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Stadtbergen

05.12.2019

Wohnungen am Sheridan-Areal: Klagt Stadtbergen gegen Augsburg?

Dieses Luftbild des Sheridan-Areals wurde im Jahr 2016 aufgenommen.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Augsburg plant auf dem Sheridan-Areal ein Wohn- und ein Gewerbegebiet, hat aber die Einwände der Stadt Stadtbergen nicht berücksichtigt. Kommt es nun zur Klage?

Unter Nachbarn gibt es immer wieder einmal Ärger. Meistens geht es um den Lärm. Beim drohenden Streit zwischen der Stadt Stadtbergen und dem benachbarten Augsburg sind es angebliche Fehler in einem Bebauungsplan.

Wie schon in den Jahren zuvor geht es um das Sheridan-Areal, das direkt an Stadtbergen angrenzt. Entstehen sollen etwa 500 Wohnungen auf dem Areal zwischen dem Rewe-Supermarkt an der Stadtberger Straße und der Halle 116 am Grasigen Weg – ausschließlich Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Zwei Baufelder belegt die städtische Wohnbaugruppe, die dort geförderte Wohnungen bauen wird. In einem Abschnitt ist auch ein Gewerbegebiet geplant.

Bebauungsplan am Sheridan-Areal soll erhebliche Fehler und Mängel aufweisen

Doch aus Sicht der Stadtberger Stadträte weist der Augsburger Bebauungsplan erhebliche Fehler und Mängel auf, die negative Folgen für die Stadtberger Bürger haben könnten. Deshalb hatte die Stadt etliche Einwände und Anregungen zum Bebauungsplan eingereicht. So sollten etwa nach den Wünschen Stadtbergens die Fußwege breiter gestaltet sein, der angedachte Grünzug auf die nördlichen Baufelder ausgeweitet und zur sinnvolleren Verkehrsführung der ursprünglich eingeplante Kreisverkehr verwirklicht werden. Darüber hinaus soll eine schallabsorbierende Fassade eingeplant und die Abstandsflächen korrekt eingehalten werden.

Wohnungen am Sheridan-Areal: Klagt Stadtbergen gegen Augsburg?

Die Reaktion der Stadt Augsburg auf diese Nachbesserungswünsche war für die Stadträte ernüchternd: „Wir haben fünf Punkte in den Bauleitplan einfließen lassen“, fasste Stadtbergens Bürgermeister Paul Metz zusammen. „Augsburg hat es gewürdigt, ist aber auf gar nichts eingegangen.“

Stadtbergen: Bäume werden keine Überlebenschancen haben

Stadtrat Günther Oppel (Pro Stadtbergen) fühlt sich vom großen Nachbarn überfahren und prophezeit, worauf man sich an Stadtbergens Ostgrenze einstellen muss, sollte Augsburg auch weiterhin alle eingereichten Forderungen ignorieren. Er sagte: „Die bestehenden Bäume werden keine Überlebenschancen haben. Und durch die dichte Bebauung wird eine Plattenbausiedlung ohne jegliche Gliederung entstehen. Das ist keine städtebauliche Meisterleistung, sondern eine Rücksichtslosigkeit.“ Oppel zufolge könnte das Projekt sogar eine erhebliche finanzielle Belastung für Stadtbergen nach sich ziehen: „Der ursprünglich geplante Kreisverkehr wurde gestrichen. Diesen werden dann zwangsweise wir selbst errichten müssen, um den Verkehr zu regulieren.“

Wie Stadtbaumeister Rainer Biedermann nach der Ausschusssitzung erklärte, hätte Augsburg den Kreisverkehr, obwohl er zum Großteil auf Stadtberger Flur gebaut werden müsste, durchaus im Bebauungsplan berücksichtigt werden können.

Roland Mair (SPD) ist ebenfalls nicht glücklich, zeigt sich jedoch etwas diplomatischer: „Wir müssen auf Augenhöhe mit Augsburg bleiben. Da hier viele Sozialwohnungen gebaut werden, könnten dort auch Stadtberger wohnen, wenn diese sich ihre Mieten hier nicht mehr leisten können.“

Eine Chance sehen die Stadträte noch

Hat Stadtbergen bereits insgeheim die Kapitulation eingereicht? Keineswegs, denn eine Chance sehen die Stadträte noch: Ein beauftragter Experte habe durch eigene Messungen nachgewiesen, dass das Augsburger Gutachten hinsichtlich der Geräuschbelastung fehlerhaft ist und von unrealistischen Annahmen über die tatsächlichen Schallwerte ausgehe. Da die Stadt Augsburg auch diesem Hinweis nicht nachgegangen sei, könnte dies eine begründete Rechtsverletzung für die Stadt Stadtbergen darstellen und damit eine sogenannte Normenkontrollklage gegen den Augsburger Bebauungsplan nach sich ziehen.

Das Thema Lärmschutz hat beim Bau des Bürokomplexes Sheridan Tower schon vor Jahren für erbitterten Streit zwischen den beiden Kommunen gesorgt. Auch damals hatte es Bedenken der Stadtberger gegeben, die von dem Projekt an der Stadtgrenze eine hohe Lärmbelastung für ihre Bürger befürchteten. Am Ende kam es zu einem Kompromiss, nämlich die besagte schallabsorbierende Fassade, die die Stadtberger jetzt wieder fordern.

Fachanwaltsbüro soll die Chancen für eine Klage prüfen

Die Stadträte haben sich zwar parteiübergreifend gegen eine (voreilige) Klage ausgesprochen, scheuen aber dennoch nicht den letzten Kampf gegen das Augsburger Bauprojekt – mit einer Politik der kleinen Schritte: Nahezu einstimmig wurde in der jüngsten Stadtratssitzung beschlossen, dass ein Fachanwaltsbüro nun prüfen soll, wie hoch im Falle des Sheridan-Areals die Chancen sind, eine etwaige Normenkontrollklage gegen Augsburg tatsächlich gewinnen zu können.

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