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Betreuung 

02.04.2019

Zu wenig Personal: Kita-Leiterinnen beschweren sich im Landtag

Ein typisches Kindergarten-Stillleben: Ein Garderobenplatz für jedes Kind lässt sich von den Kommunen meist noch organisieren. Schwieriger ist es, qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Kita-Leiterinnen aus dem Landkreis wollen ihre Sorgen heute direkt im Landtag in München ansprechen.

Plus Personalnot, zu wenig Zeit und unpassende Räume machen den Alltag in Krippe, Kindergarten und Hort schwer. 30 Erzieherinnen aus dem Landkreis reicht es. 

Fachkräftemangel – an diesem Thema kommt inzwischen keine Kita im Landkreis mehr vorbei. Da ist sich die Leiterin der Kindertagesstätte St. Georg in Westendorf, Elfriede Reiser, sicher. „Fast in jeder Einrichtung sind Stellen nicht besetzt“, sagt sie. Und das ist nur eines der Probleme, die den Leiterinnen der Einrichtungen die tägliche Arbeit schwer machen. Was Krippen, Kindergärten und Horte brauchen, um auch in Zukunft eine „gute Kita“ sein zu können, das wird sie und weitere 30 Kindergartenleiterinnen aus dem katholischen Caritasverband im Landkreis Augsburg heute direkt im Landtag ansprechen. Eingeladen sind sie im Arbeitskreis Soziales der Fraktion der Freien Wähler. „Es geht darum, die Qualität unserer Einrichtungen zu halten und zu verbessern. Aber das kann nur mit den passenden Rahmenbedingungen gelingen“, ist Elfriede Reiser überzeugt.

Knapp 10600 Kinder im Krippen-, Kindergarten und Grundschulalter sind im vergangenen Jahr in den Betreuungseinrichtungen des Landkreises angemeldet gewesen, so der statistische Jahresbericht des Amts für Jugend und Familie. Mehr als zwei Drittel davon waren im typischen Kindergartenalter zwischen drei Jahren bis zur Einschulung. Im Anstellungsschlüssel genau festgelegt ist, von wie viel Fachpersonal sie in den einzelnen Gruppen betreut werden sollen. Für Kindergärten ist das mindestens eine Betreuungsperson pro elf Kindern, erläutert Landratsamt-Sprecher Jens Reitlinger.

Es fehlt an Personal in den Kindergärten

Doch wo soll das Personal für die, auf den Landkreis gesehen, ständig steigende Zahl von Gruppen herkommen? In der Kita St. Georg in Westendorf wird ab September zu den bestehenden drei Gruppen eine weitere hinzukommen. Gesucht werden dort nun Erzieher, Kinderpfleger, ein Praktikant und eine Küchenhilfe. Ein wenig besorgt blickt Elfriede Reiser auf diese Herausforderung – ebenso wie der Vorstandsvorsitzende des Kita-Zentrums St. Simpert, Günter Groll. Das Zentrum unterstützt im Bistum Augsburg die Träger von katholischen Kinderbetreuungseinrichtungen, so auch St. Georg. „Der Personalmangel im pädagogischen Bereich ist dramatisch“, sagt er, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Ein Weg des Bistums sei, sich in der Ausbildung zu engagieren.

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Wie attraktiv ist der Beruf?

Allerdings, da ist er sich mit Elfriede Reiser einig, müsse noch mehr getan werden, um Jugendliche vom Beruf der Erzieherin oder des Erziehers zu überzeugen. „Die Tariferhöhungen der vergangenen Zeit gehen zwar in die richtige Richtung“, so die Kita-Leiterin.“ Doch wenn man bedenke, wie sich allein in den vergangenen zehn Jahren die Anforderungen in der Praxis verändert hätten, sei das Gehaltsniveau immer noch zu gering. Das fange schon bei der Ausbildung an: 400 bis 500 Euro erhalten die Praktikanten im ersten Jahr – „viel weniger, als in anderen Ausbildungsberufen“, kritisiert sie. Junge Leute würden da inzwischen sehr genau auf den Verdienst schauen. Eigentlich kein schlechtes Zeichen, findet die Kindergartenleiterin. Durch diesen Druck könnte am Ende das Gehaltsniveau im pädagogischen Bereich weiter steigen.

Fast alle Kinder werden bis zum Nachmittag betreut

Doch das Thema Fachkräftemangel nur eines von denen, die die Kindergartenleiterinnen heute in München bei den Freien Wählern ansprechen wollen. Ein anderes ist das aktuell geltende Raumprogramm, nach dem eine neue Betreuungseinrichtung gefördert wird. Das entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen. Therapieräume für Kinder mit besonderem Förderbedarf, Speisezimmer oder Schlafsäle seinen darin noch gar nicht oder nur sehr begrenzt eingeplant. Eine Folge: Fast alle Kinder werden inzwischen bis in den Nachmittag hinein betreut, das Mittagessen bekommen sie aber oft aus Platzmangel direkt im Gruppenraum zwischen den Spielsachen. „Das ist schon aus hygienischen Gründen nicht gut“, findet Elfriede Reiser.

Hinzu komme, dass Kita-Leiterinnen kaum Zeit für ihre Leitungsaufgaben einplanen könnten. Die Zeit für Büroaufgaben gehe oft genug dafür drauf, für erkrankte oder fehlende Kolleginnen einzuspringen. Besser geplant werden müsse auch die Auszahlung des 100-Euro-Zuschusses für Eltern in Bayern. Der Zuschuss soll ab April gelten, wird aber wohl erst ab Juni ausgezahlt. Und was Elfriede Reiser beim Thema Wertschätzung ärgert: Ein Gute-Kita-Gesetz hat die Bundesregierung verabschiedet. „Aber was waren wir denn dann vorher?“

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