit dem ins Auge stechenden polygonalen Eckerker ein geschütztes Denkmal.

Dass der Brauereigasthof schon früher für seine Bierspezialitäten und gute Küche bekannt war, zeigt die illustre Gästeschar, die dort einkehrte. Götz von Berlichingen und Giacomo Casanova gaben sich ebenso die Klinke in die Hand wie Kaiser Napoleon III. und später der für seine humorvollen Gedichte bekannte Schriftsteller Joachim Ringelnatz und die Schauspielerin Magda Schneider. Damals kredenzte man den Gästen noch Gutes aus eigener Brauerei, Metzgerei, Bäckerei und Landwirtschaft. Wobei: Auch heute noch ist im Eingangsbereich die Wursttheke mit Produkten aus eigener Herstellung ein Blickfang. Sie assoziiert natürlich wiederum Tradition. „Modern kann jeder“, resümiert dann auch Jessica Fuchs salopp. Das soll natürlich nicht heißen, dass Modernes im Brauereigasthof verpönt sei. Das widerlegt schon der angesprochene neuzeitliche Komfort. „Selbstverständlich verbinden wir Tradition mit Moderne“, so die Chefin. „Wir legen aber Wert auf Echtheit. Wir wollen wir sein.“

Der bayerisch-schwäbischen Tradition ist auch die Küche verbunden. Sie glänzt mit Vielfalt und Niveau, reicht von deftigen regionalen Schmankerln bis zu internationalen Spezialitäten. Beliebt sind bei den Standardessen Schweinshaxe, Zwiebelrostbraten und der Fuchsteller. Und das sieben Tage die Woche. Gerne setzen die Köche neue eigene Ideen um. „Sie haben hier freie Hand, Kreatives zu verwirklichen“, verdeutlicht Jessica Fuchs.

Für Experimente sei aber kein Platz. „Haute Cousine funktioniert bei uns nicht.“ Hier kehrt kein elitärer Kreis ein, sondern die breite Masse, die Stammtischrunde mit Menschen vor Ort, vom Handwerker bis zum Manager. „Unsere Gäste kommen gezielt zu uns, und das aus dem ganzen süddeutschen Raum. Sie wissen, dass wir für gute Hausmannskost stehen und worauf wir unser spezielles Augenmerk legen.“ Letzteres heißt unter anderem: die Verwendung von regionalen und saisonalen Produkten, das Tabu von Geschmacksverstärkern und das Handwerkliche in der Kochkunst.

Dazu gehört auch der Biergarten, der mit sieben sehr alten Kastanienbäumen und einem besonderen Ambiente überrascht. Familienfreundlichkeit wird auch hier großgeschrieben. Ein Spielplatz lädt zum Toben ein, dazu gibt es einen kleinen Streichelzoo mit Ziegen. Nach einem Motto gefragt, verneinen Vater und Tochter. „Wenn Beständigkeit ein Slogan ist, dann würde ich diesen Begriff nennen“, so Josef Fuchs.

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