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Gersthofen

24.08.2019

Woher kommen die Coli-Keime im Gersthofer Wasser?

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Seit Mittwoch muss das Trinkwasser im Versorgungsgebiet Gersthofen abgekocht werden. Der Grund dafür sind coliforme Keime, die im Wasser gefunden wurden. Woher diese Erreger stammen ist aber noch unklar. 
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Für viele Gersthofer gibt es nur noch ein Thema: das Wasser. Die Behörden sind auf Spurensuche. Das gesamte Wassernetz wird nach der Ursache durchforstet.

Das komplette Wassernetz wird auf den Kopf gestellt. Seitdem klar ist, dass sich coliforme Keime im Gersthofer Trinkwasser befinden, suchen die Experten alles ab. Bislang ist die Ursache aber noch nicht gefunden. Spekulationen darüber, woher der Keim stammen könnte, gibt es aber bereits.

Könnten die Erreger zum Beispiel durch intensives Düngen ins Grundwasser gelangt sein? Dazu sagt die Stadt: „Erst nach Aufklärung der Ursache lässt sich klären, wie die Belastung des Trinkwassers zustande kam.“ Bis dahin seien derartige Überlegungen „rein spekulativ“. Man sei „derzeit intensiv damit beschäftigt, sämtliche Bestandteile des Versorgungsnetzes auf der Suche nach der Belastungsursache zu überprüfen“. Sowohl die Anlagen als auch das 130 Kilometer lange Netz im Versorgungsgebiet Gersthofen an sich werden untersucht. Mitarbeiter von Stadt, Landratsamt und dem staatlichen Gesundheitsamt sind im Einsatz. Teils mussten sie deshalb sogar ihren Urlaub unterbrechen.

Seit Mittwoch muss in Gersthofen Wasser abgekocht werden

Aufgetaucht sind die coliformen Keime bei einer Routinekontrolle am Montag. Die Untersuchung am Dienstag habe laut Landratsamt ergeben, dass eine Überschreitung des zulässigen Grenzwerts vorliegt. Einen Tag später, am Mittwoch, sei bei der Behörde die Bestätigung durch ein externes Labor eingegangen. „Unmittelbar darauf wurde ein Abkochgebot ausgesprochen“, teilt das Landratsamt mit.

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Gersthofens Zweiter Bürgermeister Stefan Buck zeigt sich mit dem Notfallplan zufrieden. Alle Einwohner konnten innerhalb kurzer Zeit über das Abkochgebot informiert werden. Dazu wurden etwa 12.000 rote Handzettel erstellt, die ab Mittwochmittag von Helfern in alle Briefkästen verteilt wurden. Für diejenigen, die kein deutsch sprechen, wurden Piktogramme auf die Handzettel gedruckt. Parallel dazu gab es Lautsprecherdurchsagen. Nun gelte es, die Ursache der Keimbelastung einzugrenzen und „weitere Fakten zu schaffen“, erklärt Buck. Er betont, dass bei Einhaltung des Abkochgebots „keine gesundheitliche Gefährdung“ besteht.

Coliforme Keime können zu Bauchschmerzen führen

Nur, wenn das Gebot nicht eingehalten wird, können die Keime potenziell zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall führen. Dermatologische Beschwerden, also Ausschläge oder Juckreiz, seien kein typisches Symptom.

Dennoch sind viele Menschen verunsichert. Vor dem Sobi-Getränkemarkt stapeln sich am Freitag die Wasserkästen. Nachdem das Geschäft am Mittwoch sprichwörtlich überrannt wurde, ist nachbestellt worden. Beinahe jeder Kunde am Donnerstagmittag kauft Wasser. Einer von ihnen ist der 77-Jährige Werner Widmann. Der Gersthofer hat sich mit Mineralwasser eingedeckt, erzählt er. Schließlich könne man ja nicht ständig abkochen. Große Sorge macht ihm die aktuelle Situation aber nicht. „Viele andere Gemeinden hat es ja auch schon erwischt“, meint er. Ähnlich sieht das auch ein weiterer Kunde vor dem Markt, der Wasser in großen Kanistern in den Kofferraum seines Autos lädt. „Die sind nicht für mich“, sagt er. Ihm geht es um seine Haustiere. Einen Hund und eine Katze hat der Gersthofer. „Die sollen nicht das Wasser aus der Leitung trinken müssen“. In der ganzen Stadt ist die Abkochanordnung zur Zeit das Thema. Die einen lassen sich nicht beeindrucken und putzen zum Beispiel ihre Zähne weiterhin mit Wasser aus dem Hahn. Andere kaufen extra Wasser zum Kaffeekochen.

Coliforme Keime werden mit Blaualgen verwechselt

Manche bringen aber einiges durcheinander, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Offenbar melden sich Menschen, welche die aktuelle Wasserproblematik in Gersthofen mit Meldungen zu Blaualgen im Mandicho-See verwechseln. Dort ist mindestens ein Hund an einem Nervengift gestorben, das Blaualgen produzieren. Bis auf weiteres ist der See nun gesperrt. „Wir bitten Bürgerinnen und Bürger darum, diese beiden Bereiche nicht zu vermischen“, sagt Bürgermeister Buck. „Wir arbeiten in Gersthofen mit dem Befund coliformer Keimbefall und nicht Blaualgen“. 

Worauf geachtet werden muss, lesen Sie hier: In Gersthofen wird`s Zeit für den zweiten Wasserkocher

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24.08.2019

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