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Diedorf

25.05.2019

Zahlt sich die preisgekrönte Schule Diedorfer aus?

Bereits seit 2016 läuft ein Monitoring-Verfahren, in dem die Gebäudetechnik des Diedorfer Gymnasiums unter die Lupe genommen wurde.
Bild: Marcus Merk

Das Diedorfer Gymnasium ist ein Vorzeigeprojekt. Doch was haben Schüler, Lehrer und Träger im Alltagsbetrieb davon? Das wurde drei Jahre lang untersucht.

Schon vor seinem Bau wurde als bundesweites „Leuchtturm-Projekt“ gepriesen und besonders gefördert, nach der Fertigstellung erhielt Europas damals größtes Gebäude in Holzbauweise sogar den deutschen Architekturpreis. Doch ist das Diedorfer Gymnasium all die Vorschuss-Lorbeeren im täglichen Betrieb wirklich wert?

Aufschluss darüber sollte ein seit 2016 laufendes dreijähriges Monitoring-Verfahren geben, in dem die Gebäudetechnik unter die Lupe genommen wurde. Energieverbrauch und Raumkomfort waren dabei die Schwerpunkte. Nun stellte Kreisbaumeister Frank Schwindling die wichtigsten Ergebnisse im Bauausschuss des Kreistags vor.

Mehr Energie erzeugt, als verbraucht

Danach erzeugt die Schule tatsächlich - wie versprochen - im Jahresschnitt mehr Energie, als sie verbraucht. Das liegt unter anderem an einem geringeren Eigenstromverbrauch (elf Prozent weniger als vorhergesagt) und der höheren Stromerzeugung. In den vergangenen Rekordsommern lieferte die Photovoltaikanlage auf dem Dach sechs Prozent mehr Energie als vorhergesagt. Unter dem Strich liegen die energetischen Betriebskosten (Heizung, Strom, Wasser) 30 Prozent unter der Prognose.

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Mithilfe des Monitorings seien zahlreiche Fehler abgestellt worden, die sonst gar nicht entdeckt worden wären, hob Schwindling hervor. So wurde bei Lüftung, Heizung und Stromverbrauch nachgebessert, zum Teil habe man dank der intensiven Beobachtung und zahlreicher Messdaten den Fachfirmen Fehler nachweisen können.

Einsparungen bei den Betriebskosten

Insgesamt sei in Diedorf nicht nur eine qualitativ hochwertige Schule entstanden, sondern auch eine, die sich rechne. Die Einsparungen bei den Betriebskosten, die rund ein Drittel unter denen für eine Schule in Standardbauweise lägen, glich den höheren finanziellen Aufwand beim Bau aus. Schwindling: „In der Gesamtschau haben wir die wirtschaftlichste Schule gebaut.“

Diese Einschätzung war Stefan Steinbacher (FW) dann doch zu positiv. Bei einem „ehrlichen Vergleich“ müssten auch Abschreibung und Verzinsung der Millionen-Investition berücksichtigt werden. Steinbacher, Inhaber eines renommierten Ingenieurbüros im Bauwesen, nimmt an: „Dann sähe es anders aus.“

Der Bau der im September 2015 bezogenen Schule hat 41,8 Millionen Euro gekostet. Bei einer Berechnung im Jahr 2013 war von 38,2 Millionen Euro ausgegangen worden. Abzüglich aller Zuschüsse blieben beim Landkreis letztendlich 28,4 Millionen Euro hängen.

Wobei auch diese Summe nur die halbe Wahrheit ist, wie Landrat Martin Sailer (CSU) verdeutlichte. Schließlich müssten die Gebäude auch über Jahrzehnte hinweg betrieben und erhalten werden. Pro Schule habe der Landkreis im Jahr rund eine Million Euro an laufenden Kosten zu bezahlen. Sailer: „Da kommen gigantische Summen heraus.“

73 Millionen Euro ein neues Gymnasium

Derzeit steckt der Landkreis mitten in den Planungen für das bislang teuerste Bauvorhaben seiner Geschichte. Auf dem Gersthofer Festplatz entsteht für 73 Millionen Euro ein neues Gymnasium. Für dieses Großprojekt habe man einiges aus Diedorf gelernt, sagt Kreisbaumeister Schwindling. So werde es in Gersthofen kein zentrales Lüftungssystem wie in Diedorf mehr geben, sondern Lösungen für jedes Klassenzimmer. Und auch vom reinen Holzbau hat man sich verabschiedet. Gersthofen soll ein Hybrid aus Stahlbeton und Holz werden. Auch wenn Diedorf gezeigt hat, dass eine Schule dieser Größe aus Holz machbar ist, habe diese Lösung im Bereich der Sanitärräume doch ihre Schwächen, sagte Schwindling. „Da fährt man nicht ganz so glücklich.“

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