In seinen ersten Tagen als Bürgermeister hat Andreas Müller viele Hände geschüttelt. Er hat die Verwaltung kennengelernt und sich seinen neuen Mitarbeitern vorgestellt. Dann kamen noch Außentermine wie Baubesichtigungen hinzu. „Und es gab in den vergangenen Tagen sehr viele runde Geburtstage, die ich besucht habe“, berichtet der neue Chef der Marktgemeinde. Den offenen Dialog mit den Menschen in Diedorf möchte Müller in seiner Amtsperiode in den Fokus rücken. Auch unter den Mitgliedern im Marktgemeinderat.
Schon in der ersten Woche im Amt will Müller keine Zeit verlieren. So möchte er die bestehenden Aufgaben wie den Umbau des Feuerwehrhauses bestmöglich begleiten und „nah dran sein“. Die Maßnahme für rund 4,6 Millionen Euro soll schnell voranschreiten. Müller plant mit einem Beginn der Außenarbeiten in der kommenden Woche, nach den Pfingstferien sollen dann die Tiefbauarbeiten starten.
Was der neue Bürgermeister aus seiner bisherigen Arbeit mitnimmt
Zu den Themen, die Müller übernimmt, gehört auch das Leerstandsmanagement. Leere Wohnhäuser, Bauplätze und Gewerbeflächen möchte er prüfen und mit Eigentümern in Kontakt treten. Ein weiterer Punkt ist die Förderung der Jugend. Der neue Bürgermeister möchte dafür einen „Jugendmarktgemeinderat“ einführen, bei dem junge Menschen Ideen entwickeln und sich in der Marktgemeinde einbringen können. Ein weiteres geerbtes Thema ist die mögliche Sanierung der Grund- und Mittelschule, die der Bürgermeister zeitnah prüfen möchte. Als eigenes Ziel hat sich Müller die Digitalisierung der Behördengänge vorgenommen.
Bei allen Themen stellt Müller die lösungsorientierte Vorgehensweise in den Fokus. Eine Fähigkeit, die der ehemalige Leiter im Anzeigenverkauf der Augsburger Allgemeine aus seinem bisherigen Beruf mitnimmt: „In meiner Arbeit mit den Kunden ging es darum, aufmerksam zuzuhören, um dann gute Angebote machen zu können.“ Als Führungskraft hatte er die Verantwortung für 20 Mitarbeiter. In gewisser Weise will Müller das unternehmerische Denken mit in die Verwaltung bringen.
Müller muss sich in bestimmten Bereichen noch reinfinden
In Diedorf ist seine Verantwortung als Chef im Rathaus allerdings deutlich weitreichender. Eine Rolle, in der er sich noch zurechtfinden muss. Ungewohnt sei, dass es am Tag mehrere Termine gebe, die sich inhaltlich sehr voneinander unterscheiden. „Man kommt von einer Baubesprechung, parallel steht ein Telefonat zu einem ganz anderen Thema an, am Nachmittag ist man auf drei Terminen und dann gibt es noch ein Pressegespräch“, berichtet Müller. „Da muss man dann schnell umschalten.“
Auch die gesetzlichen Grundlagen und Verordnungen sind für Müller noch ein ungewohntes Gebiet. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir starke Amtsleiter haben, die sich auf dieser Ebene auskennen“, sagt der neue Bürgermeister. Im Mai wird er einen mehrtägigen Kurs absolvieren, wo er die bayerische Bauordnung und Verwaltung näher kennenlernen wird. Dort wird er auf zahlreiche andere neugewählte Bürgermeister treffen.
Neutral und unvoreingenommen: So will der neue Bürgermeister arbeiten
Ein zentraler Punkt, den Müller im Gespräch immer wieder betont, ist die offene und ehrliche Kommunikation. Der neue Chef der Kommune möchte diese auch unter den Ratsmitgliedern verbessern. Den Grundstein hat er dafür schon im Vorfeld seines Amtseintritts gelegt, als er alle Fraktionsvorsitzende an einen Tisch eingeladen hat. „Mir ist wichtig, dass wir über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten und keine Bündnisse eingehen“, stellt der 43-Jährige klar. Um in Zukunft große Projekte anzugehen, sei eine starke Gemeinschaft wichtig. „Auf kommunaler Ebene brauchen wir keine Koalitionen, keine Parteipolitik. Wir brauchen Politik für die Menschen vor Ort.“
Dass Müller mit einer gewissen Neutralität in sein Amt einsteigt, kann auch daran liegen, dass er erst vor zehn Jahren nach Diedorf gezogen ist. Dass er nicht in der Marktgemeinde aufgewachsen ist, sieht er als Vorteil. „Ich gehe komplett unvoreingenommen in Gespräche und Termine. Ich bilde mir meine eigene Meinung und habe keine Vorurteile“, sagt Müller. Dann fügt er an: „Vielleicht war es auch das, was die Menschen wollten.“
Der neue Bürgermeister lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im Alter von zehn und elf Jahren im Diedorfer Hauptort. Da das Rathaus nicht weit entfernt liegt, hofft er, die eine oder andere Mittagspause mit den Kindern nach der Schule verbringen zu können. Der 43-Jährige, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, verbringt seine Freizeit gerne draußen, ob auf dem Rad oder im Garten beim „Bolzen“ mit den Kindern. „Es ist auch wichtig, mal abzuschalten und das Handy lautlos zu stellen“, sagt Müller.
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