Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Zwei Mundart-Asse trumpfen auf

Musiklesung

14.11.2018

Zwei Mundart-Asse trumpfen auf

Mit sarkastischem Humor und ausgesuchten Musikstücken ließen Stefan Leonhardsberger (links) und Stephan Zinner die Münchner und Wiener Lebenskultur miteinander verschmelzen.
Bild: Thomas Hack

Stefan Leonhardsberger aus Österreich und der Münchener Stephan Zinner erobern bei „Kaffee und Bier“ die Publikumsherzen im Stadtberger Bürgersaal

Zwei unterschiedliche Volksstämme, zwei verstörende Dialekte, zwei außergewöhnliche Mundart-Talente auf derselben Showbühne – dies waren die einfachen, aber einschlagenden Grundzutaten für den musikalischen Literatur-Cocktail, den das österreichische Multitalent Stefan Leonhardsberger und der oberbayerische Nockherberg-Grantler Stephan Zinner im Stadtberger Bürgersaal den Besuchern serviert haben.

Mit vereinten Kräften zog das ungewöhnliche Entertainerduo sämtliche Register der heimatlichen Sprachkünste und eroberte gerade durch die unvermeidbaren Kontraste der jeweils landestypischen Eigenheiten die Herzen des zahlreich erschienenen Publikums. „Kaffee und Bier“ hieß das Bühnenprogramm der beiden sympathischen Draufgänger, wobei diese zwei Getränkespezialitäten ebenso unterschiedlich geartet sind, wie die spritzigen Erzählungen, Songs und Lebensweisheiten, die die beiden Kabarettisten im Bürgersaal auf die Zuhörer verschossen.

Ob mit einer pfiffigen Persiflage auf allmorgendliche Zankduelle am bajuwarischen Küchentisch, ob mit saloppen Salon-Anekdoten aus der berühmt-berüchtigten Donaumonarchie. Bei dieser unterhaltsamen Lesung trafen München und Wien in einer derart nonchalanten Weise aufeinander, dass man mitunter fast glaubte, ein zänkisches, aber innig verliebtes Ehepaar vor sich sitzen zu haben.

Die Gäste erfuhren im Laufe des Abends nicht nur sämtliche österreichischen Begriffe für den seligen Weinrausch – von denen es angeblich mehr geben soll als Wörter für Schnee bei den Eskimos –, sondern wurden auch immer wieder mit hochphilosophischen Fragestellungen des Lebens, der Menschheit und dem ganzen Rest des Universums konfrontiert: Kann die Seele Adams tatsächlich irgendwo im Himmel herumschwirren, obwohl chronologisch betrachtet der Türsteher Petrus seinerzeit noch gar nicht dort sein konnte? Könnten unsere Wiener Zeitgenossen ohne die legendäre Belagerung der Türken heutzutage stolz auf ihre hochgelobte Caféhauskultur sein? Und wie sah bitterböse Religionssatire im Jahre 1907 Anno Domini aus? In eigenen Erzählungen sowie in rezitierten Geschichten von Arthur Schnitzler, Karl Valentin, Gerhard Polt und anderen Heimatdichtern traf hier die bayerische Brunftkultur mit allgemeinem Wiener Wahnsinn zusammen, was durch kongeniale Liedermacherkunst und den souveränen Gitarrenklängen Stephan Zinners in eine stimmige – und vor allem stimmungsvolle Atmosphäre gekleidet wurde.

Und trotz des herzerfrischenden Humors, der immer irgendwo zwischen zeitlosem Zynismus und sympathischem Bühnenklamauk angesiedelt war, zeichnete sich dieses musikalische Literaturprojekt als kleine, aber feine Perle der Lokalkultur aus. Denn es handelte sich hier keineswegs um eine weitere statische Dichterlesung der üblichen Art, sondern letztendlich um respektable Schauspielkunst, die mit wohldurchdachter Wortakrobatik, einvernehmender Körpersprache und punktgenau gesetzten Pointen in ihrer Gesamtheit überzeugte.

Alles in allem ein kulturübergreifendes und dennoch zusammenschweißendes Literaturvergnügen, das bei „Kaffee und Bier“ einfach nur eines im Sinne hatte: Spaß zu machen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren