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Thierhaupten

13.11.2019

Zopf ab: Sophia (7) spendet ihre Haare für kranke Menschen

Zwei Jahre lang ist die siebenjährige Sophia Strobl aus Thierhaupten nicht zum Friseur gegangen. Im Oktober war es dann soweit. Sie hat 28 Zentimeter ihrer langen Mähne abschneiden lassen. Diese werden nun zu einer Echthaarperücke für kranke Menschen verarbeitet.
Bild: Marcus Merk

Plus Sophia Strobl aus Thierhaupten hat sich zwei Jahre lang ihre Haare wachsen lassen, um sie zu spenden. Eine Expertin erklärt, welche Haare besonders beliebt sind.

Die langen, braunen Haare von Sophia Strobl liegen zu einem Zopf geflochten in einer kleinen Schachtel. Zwei Jahre hat sich die Siebenjährige ihre Haare wachsen lassen. So lange, bis sie ihr zum Ellbogen reichten. Seit Mitte Oktober sind sie ab. Aus ihnen soll eine Perücke entstehen für Menschen, die ihre Haare wegen einer Krankheit verloren haben.

Vor zwei Jahren von der Möglichkeit im Radio erfahren

Zwei Jahre ist es her, als Mutter Anja Strobl im Radio von der Möglichkeit einer Haarspende erfuhr. Daraufhin hat sich die Mutter gemeinsam mit ihrer Tochter im Internet informiert und einen Verein gefunden, der Haare für Perücken vermittelt. Schnell war für beide klar, dass Sophia ihre Haare spendet, weil sie kräftig sind und schnell wachsen. Sophia wollte einfach helfen. „Als wir auf der Seite das Foto eines kranken Mädchens gesehen haben, ist Sophia erschrocken“, sagt Anja Strobl. „Sie hatte Angst, wenn sie spendet, auch eine Glatze zu bekommen.“

Ganz offen sprach die Familie mit der Siebenjährigen über Krebserkrankungen

Doch die Mutter konnte ihrer Tochter die Angst nehmen. Ganz offen sprach sie mit Sophia über Krankheiten und Chemotherapien, die zu Haarausfall führen. „Ich war positiv überrascht, wie gut Sophia das Thema verstanden hat“, erinnert sich Strobl an die Reaktion ihrer Tochter. Auch in der Schule erzählte das Mädchen, warum sie ihre Haare wachsen lassen möchte. „Viele wussten nicht, dass es Haarspenden gibt“, sagt Anja Strobl. „Als wir es ihnen erklärt haben, haben sie Sophia in ihrem Vorhaben bestärkt.“ Auch Freunde, ihre 15-jährige Cousine und Bekannte habe Sophia schon zu einer Spende bewegen können.

"Dafür lasse ich meine Haare wachsen"

Ein Schlüsselerlebnis hatte Sophia diesen Sommer auf dem Markt in Thierhaupten. „Wir haben ein Mädchen gesehen, dass keine Haare hatte und einen Mundschutz trug“, sagt Anja Strobl. Sichtlich stolz erzählt sie: „Sophia meinte beim Anblick des kranken Mädchens: Dafür lasse ich meine Haare wachsen.“ Die Siebenjährige denkt sogar schon weiter und überlegt, ob sie ihre Haare nochmals spendet. „Bis zur Kommunion im nächsten Jahr lassen wir die Haare wachsen“, erklärt Anja Strobl. Auch ihre vierjährige Tochter Lena möchte mitmachen. „Sie hat das ja alles bei Sophia mitbekommen“, sagt ihre Mutter. Derzeit sind Sophias Haare kinnlang. Ihre lange Mähne vermisst sie nicht. Zu sehr hatten sie diese gestört. „Nach dem Schwimmen waren sie verfilzt, beim Kämmen hat es gepiekst und das Föhnen hat lange gedauert“, sagt Sophias Mutter.

Sophia Strobl hat sich zwei Jahre die Haare wachsen lassen, um sie spenden zu können.
Bild: Alex Strobl

Expertin erklärt, welche Haare besonders gefragt sind

Möglichkeiten für Haarspenden gibt es viele, auch im Landkreis Augsburg. Seit drei Jahren ist Sara Eisenbarth aus Langerringen Initiatorin von „Echt-Haarig“ und vermittelt Haarspenden an Organisationen, die diese zu Echthaarperücken verarbeiten. Sie erklärt, was vor einer Spende zu beachten ist. „Grundsätzlich kann jeder spenden. Die Haare müssen nur mindestens 25 Zentimeter lang sein.“ Nur ab dieser Länge könnten die Haare zu einer Perücke verknüpft werden. Spendern rät sie, sich im Vorfeld im Internet zu informieren. Auch Eisenbarth hat sich umgehört und in einem Hamburger Verein einen Ansprechpartner gefunden. Darüber hinaus gibt es noch weitere Anlaufstellen, wie beispielsweise „Die Haarspender“ oder „haare-spenden.de“.

„Besonders beliebt sind graue und strohblonde Haar“, sagt Eisenbarth. Blondes Kinderhaar eigne sich sehr gut, da es noch nicht nachgedunkelt sei. Aber auch lockige und rote Mähnen seien sehr gefragt – wie auch Männerhaar. „Allerdings werden diese vermutlich eher zu Frauenperücken verarbeitet“, sagt Eisenbarth. Männer würden, anders als Frauen, nach dem Haarausfall eher Glatze tragen. Besonders für Betroffene, die dauerhaft Perücken tragen, seien Haarspenden wichtig, da sie alle zwei Jahre eine neue Perücke brauchen. Manchmal muss die künstliche Haarpracht auch mitaltern. „Deswegen sind graue Haare so beliebt.“

Das Alter der Haare spiele aber keine Rolle, meint Eisenbarth. „Sie sind sozusagen unkaputtbar“, auch sehr alte Haare könnten noch genutzt werden. „Ich habe mal einen 60 Jahre alten Zopf erhalten“, erinnert sich Eisenbarth. Wichtig sei, dass die Haarbündel geordnet sind. In fingerdicken Zöpfen sollte man sie abschneiden. Sobald die Haare verwuschelt sind, könnten man sie nicht mehr nutzen. „Man muss wissen, wo oben und unten ist“, sagt Eisenbarth. Andernfalls würde die Perücke verfilzen.

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