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Fischach

02.10.2017

Wunderbar schräges Musiktheater

Das österreichische Blechensemble Mnozil Brass bot in der Fischacher Staudenlandhalle einen perfekten Mix aus Musikclownerie, Energie, Brillanz und Virtuosität.
Bild: Siegfried G. Rupprecht

Der Musikverein Fischach besteht seit 60 Jahren und überlässt deshalb die Staudenlandhalle seinen Gästen aus Österreich.

Angewandte Blechmusik für alle Lebenslage sei nach eigenen Worten das Ziel der Blaskapelle Mnozil Brass. Doch hinter diesem Versprechen verbirgt sich weit mehr. Als das siebenköpfige Ensemble die ausverkaufte Staudenlandhalle entert, begeistert es aus dem Stand mit einem furiosen Feuerwerk an stilistischem Spektrum und einer rasanten Mixtur aus Theater, Witz und Comedy. Wunderbar schräg, voller Power und virtuoser Perfektion.

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Die sieben Herren starten ihr brandaktuelles Programm „Cirque“ (Zirkus) mit ungemeiner Musikalität, ausdrucksstarken Parodien und avantgardistischem Geist. Die Abfolge, aus der sich eine ganz eigene Logik entwickelt, nimmt das Publikum mit auf eine faszinierende Reise in die Traumwelt. Von Anfang an tauchen dabei keine Doppeldeutigkeiten und Irritationen, aber auch keine eventuell erwartete Ernsthaftigkeit auf. Mnozil Brass setzt vielmehr dem Zirkus „Alltag“ Musik und Humor entgegen.

Doch die Zuhörer wissen eh, was sie erwartet. Immerhin hat das seit 25 Jahren bestehende österreichische Blechensemble längst Kultstatus erreicht. Die musikalischen Hochkaräter um „Zirkusdirektor“ Thomas Gansch sind in der Szene wohl die Einzigen, die mit ihrer wilden Mischung Orchester, Ballett, Chor und Solisten in einem darstellen. Nicht umsonst werden sie von ihren Fans liebe- und zugleich anerkennungsvoll als die „Monty Pythons der Musikszene“ bezeichnet.

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Auch „Cirque“ lebt vom charakteristischen Mnozil-Brass-Mix aus souveräner und zugleich niveauvoller Blasmusik, gepaart mit einer Portion kollektivem, zumeist absurden Klamauk sowie klar und erfrischend auf den Punkt gebrachten überarbeiteten Stücken aus Jazz, Pop, Rock, Filmmusik und Klassik wie „Mister Sandman“ aus den 1950er-Jahren oder den Village-People-Hit „Y.M.C.A.“. Dass sich diese leidenschaftliche Ideenvielfalt, dieses subtile Spiel mit den Genres und die sich wie fast nebenbei entfaltende faszinierende Bühnenchoreografie zudem noch aus einem Guss präsentiert, ist keine Selbstverständlichkeit. Das alles zeigt die absolute Sicherheit im Spiel mit den Instrumenten und eine mit viel Herzblut vorgetragene Schauspielerei, bei der auch kleine Zaubertricks und ein von Leonhard Paul verkörperter melancholischer Clown nicht fehlen darf.

Müßig zu erwähnen, dass die Musiker über ein immenses Ausdrucksrepertoire verfügen und alles auswendig spielen. Ihre Klänge reichen von druckvoll und zart über spitz und überdreht bis hin zu frisch und frech. Dabei blubbern die Töne, sie strömen mild und scharf akzentuiert, um im nächsten Augenblick mit aggressiver Wucht und dennoch großer Noblesse aufeinanderzutreffen, aufgelockert mal mit bewusst schmalzigem A-Cappella-Gesang und satirisch-heiterem Chanson.

Der Grund für diese Blasmusik-Präsentation mit allerhöchster Perfektion in der Staudenlandhalle ist übrigens das 60-jährige Jubiläum des Musikvereins Fischach. „Aus diesem Anlass warten wir mit einem musikalischen Höhepunkt der Extraklasse auf“, so Vorsitzender Andreas Thoma. Quasi als Geburtstagsgeschenk für den Verein und die Fans, ergänzt sein Stellvertreter Günther Thoma. Das Engagement von Mnozil Brass hat der Musikverein nicht bereuen müssen.

Feine Ironie und Slapstick mit derb-schrägem Groove bietet Mnozil Brass auch bei den Zugaben. Inklusive einer fast akrobatischen Leistung, bei der Leonhard Paul geschultert wird, während er mit seinen Zehen die Posaunenzüge und mit den Fingern die Trompetenventile seiner Mitstreiter bedient. Doch da steht das Publikum längst und huldigt der Kapelle mit lautstarken Ovationen.

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