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Stadtentwicklung

14.11.2019

Wofür die reichen Städte rund um Augsburg ihr Geld ausgeben

Die Sanierung des Friedberger Schlosses kostet laut Experten rund 24 Millionen Euro. 
Foto: Mareike König (Archiv)

Plus Strafzinsen fürs Festgeldkonto sind für die reichen Augsburger Nachbarstädte ein Problem. Doch zum Glück sind deren Kommunalpolitiker einfallsreich, was Investitionen anbelangt.

Endlich schuldenfrei: Für die 22000-Einwohner-Stadt Neusäß geht dieser Wunsch bald in Erfüllung. Vom Munde absparen muss sie sich das aber nicht. Sage und schreibe 6150 Euro machen die Verbindlichkeiten der Stadt noch aus, die nun bald die Geschichte sind. Deutlich aufwendiger ist es da, die Sparkonten der Stadt zu leeren, auf denen sich rund 27 Millionen Euro angesammelt haben. Bei den Haushaltsberatungen wollen die Stadträte diese Herausforderung entschlossen angehen. Die Rede ist von einem Investitionsplan in nie da gewesener Höhe. Fast 40 Millionen Euro sollen in den kommenden fünf Jahren in Bildung und Kinderbetreuung gesteckt werden, am Ende könnten die Neusässer sogar wieder Schulden haben.

24 Millionen Euro für das Friedberger Schloss

Schulden hat das schmucke Friedberg, wo einst Herzöge residierten, schon – auf der anderen Seite aber häufte die Stadt im Jahr 2016 ganze 24 Millionen Euro auf dem Girokonto auf, so dass sie beinahe Strafzinsen hätte zahlen müssen. An den sehr ordentlichen Einnahmen aus Grundstücksverkäufen, Steuern und Zuweisungen wollten die Stadträte die Bürger denn auch gern teilhaben lassen. Erste Idee war, jedem Stadtteil ein Budget zur Verfügung zu stellen, mit dem die Bewohner dann mehr oder weniger machen können, was sie wollen. Derart unkontrollierter Großzügigkeit schiebt jedoch das Haushaltsrecht einen Riegel vor. Deshalb fordert die SPD einen Bürgerhaushalt mit einem Etat von 100 000 Euro, für den Friedberger online Vorschläge machen können. Problem dabei: Die Stadt schafft es jetzt schon nicht, die selbst gesetzten Projekte abzuarbeiten. Deshalb wurde die Idee erst einmal verschoben. Immerhin gerdae abgeschlossen ist das Großprojekt Schlosssanierung. Noch liegt die Schlussrechnung nicht vor, doch gehen Experten von fast 24 Millionen Euro aus. Geplant waren 20 Millionen, allerdings hatten die Stadträte noch ein paar Extrawünsche... Der nächste dicke Brocken wirkt dagegen eher prosaisch: Seit Jahrzehnten wird über einen neuen Baubetriebshof diskutiert. Bald soll der Bau losgehen. Die Kosten wurden auf 20 Millionen geschätzt.

Gersthofen: 40 Millionen Euro auf der hohen Kante

In Gersthofen dagegen ist es schon soweit. Mit einem so genannten Bürgerhaushalt dürfen die Einwohner den Stadträten beim Geldausgeben helfen. 100.000 Euro stehen für Projekte, die in einem Online-Verfahren ausgewählt wurden, zu Verfügung. Angesichts der Summen, welche die ehrenamtlichen Stadträte der prosperierenden Kleinstadt sonst bewegen, sind das allerdings Peanuts. Ende 2019 wird Gersthofen nach Schätzungen seines Kämmerers Manfred Eding 40 Millionen auf der hohen Kante haben. Zudem werden bei der Gewerbesteuer im kommenden Jahr (wieder einmal) Rekordeinnahmen in Höhe von 32 Millionen Euro erwartet.

Mit diesem vielen Geld plant die Stadt etliche Investitionen. So sollen in den kommenden Jahren alle städtischen Grundschulen saniert und erweitert werden, gestern war Spatenstich für den Ausbau der Mittelschule. Der nagelneue Bau ist noch nicht einmal zwei Jahre in Betrieb. Nicht nur Gersthofer werden etwas von der Sanierung des Hallenbads und des Freibads Gerfriedswelle haben – ebenfalls zwei Millionenprojekte. Daneben soll es Vergünstigungen geben, die nur für die Bürger der Stadt gedacht sind.

360-Euro-Abo für den Nahverkehr in Gersthofen

Dazu zählt ein 360-Euro-Abo für den Nahverkehr. Die Benutzer zahlen innerhalb Gersthofens lediglich 20 Euro im Monat; fahren sie auch nach Augsburg, werden 30 Euro fällig. Die Differenz zum regulären Abo übernimmt die Stadt. Ebenso leistet sie für ihre Bediensteten einen Zuschuss für ein Betriebsabo für Bus und Tram.

Diese Ausgabenpolitik wird die sprichwörtlichen Geldspeicher der „Dagoberts vom Lech“, wie die Gersthofer manchmal scherzhaft genannt werden, sichtbar leeren. Die Rücklage soll bis Ende kommenden Jahres auf 16 Millionen Euro abschmelzen. „In Anbetracht der zahlreichen Investitionen wird die Stadt in absehbarer Zeit erstmals seit vielen Jahren Schulden machen müssen“, prognostiziert Kämmerer Eding gar. Ob es wirklich soweit kommt? In der Vergangenheit lief es bei den Gersthofen meist finanziell deutlich besser, als erwartet.

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