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Landkreis Augsburg

20.07.2010

Wüterich setzt Kleingarten unter Wasser

Seit zwei Jahren brodelt es in einer Kleingartensiedlung im nördlichen Landkreis: Eine 74-Jährige und zwei 64 und 52 Jahre alte Männer stehen auf Kriegsfuß. Mögliche unrechtmäßige Aktivitäten des "Feindes" werden fotografiert, Müll aufs Grundstück der anderen Partei geworfen und böse Worte ausgetauscht. Jetzt wurde der Ex-Mann der Rentnerin im Amtsgericht Augsburg zu 1050 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er sich eingemischt hat. Von Adrian Bauer

Landkreis Augsburg Seit zwei Jahren brodelt es in einer Kleingartensiedlung im nördlichen Landkreis: Eine 74-Jährige und zwei 64 und 52 Jahre alte Männer stehen auf Kriegsfuß. Mögliche unrechtmäßige Aktivitäten des "Feindes" werden fotografiert, Müll aufs Grundstück der anderen Partei geworfen und böse Worte ausgetauscht. Jetzt wurde der Ex-Mann der Rentnerin im Amtsgericht Augsburg zu 1050 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er sich eingemischt hat.

Richterin Alexandra Körner sprach den 75-Jährigen wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Bedrohung schuldig. Im Mai vergangenen Jahres hatte der Mann mit einem Stock das Gartentor des 52-jährigen Nachbarn seiner Ex-Frau aus den Angeln gehoben und das Grundstück verwüstet. Unter anderem warf er eine Gartendusche um, drehte einen Wasserhahn auf und überschwemmte den Rasen. Der Schaden wird auf etwa 1000 Euro geschätzt. Als der 64-jährige Nachbar mit der Polizei anrückte, drohte er: "Wenn ich Dich mal allein sehe, dreh' ich Dir die Gurgel um." So sah zumindest die Richterin den Fall.

Der Angeklagte behauptete, dass er gar nicht auf dem Grundstück des Nachbarn gewesen sei. "Meine Ex-Frau hat mich um Hilfe gebeten, nur deswegen war ich zum ersten Mal seit 30 Jahren in der Anlage", sagte der Mann. Ihr Gartentor war aus den Angeln gehoben worden, er habe es lediglich wieder eingehängt. Als sie danach wieder zu ihrem Auto liefen, stand der Nachbar plötzlich mit zwei Polizisten vor ihnen.

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Nachbar fotografierte Rentner beim Aufbrechen des Gartentors

Diese Version entkräfteten Fotos, die der Zeuge zuvor unbemerkt geschossen hatte. Die zeigen, wie sich der Angeklagte am Gartentor des Geschädigten zu schaffen machte und dass er sehr wohl auf dem Grundstück herumlief. Der Rentner und seine Ex-Frau bezweifelten die Echtheit der Fotos: Die seien erst viel später entstanden oder ganz gefälscht. Diese Mutmaßungen widerlegte einer der Polizisten, die am Tatort waren: "Die Fotos sind drei oder vier Tage nach dem Vorfall bei uns eingegangen."

Dass er den Mann bedroht habe, räumte der Angeklagte ein - mit einer Einschränkung: "Ich habe gesagt, dass ich ihn am Kragen packe. Wo ich herkomme, sagt man nicht ,Gurgel'." Er sei wegen der Vorgeschichte sauer auf die beiden Männer gewesen. "Sie haben ihr Steine aufs Grundstück geworfen und ein benutztes Präservativ ans Gartentor gehängt. So etwas tut man doch nicht", schimpfte er.

Der Rentner, der sich in der Verhandlung leicht erregbar zeigte, wurde mehrmals von der Richterin ermahnt, sich ihre Fragen bis zum Ende anzuhören und nicht dazwischenzureden.

Auch bei den Vernehmungen der anderen Zeugen fiel er immer wieder durch Zwischenrufe auf. Den Geschädigten ging er direkt an: "Warum hassen Sie mich? Ich kenne Sie doch gar nicht."

Der erwiderte, dass er sich an einen Vorfall erinnern könne, bei dem der Angeklagte mit seinem Gehstock nach ihm geschlagen habe. Bei der Tat selbst war der Kraftfahrer beruflich unterwegs und wurde per SMS von seinem Mitstreiter informiert. "Am Vortag war ich aber noch in meinem Garten. Als ich ging, gab es noch keine Schäden."

Angeklagter schon viermal einschlägig vorbestraft

Weitere Erzählungen über Schikanen von beiden Seiten unterband die Richterin. Die Aussagen des Polizisten und des Bedrohten, sowie die Fotos bewiesen, dass der Angeklagte die Tat begangen habe, erklärte Alexandra Körner.

Beim Urteil brummte sie dem Mann mit 70 Tagessätzen zehn mehr auf, als im ursprünglichen Strafbefehl angesetzt waren. Die Richterin: "Sie haben ganz schön gewütet in dem Garten. Zudem sind sie viermal einschlägig vorbestraft."

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