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Salonmusik

21.05.2014

Zynisches von Zithersaiten

Ein Meister der Zither und des schwarzen Humors ist der Musikpreisträger Lothar Lägel. Er spielte mit den Münchner Konzertschrammeln.

Münchner Konzertschrammeln brillieren in Stadtbergen mit Hintersinn und Humor

Stadtbergen „Ja, wir haben die Wiener Melange zerschrammelt“ – so sprach es Zitherkünstler Lothar Lägel und grinste verschmitzt über den Brillenrand. Der mehrfach ausgezeichnete Preisträger ist einer von fünf hochkarätigen Musikern, die im Stadtberger Bürgersaal nun eine gemeinsame Mission verfolgten: Wiegende Walzerklänge mit einer gesunden Portion Zynismus und rabenschwarzem Humor anzureichern.

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Auf den Spuren von Georg Kreisler

Die Münchner Konzertschrammeln sind den Spuren des Komponisten Georg Kreisler gefolgt und hatten sich vorgenommen, mit ihren klassischen Instrumenten ganz neue Töne anklingen zu lassen. Lägel stimmte noch kurz seine majestätische Zither und schließlich begannen mit einem einfachen Dreiklang die Münchner-Wiener G’schichten mit dem ganz besonderen Schmäh. Die verspielte Weise „Die Schönbrunner“ blieb in der Melodie durchaus noch dem guten alten Charme eines ausgelassenen Kaiserreichs verhaftet, doch auch hier ließen die eingespielten Moll-Sequenzen bereits erahnen, dass es bei diesem Konzert nicht (nur) um beschwingte Glückseligkeit gehen sollte.

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Schon der Beitrag „Wien ohne Wiener“ entwickelte sich zu einer sarkastischen Abrechnung mit der österreichischen Nachkriegszeit. Und hier zeigte sich auch gleich Lägels besondere Gabe: Er beherrschte nicht nur mit flinken Fingern meisterhaft das Spiel mit den Saiten, sondern vermochte gleichfalls mit einer voluminösen Gesangsstimme das Publikum zu überzeugen. Manchmal als sanfte Weisen, dann wieder als spitzzüngige Vergeltungsrufe schossen die Textzeilen in den Raum und erzählten in ihrer ganz eigenen Art von österreichischen Totenbetten, dem unergründlichen Tempo der Zeit oder dem „müden Willi“, der selbst beim Küssen einzuschlafen pflegte. Es hatte durchaus ein bisschen was vom alten Dauergrantler Hans Moser, nur eben sehr viel frecher – und in Farbe statt Schwarzweiß!

Was den Besuchern besonders gefiel: Lägel gab zwischen den Liedern immer wieder kleine Anekdoten über die Komponisten oder die historischen Umstände zum Besten, wobei er freilich auch im gehörigen Maße bitterböse Kritik am bestehenden Zeitgeist übte. Manches drehte sich um absonderliche Sinnlosigkeiten („Der Bluntschli“), andere Beiträge waren quasi schon als hundsgemein einzustufen, wie etwa „Mütterlein“, eine musikalische „Retourkutsche an das Mitleidsmonster Heintje“.

Es offenbarten sich sogar Arrangements, die zwar angekündigt, dann aber gar nicht erst gesungen wurden, weil die Texte laut Interpreten von saublöder Unerträglichkeit geprägt sind („Wenn in Hellbrunn der Flieder blüht, so manches Herz im Fieber glüht“). Ob nun humorvoll oder hintergründig: Die Konzertschrammeln präsentierten sich als perfekt eingespieltes Team, was unter anderem auch auf das hohe Niveau der Musiker zurückzuführen war: Violinist Toyomi Suzuki, Pianist Walter Brachtel und Bassist Arpad György können auf Jahrzehnte an Erfahrung im Münchner Rundfunkorchester zurückblicken,

Gitarrist Martin Lamprecht genoss Ausbildungen am Richard-Strauss-Konservatorium sowie im Institut für Musikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Sarkasmus und Schmäh werden zur Kunstform

Sarkasmus und Schmäh sind an diesem Abend letztendlich zur salonfähiger Kunstform geworden. Als Zugabe folgte schließlich fast schon etwas ganz „Normales“, eine Hommage an den unvergessenen Heinz Rühmann. Besucher Peter Ullmann war eigens aus Haunstetten angereist, um Lägel und seine stänkernde Schrammeltruppe zu sehen. Ob es ihm gefallen hat? Ullmann grinst beinahe ebenso so spitzbübisch wie der Zitherkünstler selber: „I fand’s guad. A gelungene Parodie auf Wien…“

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