Dialekte

07.11.2011

Woisch oder woaßt?

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In einer Serie befassen wir uns mit den Feinheiten der Sprache im Augsburger Land

Landkreis Augsburg Eine bayerische Sprachverwirrung zu unterstellen, wäre wohl überzogen. Man versteht sich ja durchaus, allen Unkenrufen zum Trotz. Und nicht nur verbal. Aber dennoch, die wenigen Kilometer zwischen dem schwäbischen und dem (ober-)bairischen Sprachraum können es manches Mal durchaus in sich haben: Von Ort zu Ort ändern sich nicht nur die Aussprache, sondern immer wieder auch die Begriffe – was dann bei Unkundigen gelegentlich zu völligem Unverständnis führt.

Der Lech gilt gemeinhin – politisch und geografisch – als Sprachgrenze, doch so einfach ist das nicht. Auch die Endungen der Ortsnamen auf „-ing“ und „-ingen“ (zum Beispiel Kissing und Inningen) sind bestenfalls grobe Anhaltspunkte. Denn der schwäbische Einfluss ist schon in der Oberammergauer Region und auch am Westufer des Ammersees durchaus „hörbar“. Und umgekehrt gilt das auch.

Der Übergang ist fließend. Der Augsburger Mundart-Experte Professor Werner König hat es so beschrieben: Wenn jemand von Paris nach Italien wandern würde und in jedem Dorf und in jeder Stadt am Weg die sprachlichen Veränderungen übernehmen würde, dann käme er in Florenz an und könnte Italienisch. Treffend, aber leider nicht wahr, Herr Professor. Der Autor dieses Textes jedenfalls hat es am Weg von München nach Augsburg nicht geschafft, Augschburgisch voll zu verstehen, geschweige denn zu sprechen. Als Münchner tröstet er sich damit, dass es für den echten Bayern als verpönt gilt, Dialekt nach zu machen – das überlassen wir Süddeutschen lieber den „Preußen“.

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Als Münchener kennt man natürlich Augsburg, hat Verwandte (im konkreten Fall eine Tante), Freunde und Bekannte in der Nachbarstadt, die man als schön und beschaulich wahrnimmt. Sprachlich fällt das gerollte „r“ auf: Suprr, odrr, Plärrerr und natürlich auch das durchaus sympathische ständige Verkleinern, Verniedlichen: Bäsle, Spätzle (im Bairischen Spotzn) bis hin zum Tschüssle (das es, zugegeben, leider auch in München gibt), was genau genommen eine Sünde ist, ein negatives Beispiel des verderblichen Einflusses gesamtdeutscher Völkerwanderung vom Norden in den Süden.

Und auch das: „Denglish“ und „Deukisch“ schleichen sich – ganz cool – ebenfalls zunehmend in unsere Mundarten ein. Anlass genug, unsere sprachlichen Wurzeln wieder zu erkennen und zu pflegen. Zumal man im Dialekt deutlich sensibler und folglich besser vieles ausdrücken kann – zum Beispiel Ludwig Thoma (olle Wegerl san verschniebn, is koa Steigerl net bliem) ... oder auch Carl Orff (aus is und gar is und schad is, dass wahr is) im sprachlichen Grenzraum.

Dem Volk aufs Maul schauen, ist heute durchaus wieder angesagt. Und daher macht sich der bairisch sprechende Autor in den nächsten Ausgaben auf die (unwissenschaftliche und daher subjektive) Suche nach Sprachgemeinsamkeiten und Unterschieden, die sicherlich das eine oder andere Mal auch Rückschlüsse auf die Mentalität zulassen. Ach ja, um nochmal das unaussprechliche „Tschüssle“ in die Tasten zu hämmern: Nächste Woche geht’s um Grußausdrücke und mehr. Bis dahin, servus.

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