Newsticker

Teil-Lockdown bis 10. Januar 2021 verlängert - Söder deutet Verschärfung an
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Züchten ist kein Kinderspiel

Neusäß

09.11.2017

Züchten ist kein Kinderspiel

Avelin aus Neusäß zeigt stolz ihr Meerschweinchen Tink.
Bild: Marcus Merk

Die kleine Avelin hätte gerne Nachwuchs in ihrem Meerschweinchenstall. Für ihre Weibchen möchte sie deshalb ein Männchen „ausleihen“. Was Expertinnen dazu sagen.

Avelin aus Neusäß ist zehn Jahre alt und stolze Besitzerin zweier Meerschweinchen: Vor zweieinhalb Jahren kamen die graue Tink und die schwarz-weiße Anschau in die Familie. Da waren die beiden Weibchen noch ganz klein und „gerade von der Mutter abgezapft“, wie es Avelin schildert. Der Stall mit einer kleinen Hütte für die Nager ist selbst gebaut und befindet sich im Garten. Avelin hat sich über ihre Haustiere und deren Bedürfnisse informiert, beschäftigt sich viel mit ihnen. Gerade versucht sie ihren beiden Meerschweinchen beizubringen, auf Zuruf zu ihr zu kommen. Doch das Mädchen weiß, sie braucht Geduld: „Google hat gesagt, das Training dauert einen Monat.“

Jetzt möchte Avelin über die bloße Haltung hinausgehen: Sie will Nachwuchs für Tink und Anschau. Doch dazu braucht es einen geeigneten Bock – um ein Männchen zu finden und für einige Wochen „auszuleihen“, hat sie sich an unsere Zeitung gewendet. Die Zehnjährige hat bereits viele Videos über die Zucht gesehen und weiß, dass ein Meerschweinchen circa zehn Wochen lang trächtig ist. Weil bei Avelin zu Hause kein Platz für die Jungen ist, sollen diese nach ein paar Monaten verkauft oder verschenkt werden. Avelin grinst und meint: „Vielleicht kann ich Mama dann noch überreden, selbst ein Baby zu behalten.“

So wie Avelin wünschen sich viele Kinder neben dem eigenen Haustier auch den passenden Nachwuchs dazu. Wie Eltern damit umgehen sollten, erklärt die Vorsitzende des Landesverbands Bayern der Meerschweinchenfreunde Deutschland, Petra Gemeinhardt. Zunächst einmal sei das Aufwachsen mit Tieren sehr gut für die Entwicklung der Kinder. Dabei lernen die Kleinen unter anderem, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen. Vor der Anschaffung eines Haustiers sollte jedoch innerhalb der Familie geklärt werden: Haben wir genug Platz und den Willen, gibt es Allergien? Ist vom Züchten die Rede wie bei Avelin und ihren Meerschweinchen, ist „die hohe Schule“ erreicht: Die Ansprüche gehen noch über die Haltung hinaus.

Auch „das Motiv der Zucht“ sollte gut überlegt sein, fügt Sabine Gassner, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Augsburg und Umgebung, hinzu. Generell sei das Züchten nicht verboten. Doch es gehe nicht nur darum, dass ein Tier „süß“ ist. Hier stehen auch die Eltern in der Verantwortung. „Kinder dürfen nicht überfordert werden“, sagt Petra Gemeinhardt. Die Zucht könne schnell außer Kontrolle geraten, und die Tierheime seien ohnehin voll. Außerdem sei darauf zu achten, das mit einer „guten Linie“ gesunde Jungen zur Welt kommen. Die Schwangerschaft sei auch ein „Hochrisikofaktor“ für das Weibchen, denn es handelt sich um Fluchttiere. Das bedeutet: Der Nachwuchs ist bereits relativ groß, wenn er geboren wird, hat schon Fell und geöffnete Augen. Gerade während der Tragzeit sei eine gute Haltung mit ausgewogener Ernährung besonders wichtig.

Will man dennoch züchten, sollte man es Petra Gemeinhardt zufolge richtig machen: Bestenfalls wendet man sich an den Landesverband Bayern der Meerschweinchenfreunde oder direkt an einen erfahrenen Züchter. Dann können grundlegende Infos eingeholt werden und ein Austausch stattfinden. Generell freue sich der Verein über alle Interessenten, doch stets müsse im Sinne des Tierschutzes gehandelt werden. Es müsse mit „Vorsicht, Bewusstsein und Liebe“ an Haltung und Zucht herangegangen werden. „Die Familie muss wissen, auf was sie sich einlässt“, sagt die Vereinsvorsitzende. Avelin und ihrer Familie wünscht Petra Gemeinhardt viel Freude mit Tink und Anschau. Mit Avelins großem Wissen sei „der erste Schritt zum guten Halter getan“ – doch ein kleines Mädchen sollte sich nicht unbedingt mit einer Zucht übernehmen. Eigentlich wäre Avelin schon mit einem Wurf zufrieden – „außer, es sind dann nur drei Babys oder so.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren