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Ustersbach

10.07.2018

Zank um eine Heiligenfigur

Ist zum Zankapfel geworden: die Anna-selbdritt-Holzskulptur. Die Nachkommen der Anna-Kapelle-Erbauerin Carolina Schmid und deren Kinder, die Brauereifamilie Schmid, fordern von der Gemeinde Ustersbach die Herausgabe der Figur.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Wem gehört die gerade erst restaurierte Anna selbdritt von Ustersbach: Den Nachfahren der Stifterin der Kapelle oder der Gemeinde?

Als sie vor kurzem frisch restauriert vorgestellt wurde, war die Freude in Ustersbach groß. Die Holzskulptur Anna selbdritt aus dem Jahr 1500 erstrahlt so schön wie vielleicht noch nie. Doch hinter den Kulissen gibt es mächtig Ärger. Kernpunkt des Streits: Wem gehört die kostbare Schnitzerei, deren Platz inzwischen in der Pfarrkirche ist? Es stehen sich gegenüber die Nachkommen von Carolina Schmid, die 1865 die Anna-Kapelle erbauen ließ, in der ursprünglich die Anna-selbdritt-Figur aufgestellt war, und die Gemeinde Ustersbach.

Das Hickhack begann 2015. Damals baten sechs Nachkommen der Carolina Schmid die Gemeinde um die Herausgabe der Heiligenfigur an die Chefin der Brauerei Ustersbach, Stephanie Schmid. In dem Schreiben heißt es, dass sich die sechs Unterzeichner als „rechtmäßige Eigentümer der Anna selbdritt aus der Anna-Kapelle sehen“ und sich selbst um die Unterbringung der Figur, gesichert gegen Diebstahl und Feuer, kümmern wollen.

Die Kapelle unterliege dem Kirchenrecht, sagt ein Jurist

Die Gemeinde sah die Sache anders. In einem Antwortschreiben teilte Bürgermeister Maximilian Stumböck mit, dass die Kommune davon ausgehe, dass die Figur mit Übergabe der Anna-Kapelle an die Gemeinde in deren Eigentum übergangen sei. Dies geschah in den 1950er Jahren.

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Stumböck teilte schriftlich mit, „Dafür spricht auch, dass die damaligen Eigentümer der Kapelle vor Übergabe die Figur, die ja ein Hauptbestandteil des Inventars war, nicht entfernt haben oder im Nachgang herausgefordert heben“, so der Bürgermeister. Auch finde sich nirgends ein Hinweis daraus, dass die Figur von der Familie Schmid lediglich als Leihgabe an die Gemeinde übergeben worden sei.

Zwischenzeitlich hat die Familie Schmid Nachforschungen im Diözesanarchiv des Bistums Augsburg anstellen lassen. Der von der Familie beauftragte Rechtsanwalt Stephan Kiening kommt zu folgendem Schluss: „Da Carolina Schmid ausdrücklich eine Kapelle zu Ehren der heiligen Anna erbauen wollte, liegt der Schluss sehr nahe, dass die Stifterin selbst für die Beschaffung der nunmehr restaurierten Heiligenfigur gesorgt hat.“

Hinweise dafür, dass sie die Kapelle erbaut habe, die politische Gemeinde jedoch für deren Ausstattung sorgte, seien nicht auffindbar. „Es deutet aus der Historie heraus alles darauf hin, dass die Stifterin und ihre Erben Eigentümer der Figur sind und nicht die Gemeinde Ustersbach“, so der Jurist weiter. Sofern diese davon ausgehe, Eigentümerin der Figur zu sein, sei dies falsch und nicht belegbar.

Darüber hinaus unterliege die Kapelle dem Kirchenrecht, weshalb Kiening sagt: „Eine Entnahme der Figur aus der Kapelle hätte also durch die politische Gemeinde nicht erfolgen dürfen.“

Muss am Ende also ein Gericht darüber entscheiden?

Die Gemeinde Ustersbach kontert. „Auch unter Voraussetzungen der Anwendung des Rechts der katholischen Kirche kommt man zum Ergebnis, dass die Gemeinde das Eigentum an der Figur der Anna selbdritt durch sogenannte Ersitzung erlangt hat“, teilt Dritte Bürgermeisterin Anja Völk, von Beruf Rechtsanwältin, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Zur Verdeutlichung: Gemäß Bürgerlichen Gesetzbuchs § 937 (1) erwirbt derjenige, der eine bewegliche Sache zehn Jahre im Eigenbesitz hat, deren Eigentum.

Zusammenfassend verdeutlicht Völk, dass auch die Anwendung des Kirchenrechts nicht dazu führen würde, die Figur an die Familie Schmid auszuhändigen und dass diese über den Verbleib der Skulptur bestimmen könne.

Muss am Ende also ein Gericht darüber entscheiden, wem die Heiligenfigur gehört und wo sie steht? Danach sieht es derzeit nicht aus. „Wir sind keine Streithansel“, sagt Brauereichefin Stephanie Schmid im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch gehe es ihr nicht darum, die Anna-selbdritt-Figur der Öffentlichkeit zu entziehen. Gegen die Zur-Schau-Stellung in der Pfarrkirche habe man nicht.

Aber, so Schmid: „Wir wollen, dass sie behütet und beschützt wird.“ Die Skulptur habe für ihre Familie einen hohen Stellenwert, weshalb sie sich über einen Hinweis auf die Eigentumsverhältnisse freuen würde. Sie und ihre anwaltliche Vertretung seien fest davon überzeugt, dass die Figur nicht der politischen Gemeinde gehöre.

Anja Völk dagegen weist darauf hin, dass die Gemeinde durch die aufwändige Restaurierung und den in enger Zusammenarbeit mit Denkmalschutz und Pfarrei gewählten zukünftigen Standort alles Erdenkliche unternommen habe, die Figur zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Wille der Pfarrei, dass die Figur „Anna selbdritt“ in der Kirche St. Fridolin in Ustersbach aufgestellt werde, sei unabhängig von allen anderen Fragen gegeben.

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10.07.2018

Da ist eine salamonische Entscheidung von Nöten,ich würde beide Parteien diese Figur zusprechen. warum sollte man da ein Gerichtliches- Urteil abwarten und soviel Geld ausgeben. Wenn diese Annafigur in der Kirche bleibt so ist es für beide Parteien doch nur zum Vorteil. Das Geld für die Gerichtskosten ausgeben macht keinen Sinn es were besser angeglegt für den Blumenschmuck, Die Gemeinde Ustersbach und Stefani Schmid sollten im Intresse der heilgen Mutter Anna handeln,und die Eigentumsfrage auf sich beruhen lassen,die heilige Anna hätte ihre Freude daran

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