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Alleinerziehende Mütter im Landkreis Augsburg erzählen am Muttertag, was sich ändern muss

Landkreis Augsburg

„Allein dauert alles länger“: Was sich alleinerziehende Mütter wirklich wünschen

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    Alleinerziehende Mutter Sandra Wipp mit ihren Kindern Lina und Matthias
    Alleinerziehende Mutter Sandra Wipp mit ihren Kindern Lina und Matthias Foto: Marcus Merk

    „Mama, ich habe Durst“, „Mama, kannst du mir helfen?“, „Mama guck mal!“ Von solchen Rufen wird Sandra Wipp aus Westheim oft unterbrochen, wenn sie den Haushalt erledigen möchte. Weil es auch häufiger vorkommt, dass ihr achtjähriger Sohn und Ihre zehnjährige Tochter auch Dinge wieder unordentlich machen, während sie noch dabei ist, aufzuräumen, macht sie die Hausarbeit oft, wenn die Kinder unterwegs sind. „Allein dauert alles länger“, beschreibt sie ihren Alltag als alleinerziehende Mutter. Nach dem Suizid ihres Mannes lebt sie seit sechs Jahren mit ihren Kindern nur noch zu dritt. Das ist häufig herausfordernd, aber bringt auch viele schöne Momente mit sich.

    „Wir sind sehr eng zusammengerückt und meine beiden Töchter und ich sind ‚best Buddys‘“, sagt auch Susanne Nowak, 51, die eigentlich anders heißt und auch aus dem Landkreis Augsburg kommt. Sie ist ebenfalls alleinerziehend. Vor acht Jahren hat sie sich von ihrem damaligen Mann getrennt, lebt seitdem mit ihren inzwischen 18- und 16-jährigen Töchtern allein. Nowak klingt ein wenig stolz, wenn sie mit sichtlicher Freude erzählt, dass Ihre Kinder fast erwachsen sind und sich immer weiterentwickeln. Doch ihr Weg dahin war schwer.

    Drei Jobs und die Kindererziehung - wie gelingt das?

    Die ersten Jahre sind hart: Sozialpädagogin Nowak arbeitet in Teilzeit und hat nebenher noch zwei Jobs im Einzelhandel und bei einer Veranstaltungshalle. Alle zwei Wochen sind die Kinder am Wochenende beim Vater, Nowak nutzt die Zeit für ihre Nebenjobs. Als die Töchter älter werden, stockt sie nach und nach ihre Stunden auf, hat mittlerweile keine Nebenjobs mehr. Das Verhältnis zu den Mädchen beschreibt sie als innig, gerade, als sie noch kleiner waren, sei das besonders intensiv gewesen. Doch genau das machte es auch schwierig.

    „Wenn die beiden am Wochenende weg waren, war es sehr still und wenn sie wiederkamen, haben sie auch nicht erzählt, wie es beim Vater war. Ich habe ihnen auch überlassen, was sie erzählen, aber trotzdem hat es sich weit weg angefühlt.“ Nowak macht an den Wochenenden, wenn sie nicht arbeiten muss, lange Spaziergänge in hohem Tempo. „So habe ich den Kopf freibekommen.“

    Westheimer Familie läuft jedes Jahr den Jakobsweg

    Auch Sandra Wipp läuft, jeden Sommer geht sie mit ihren Kindern ein neues Stück des Jakobswegs, mittlerweile sind das 500 bis 600 Kilometer in zwei bis drei Wochen. Abends, wenn die Kinder im Bett sind, tankt sie Kraft beim Fernsehen, Sport oder Meditationsmusik. Die 39-Jährige arbeitet in Teilzeit als Kinderkrankenschwester und betreut im Nebenjob Wachkomapatienten. Nach der Arbeit kocht sie den Kindern Essen, betreut die Hausaufgaben und bringt sie zum Sport oder zur Trauergruppe. An ihrem freien Tag ist der Haushalt dran.

    Wie schafft sie das alles? „Ich bin ein fröhlicher Mensch. Es ist nicht immer alles perfekt, aber ich gebe mein Bestes. Ich habe mir gesagt, jetzt erst recht.“ Ihre Kinder möchte sie nicht missen: „Ein Teil meines Mannes ist ja in meinen Kindern und ich wollte immer Kinder.“

    Dass ihre Kinder ihrem Ex-Mann sehr ähnlich sein können, war für Susanne Nowak nicht immer leicht, ihre ältere Tochter, sagt sie, käme nach ihrem Vater: „Das ist schwierig, aber das muss man trennen können.“ Nowak ist froh über die offene Beziehung zu ihren Töchtern und darüber, dass sie mit ihnen über vieles reden kann.

    Trotzdem sieht sie immer wieder, wie alleinerziehende Mütter benachteiligt sind. „Wenn man in irgendeiner Form aus der Norm fällt, kann das ein Makel sein“, sagt sie und erzählt, dass sie zu Aktivitäten mit Paaren beispielsweise nicht mehr eingeladen wurde. „Warum habt ihr ein Problem damit, wenn ich keins damit habe?“, habe sie sich dann gefragt.

    Alleinerziehende im Landkreis Augsburg wünschen sich mehr Anerkennung

    Auch mit strukturellen Problemen muss sie leben: Sie bekomme beispielsweise nicht mehr Kindergeld als ihr Partner, obwohl sie einen Großteil der Erziehung übernehme, und natürlich ist da auch die unbezahlte Care-Arbeit, also die Tatsache, dass Kindererziehung und Haushalt nicht entlohnt werden. Auch steuerlich gebe es kaum Vorteile. „Der Staat müsste Alleinerziehende auch mit Angeboten besser unterstützen“, sagt Nowak.

    Wipp wünscht sich mehr Anerkennung und hat ein Beispiel aus ihrem Alltag: „Mehr Ferienbetreuung oder ein Modell mit Ziehomas wären gut, ich muss das immer mit Überstunden regeln.“ Auch in Freizeitparks oder beim Skifahren gebe es zwar Familientickets, aber keine für alleinstehende Eltern. Doch sie bleibt trotzdem zuversichtlich: „Jeder Tag hat etwas Schönes, ich will meine Kinder heranwachsen und irgendwann vielleicht heiraten sehen, vielleicht werde ich auch Oma, ich will noch viel erleben.“

    Hinweis: Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie darüber! Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten - per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch, auch anonym. Hier finden Sie eine Übersicht.

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