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Landkreis Augsburg

08.11.2017

Zutritt nur mit Chip und Code

Die Zeiten der offenen Schulen sind in Neusäß und anderen Kommunen vorbei. Die Eingangstür der Grund- und Mittelschule am Eichenwald ist während des Unterrichts abgesperrt. Einlass gibt es mittels eines Codes oder eines Chips als Schlüsselersatz. Die Kamera (rund) zeigt dem Schulpersonal, wer vor der Türe steht.
Bild: Marcus Merk

Nach der Geiselnahme im Landratsamt in Pfaffenhofen ist die Debatte um die Sicherheit in öffentlichen Gebäuden aufgeflammt. Wie sich Schulen vor Fremden schützen.

Vor ziemlich genau einem Jahr tauchten am Eingang des Landratsamtes in Augsburg auf einmal uniformierte Beschäftigte eines Sicherheitsdienstes auf und kontrollierten die Taschen der Besucher. Die Kontrolleure waren sichtbare Auswirkung eines verschärften Sicherheitskonzeptes der Landkreisverwaltung – damals als Folge der Terroranschläge von Ansbach und Würzburg.

Stichprobenartigen Taschenkontrollen

Nach der Geiselnahme im Pfaffenhofener Landratsamt, der Randale in der Augsburger Sozialbehörde und den Drohungen an der Augsburger Herrenbachschule, rücken die Sicherheitsvorkehrungen in Behörden, an Schulen und Kindergärten wieder in den Blickpunkt – doch die Verantwortlichen äußern sich nur vorsichtig. Schließlich wollen sie möglichen Angreifern keine Anhaltspunkte geben. Die jüngsten Vorfälle hätten jedenfalls bestätigt, dass verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angebracht seien, so Behördensprecher Michael Püschel. Zu stichprobenartigen Taschenkontrollen am Eingang könne es kommen: „Das hat nie aufgehört.“

Gefährlich könne es für Mitarbeiter überall dort werden, wo Bürger „an ihre emotionalen Grenzen gelangen“, so Püschel. So zählt die Sozialverwaltung zu den neuralgischen Punkten, aber auch das Bauamt. Ein Beispiel aus Niedersachsen: Dort hat im Frühjahr ein 47-Jähriger sein Auto in das Rathaus von Verden gesteuert und den Wagen anschließend in Brand gesetzt. Er wollte das Gebäude in die Luft sprengen. Das Motiv: Ärger über die Genehmigung eines Mehrfamilienwohnhauses auf seinem Nachbargrundstück.

Verstärkte Sicherheitsbedingungen in Grund- und Mittelschulen

Mit welchen technischen Tricks sich Mitarbeiter des Augsburger Landratsamtes vor Übergriffen schützen können, soll geheim bleiben. Ein wichtiger Punkt sei aber die Gesprächsführung, so Püschel. Die Mitarbeiter würden geschult, deeskalierend zu wirken und so Konflikte zu entschärfen. Über jeweils eigene Sicherheitskonzepte verfügen die landkreiseigenen Schulen. Sie sind mit den jeweils zuständigen Polizeidienststellen abgestimmt. Dabei geht es nicht nur darum, Fremden den Zutritt zu den Gebäuden zu verwehren, sondern auch um Flucht- und Alarmpläne.

In den Neusässer Grund- und Mittelschulen gelten seit einigen Jahren verstärkte Sicherheitsbedingungen. Sie sind alle abgesperrt. „Wir haben überall elektrische Schließanlagen,“ sagt Simon Huber von der Finanz- und Schulverwaltung der Stadt. Der Einbau der Anlagen sei nach und nach im Rahmen der Schulsanierungen in den vergangenen Jahren erfolgt. Wer nach Unterrichtsbeginn kommt, muss klingeln. Huber: „So haben wir eine gewisse Kontrolle, wer im Schulhaus ein- und ausgeht.“ Die Lehrer und anderen Schulangestellten können mit einem Chip, den sie an ein Lesegerät an der Haupteingangstür halten, öffnen. Außerdem gibt es zum Beispiel an der Eichenwaldschule neben der Klingel eine Kamera, um zu sehen, wer vor der Tür steht. Mittels eines Zahlencodes kann man sich Einlass verschaffen. Die Sicherheitskonzepte für die Schulen seien mit der Polizei und würden jedes Jahr angepasst, so Huber. Auch für das Rathaus gebe es Sicherheitsmaßnahmen, sagt Bürgermeister Richard Greiner. Grundsätzlich würden diese aber dem Konzept der Transparenz und einem Trend zu mehr Bürgerfreundlichkeit unterliegen. „Wir werden nun verwaltungsintern klären, ob es zu einer neuen Bewertung kommen muss“, so Greiner.

Codes für verschiedene Bedrohungen

Die Stadt Gersthofen hat vor wenigen Monaten ihr Sicherheitskonzept fürs Rathaus überarbeitet. „Jede Abteilung – in manchen Fällen auch jeder Arbeitsplatz – wurden eingestuft, inwieweit die Mitarbeiter, aber auch die Bürger, die zu uns kommen, besser geschützt – aber auch besser bedient werden können“, so Rathaussprecherin Ann-Christin Joder. Über genauere Details gebe die Stadt aus Sicherheitsgründen allerdings keine Auskunft.

Schon seit dem Attentat in Winnenden gelten für die Schulen strenge Sicherheitsvorschriften. „In den Grundschulen sind die Eingangstüren auch während der Unterrichtszeit versperrt. Besucher müssen im Sekretariat klingeln oder sich vorher anmelden.“ Im Altbau der Mittelschule sind die Türen außerhalb der Kernunterrichtszeiten geschlossen. Während der Unterrichtszeit sei das wenig sinnvoll, weil so viele Schüler unterwegs seien. Laut internem Sicherheitskonzept sind die Lehrer gehalten, fremde Menschen im Schulgebäude anzusprechen, um ihnen helfen zu können. Außerdem seien Codes für verschiedene Arten der Bedrohung ausgemacht, mit deren Hilfe die Lehrer per Durchsagen gewarnt werden.

Im Neubau der Mittelschule gibt’s dann ein zusätzliches Sicherheitselement: Hier haben sämtliche Klassenzimmertüren und innen Klinken. Wer vom Gang aus einen Raum betreten will, muss einen Schlüssel haben“, so Ann-Christin Joder.

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