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Gersthofen

18.06.2019

Zwei Gersthofer strecken ein Haus in die Höhe

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2 Bilder
Bauingenieur Roland Schmailzl hat das unter Denkmalschutz stehende Nördlinger Haus saniert.
Bild: Jan-Luc Treumann

Christine und Roland Schmailzl sanieren in Nördlingen ein denkmalgeschütztes Haus. Die Deckenhöhe stellt sie vor Herausforderungen. Ein Video zeigt das Ergebnis.

In die Wohnung im Erdgeschoss geht es eine Stufe hinunter. Graue Holzbalken an der Decke. Über der Küchenzeile schimmert ein buntes Muster durch. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert. Das Haus wirkt modern, hat aber andere Elemente. Teils alt, wie die Holzbalken, teils alt aussehend, wie eine Ziegelmauer im Bad. Vor vier Jahren war das Haus völlig marode. Doch die Sanierung des Gebäudes in der Hutergasse 3 in Nördlingen gelang so gut, dass es mit dem Denkmal-Sonderpreis 2018 vom Bezirk Schwaben ausgezeichnet wurde.

Das erste Mal kamen Christine und Roland Schmailzl aus Gersthofen vor etwa zehn oder zwölf Jahren nach Nördlingen, ihnen gefiel die Stadt, sie kamen häufiger. „Wir haben irgendwann Leute beim Abendessen getroffen. Sie stammen aus Nördlingen, wohnten aus beruflichen Gründen in München und hatten beschlossen, im Alter wieder herzukommen“, sagt Roland Schmailzl.

Die Stadt und deren Rhythmus gefällt

Im Gespräch mit den Nördlingern sei ihnen bewusst geworden, dass ihnen die Stadt und deren Rhythmus gut gefalle: „Und dann haben wir nach einem Haus geschaut.“ Rhythmus. Der 50-Jährige erklärt, was er damit meint: „Hier machen samstags die Läden um zwei zu, es ist aber trotzdem Leben in der Stadt.“ Sie hätten sich etwas in die Stadt verliebt.

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Roland Schmailzl ist Bauingenieur. Der Plan war eigentlich, ein Haus zu kaufen, das er ein bisschen herrichten kann, schildert Schmailzl. „Es hat mich interessiert, mal so einen Umbau zu machen. Dass wir eine Grundsanierung machen, war in der Form nicht geplant.“ Doch in der Hutergasse 3 war es nötig. Im Jahr 2013 besichtigte das Ehepaar das Haus zum ersten Mal. Seit 1999 war das Haus unbewohnt gewesen, Wasser floss herein, der Dachstuhl war marode. Und dennoch sagt der Bauingenieur: „Als meine Frau und ich das Haus das erste Mal gesehen haben, hat es uns gefallen.“

Vier Wohnungen gibt es in dem Haus

Die Sanierung begann im Juni 2015. Schmailzl wollte die Sanierung in einem Jahr durchführen, der Plan ging nicht ganz auf: „Tatsächlich waren wir im Oktober 2016 fertig.“ Vier Wohnungen gibt es in dem Haus, in zehn Jahren will das Paar laut Schmailzl nach Nördlingen ziehen: „So ist der Plan. Wie es kommt, weiß kein Mensch.“

Das Gebäude, das Mitte des 15. Jahrhunderts gebaut wurde, steht unter Denkmalschutz. Das machte eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Nördlingen nötig. Die Decken im Gebäude waren sehr niedrig, lagen zwischen 1,70 und 1,90 Meter Höhe, wie Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl bei der Preisverleihung sagte. Viele Kaufinteressenten habe das abgeschreckt. Schmailzl machte eine Änderung der Deckenhöhe zur Bedingung für eine Sanierung, dem wurde zugestimmt. Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel erklärt: „Es gibt Zugeständnisse, die man machen muss. Das Haus soll ja auch einigermaßen bewohnbar sein.“

Das Risiko war der Zimmerei zu groß

Beide Seiten, Bauherr und Denkmalamt, müssten bei solchen Sanierungen aufeinander zugehen. Zunächst gab es ein neues Fundament für das Haus. Danach wurden die Holzdecken im Erdgeschoss saniert, sagt Schmailzl. Anschließend gingen sie das Dach an. Eigentlich gab es die Überlegung, das Dach mit Hydraulikpressen als Ganzes anzuheben, um mehr Höhe zu gewinnen. Das Risiko war der Zimmerei zu groß. „Es hätte blöd laufen können und das ganze Dach wäre in sich zusammengefallen“, sagt der Gersthofer.

Schließlich entschieden sie sich für eine andere Variante. Die Dachsparren, also die Dachkonstruktion, war marode. „Jedes Sparrenfeld wurde einzeln abgebaut und instand gesetzt“, sagt der 50-Jährige. Um den Dachstuhl zu erhöhen, setzten sie ein zusätzliches Holzstück ein, auf das die sanierten Sparren gesetzt wurden. Bezirksheimatpfleger Fassl sagt zur Anhebung: „Die Ausführung ist eine vorzügliche Leistung.“ Die Sanierungskosten für das Haus in der Hutergasse 3 betragen mehr als eine Million Euro. Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel sagt, dass die Arbeiten mit rund 480000 Euro, unter anderem vom Landkreis, Bezirk, Stadt und dem sogenannten Entschädigungsfonds gefördert wurden: „Davon profitieren die Altstadt und Nördlingen.“ Und die Schmailzls? Sie planen bereits, das nächste Haus in Nördlingen zu sanieren.

Das Haus in der Hutergasse 3 in Nördlingen wurde mit einem Sonderpreis des Bezirks Schwaben ausgezeichnet. Roland Schmailzl zeigt, was dort saniert wurde.
Video: Jan-Luc Treumann
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