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Dialektserie

07.07.2014

Zapfen, Kobolde und Kleinkinder

Heute beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Verwendungen des Wortes „Butzen“

Was hat ein kleines Kind mit dem Kerngehäuse eines Apfels, einem Fichtenzapfen und auch noch einem Kobold gemeinsam? Ganz einfach, sie heißen in der Mundart alle „Butz(en)“, auch „Butzel“ und „Bützel“ samt weiteren Varianten.

Ob all diese und noch weitere Bedeutungen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen sind, ist unklar. Wäre aber möglich, wenn man etwa die Duden-Erklärung als Anregung nimmt, wonach ein möglicher Urahn das althochdeutsche Wort „bozan“ für schlagen ist (Amboss).

Mit „Butzen“ mag also stets ein kleines, abgehacktes, mal unansehnliches und durchaus auch mal putziges Stück gemeint sein. Auch Schlacke als Verbrennungsrest und damit eine schlackeartige Erhöhung (man denke an die Butzenscheibe) oder der weniger gut genießbare Innenteil des Apfels sind unansehnliche Reststücke. Neben diesen in Richtung Abfall gehenden Bedeutungen können aber durchaus positiv auch Fruchtträger gemeint sein, was für den Apfel ebenso gilt wie für den Fichtenzapfen oder die (Hage)„butte“. So unwahrscheinlich wie „putzig“ es auch klingen mag, „putzig“ gehört ebenfalls zur Familie. Wobei wir beim „Butz“ oder dem „Bi-ba-Butzemann“ sind, dem Kobold – der klein und unansehnlich ist, ein „aufgstellter Mausdreck“ eben, aber halt nicht gefährlich, eher eben „b/putzig“.

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Wieder einmal liegen positive und eher negative Bedeutungen nahe beisammen. Das gilt auch beim „Butzerl“ oder auch „Wutzerl“: Einmal wird so ein Geist, Zwerg, Kobold, ja auch böser Bube genannt, zum anderen ist es ein Kosename für den Nachwuchs.

Allerdings ist in unseren Mundarten gelegentlich sogar für die lieben Kleinen ein eher deftiger Ausdruck Usus. Doch was heißt schon deftig. Meist klingt das doch nur in den Ohren derer, die unserer Mundarten nicht mächtig sind, so. Wenn man sein „Bützel“ oder „Botzlein“, sein „Butzerl“ oder auch „Butzele“ auch mal „gloa Dreeg“ nennt, dann ist das in höchstem Maß liebevoll und nicht im Entferntesten boshaft.

Unklar bleibt, warum früher Gemeindediener in Kempten „Bu(ü)tz“ genannt wurden. Und wenn etwas „an Butza“ hat, dann ist es fehlerhaft.

Doch dem nicht genug, im Schwäbischen werden auch mal Schneeflocken „Butzen“ genannt – laut Mundartexperten Professor König im Raum Mindelheim.

Und auch der Popel, Verzeihung, der verhärtete Nasenschleim, heißt gelegentlich „Butza“. In diesem Zusammenhang ist auch die Bedeutung des zu dieser Wortfamilie gehörenden „wutzeln“ im Bairschen zu erwähnen: mit den Fingern zusammenrollen, Kügelchen formen …

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