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Landkreis Augsburg

14.02.2018

Zu dick? Besser messen als wiegen

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Ernährungsberaterin Tinatin Deisenhofer untersucht Julia ganz genau, um die Körperzusammensetzung zu bestimmen.
Bild: Marcus Merk

Mit Beginn der Fastenzeit wollen wieder viele Menschen abnehmen. Ernährungsexperten aus dem Augsburger Land kritisieren aber die Orientierung am Body-Mass-Index (BMI). Warum er in die Irre führen kann.

Julia ist 1,62 Meter groß und wiegt knapp 70 Kilogramm. Geht es nach dem Body-Maß-Index, bekannt unter der Abkürzung BMI, ist sie übergewichtig. Doch jeder, der die sportliche und durchtrainierte junge Frau anschaut, schüttelt da verwundert den Kopf. Tinatin Deisenhofer, Ernährungsberaterin aus Gersthofen, hält nichts von der Messmethode BMI. Sie verwendet für ihre Arbeit ein Gerät, das beim Körper ihrer Patienten zwischen Fett, Muskelmasse und Wasser unterscheidet. Das Ergebnis bei Julia: Viele Muskeln, wenig Fett – alles im grünen Bereich.

Die Methode, die auch in Krankenhäusern und Fitnessstudios angewandt wird, heißt Bioelektrische Impedanzanalyse, kurz BIA. Tinatin Deisenhofer kann aus den Werten viel über die Ernährung eines Menschen herauslesen. Ein Beispiel: Ein Mann kam in die Beratung und klagte, dass er ständig erkältet ist und sich dauernd schlapp fühlt. Nach dem BMI wäre sein Gewicht in Ordnung gewesen. Doch die Ernährungsberaterin hat herausgefunden, dass der in einem Büro arbeitende Mann viel zu wenig Muskelmasse hat. Er begann Sport zu machen, hat inzwischen vier Kilogramm zugenommen und fühlt sich nicht mehr krank, sondern fit. „Mit Hilfe des Geräts kann man viel präziser arbeiten,“ sagt Tinatin Deisenhofer. Das Problem beim Abnehmen sei häufig, dass vor allem Wasser und auch viel Muskelmasse verloren wurde, während zu viel Fett bleibt.

Fett und Muskel erzeugen einen höheren Widerstand

Wie funktioniert die Messung? Über Hautelektroden an den Händen und Füßen wird ein Wechselstromfeld erzeugt und die Spannung gemessen. Die Gewebe haben eine unterschiedliche Leitungsfähigkeit für elektrischen Strom. Wasser leitet sehr gut, hingegen erzeugen Fett und Muskel einen höheren Widerstand. So lassen sich die Anteile von Wasser, Fett und Muskeln unterscheiden.

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Das Gerät bringt für manchen eine Überraschung: Eine 70-jährige Frau hat erfahren, dass sie wenig Muskeln hat, obwohl sie seit langem als Trainerin bei Gymnastikkursen arbeitet. Sport allein reicht nach der Erfahrung von Deisenhofer nicht. Die Ernährung müsse auch eiweißreich sein. Die Expertin riet der Frau mehr Fleisch zu essen. Gegen kleine Portionen täglich sei nichts einzuwenden.

Mit Hilfe der Werte aus der BIA-Messung kann Tinatin Deisenhofer auch bei einer Diät eines Klienten überprüfen, ob vor allem Fett abgebaut wird. Sie rät vom Einsatz von den im Handel erhältlichen Körperfettwagen ab. Hier werde nur von den Füßen bis zur Taille gemessen, was vor allem bei Frauen in die Irre führen kann. „Das macht hier wenig Sinn, da Frauen im Hüftbereich mehr Fett haben.“ Das Ergebnis führe zu unnötiger Frustration.

Es gibt auch Übergewichtige mit viel Muskeln

„Abnehmen ist eine sehr langwierige Geschichte“, weiß die Expertin. Ein Mann habe sechs Kilogramm abgenommen und sei ganz unzufrieden wieder in die Sprechstunde gekommen. Doch die BIA-Messung hat ergeben, dass er alleine sechs Kilogramm Fett verloren hat. „Das ist super, auch wenn das langsam geht“, so Deisenhofer. Ihr geht es bei der Beratung nicht nur ums Gewicht, sondern um den Gesundheitszustand insgesamt. „Es gibt auch Übergewichtige mit viel Muskeln, die topfit sind.“ Da könne sie dann beruhigen.

Den Menschen als Ganzes schaut sich auch Klaus Kellerer bei der Beratung in seiner Praxis an. Der Sport- und Gesundheitstrainer arbeitet im Sanus-Fitnesscenter in Gersthofen. Auch zu ihm kämen viele Patienten mit Gewichtsproblemen, berichtet er. Als erstes macht sich Kellerer ein Gesamtbild der Person.

Mit einer speziellen Waage das Körperfett messen

Er schaut nach dem Hautbild, fragt nach Ernährungsgewohnheiten, Stress und Medikamenten. Zwei Wochen lang muss der Klient dann notieren, wie viel Kalorien er zu sich nimmt. Auch Kellerer kann mit einer speziellen Waage das Körperfett messen. Vom BMI hält er gar nichts. „Der gehört in die Mülltonne.“ Der Wert sage nichts über den Menschen aus. Kellerer kritisiert, dass Krankenkassen bis heute auf diesen Wert zurückgreifen. Auch bei der Verbeamtung gelte der BMI noch als Messwert. Kellerer kennt einen muskulösen Polizeianwärter, der wegen eines zu hohen BMI abgelehnt wurde.

Größtes Problem beim Abnehmen ist laut Kellerer der innere Schweinhund. Er rät, mit der Bewegung einfach mal anzufangen, dann mache es mit der Zeit immer mehr Spaß. Hilfreich sei das Trainieren mit einem Freund oder Partner. Gerne gibt er Abspeckwilligen einen anderen Tipp: Sie sollten sich einen Hund anschaffen Dann gibt es keine Ausrede mehr, täglich rauszugehen.

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