Wer mit Benjamin Früchtl, dem neuen Bürgermeister von Fischach, einen Spaziergang durch den Ort unternimmt, wundert sich zunächst einmal. Dieser Mann soll erst seit wenigen Monaten in der Marktgemeinde leben? Begeistert zeigt er jene Plätze, die er besonders schön findet rund um die Wiesen von Schmutter und Neufnach, grüßt praktisch jeden und jede auf der Straße und hält für ein paar Worte an. Früchtl ist in Schwabmünchen geboren, in Lagerlechfeld aufgewachsen und hatte zuletzt in Horgau gelebt - doch in Fischach ist er längst angekommen. Das hat er in den kommenden Monaten vor.
Rückblende: „Bürgermeister zu werden, war nicht mein Lebensplan“, sagt Benjamin Früchtl heute. Sein Beruf, das war bis vor Kurzem die Entwicklung ländlicher Regionen. Vor rund eineinhalb Jahren erreichte ihn die Anfrage des Kreisverbands der CSU im Landkreis Augsburg, ob er sich vorstellen könne, als parteiloser Kandidat für das Bürgermeisteramt in Fischach anzutreten. Eine Überlegung, die er nicht ohne seine Frau treffen wollte. Gemeinsam sahen sie sich in der Marktgemeinde um, verbrachten sogar ein Wochenende in einem umgebauten Zirkuswagen in Siegertshofen - und dann fiel die Entscheidung komplett und umfassend.
Beim Wahlkampf von Haustür zu Haustür hat er viel zugehört
Zum einen: Benjamin Früchtl trat in die CSU ein. „Im konservativen Lager fühle ich mich ohnehin zu Hause“, sagt er. Und mit der Kandidatur wurde der Umzug nach Fischach geplant. „Wir haben eine schöne Wohnung mit Blick auf den alten jüdischen Friedhof gefunden“, erzählt der neue Bürgermeister. Die Erinnerung an diesen Teil der Geschichte des Orts wachzuhalten, sei ihm schon allein dadurch eine Verpflichtung. In den auf die Nominierung folgenden Monaten hat er dann Fischach und seine Bewohnerinnen und Bewohner auf ganz besondere Weise kennengelernt. „Am wichtigsten war dabei der Wahlkampf von Haustür zu Haustür. Ich habe viel zugehört und ganz bewusst aufgenommen“, sagt er.
Das Zusammenleben im Ort, das mache die Gemeinschaft so besonders. Und dann fällt jenes Wort, das ihm in den nächsten Monaten und Jahren zur selbst gesetzten Aufgabe werden soll. „Ich habe mir vorgenommen, das Ehrenamt weiter zu stärken“, sagt er. Denn ohne Ehrenamt werde es nicht funktionieren, die vielen schönen Seiten der Marktgemeinde am Leben zu halten. Ein Ort, der das für ihn symbolisiere, sei das Ensemble von Schule, Staudenlandhalle und Naturfreibad. Die Einrichtungen sind zwar kommunal oder staatlich, aber werden erst von den Menschen darin belebt. Benjamin Früchtl gibt ein Beispiel: Wer bei der Feuerwehr ist und sich neue, hochwertige Stiefel zulegen will, zahle trotz eines gemeindlichen Zuschusses am Ende drauf. Solch ein Engagement für die Gemeinde könne nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Der neue Bürgermeister will der Jugend ein Angebot machen
In den vergangenen Wochen hat Benjamin Früchtl viel mit dem bisherigen Bürgermeister Peter Ziegelmeier zusammengesessen, „dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagt Früchtl. Vieles gehe in den nächsten Monaten weiter seinen Weg und sei durch den bereits verabschiedeten Haushalt auch vorgegeben. Und doch hat der neue Bürgermeister auch seine eigenen Ideen. So will er etwas für die Jugend auf die Beine stellen und Ihnen ein Angebot machen, das sie selbst mitgestalten können und das ihren Bedürfnissen entspricht.
Mitgestalten, das soll auch für einen anderen Bereich der Marktgemeinde gelten. In den nächsten Wochen ist vorgesehen, Bürgerinnen und Bürger nach ihren Ideen für den Marktplatz zu fragen. Dort war seit vielen Jahren geplant, ein neues Rathaus und ein Gebäude mit mehreren öffentlichen Einrichtungen zu bauen. Doch inzwischen hat sich die finanzielle Lage der Gemeinde verändert und ein Ärztehaus ist im Entstehen. „Wir müssen das Nutzungskonzept sicher noch mal überdenken“, so Benjamin Früchtl. Ohne staatliche Förderung funktioniere eine Gestaltung aber nicht, genauso wenig wie die wichtige Verkehrsader der Staudenbahn oder das grundlegende Thema des Hochwasserschutzes.
Eine wichtige Fertigkeit eines Bürgermeisters hat Benjamin Früchtl übrigens schon geübt. Im Rahmen seiner früheren Tätigkeit war er mit einigen Bürgermeistern bei einem Bierfass-Anstich-Kurs. Denn Mitte Mai startet das Volksfest in Fischach mit dem traditionellen Anstich durch den Bürgermeister. „Auch das Volksfest kann nur durch das Ehrenamt stattfinden“, erinnert er. Inzwischen ist er voller Vorfreude auf seine neue Tätigkeit. Entscheidungen im Gemeinderat sollen möglichst im Einklang mit allen Fraktionen gefunden werden - so, wie es unter Peter Ziegelmeier war. Und doch bleibt die Entscheidung für die Kandidatur nur die zweitbeste seines Lebens, wie er sagt. Die beste, das sei die Ehe mit seiner Frau gewesen.
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