Zerplatzt der Traum von der eigenen Wohnung? So ist die Wohnsituation im Augsburger Land
Der Landkreis Augsburg hat eine Wohneigentumsquote von 59,9 Prozent. Was das für die Wohnungssituation bedeutet und welche Generation als Verlierer gilt.
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Eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus sind der Traum vieler Menschen, auch im Augsburger Land. Doch wer kann sich das noch leisten?Foto: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)
Wohnen in den eigenen vier Wänden: Vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung – im Landkreis Augsburg gibt es rund 72.700 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss. Denn ihre Eigentümer und Eigentümerinnen nutzen sie selbst. 20 Prozent davon leben in einer Eigentumswohnung. Das geht aus einer regionalen Wohnungsmarkt-Analyse hervor, die das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) gemacht hat. Doch was bedeutet das für die Menschen im Augsburger Land?
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ermittelten dabei für den Landkreis Augsburg eine Wohneigentumsquote von 59,9 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Quote bei 43,5 Prozent. „Damit ist Deutschland ein ‚Mieter-Land‘ und landet beim Ranking zum Wohneigentum im Europa-Vergleich nur auf dem vorletzten Platz“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut laut Pressemitteilung.
Wer kann sich heute im Augsburger Land noch eine eigene Wohnung leisten?
Er hat auch festgestellt: „Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten.“ Rund 50.000 Menschen dieser Altersgruppe leben nach Angaben des Pestel-Instituts aktuell im Landkreis Augsburg. Immer mehr von ihnen seien allerdings gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau.“ Doch diese sogenannte ‚Nestbauer-Generation‘ sei längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden, meint der Experte.
„Wer Wohneigentum will, muss über viele Jahre erhebliche Abstriche machen. Dafür lebt er dann aber auch für Jahrzehnte in den eigenen vier Wände und zahlt keine Miete mehr.“
Katharina Metzger, Verbandspräsidentin des Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel bemängelt fehlende Unterstützung: „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, beklagt BDB-Verbandspräsidentin Katharina Metzger.
Sie fordert von der Bundesregierung, schnell ein Programm für Wohneigentum – eine „Haus-Förderung“. Notwendig seien direkte Zuschüsse, also Geld vom Bund. Dieses sollte auch Durchschnittsverdiener und -verdienerinnen im Landkreis Augsburg in die Lage versetzen, eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben. Metzger plädiert damit für ein Startkapital für das erste selbst genutzte Wohneigentum.“ Außerdem sei ein Niedrigzinsprogramm notwendig.
Vor allem eine Generation im Augsburger Land kann sich selten eine eigene Wohnung leisten. Was müsste sich ändern? Verbände haben konkrete Vorschläge und Forderungen an die Bundesregierung.Foto: Markus Scholz, dpa (Symbolbild)
Auch mit wenig Eigenkapital sollte es demnach möglich sein, Wohneigentum anzuschaffen. Das wiederum bedeute aber, dass man sparen müsse, etwa bei Urlaubsreisen oder beim Autokauf: „Wer Wohneigentum will, muss über viele Jahre erhebliche Abstriche machen. Dafür lebt er dann aber auch für Jahrzehnte in den eigenen vier Wänden und zahlt keine Miete mehr“, betont Katharina Metzger.
Wichtig sei, dass die Förderung des Bundes für die „Chance auf Wohnen im Eigentum“ einfach bereitgestellt werde. Diese Forderung des Baustoff-Fachhandels unterstützt wiederum der Dachverband der Mauerstein-Industrie: Das Startkapital des Staates müsse genauso wie zinsgünstiges Baugeld schnell und einfach bereitgestellt werden, sagt Hannes Zapf. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM).
Zapf fordert zudem, der Bund müsse seine Unterstützung für Wohneigentum langfristig garantieren. „Wer sich heute entscheidet, Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, muss sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch darauf verlassen können, dass die Förderung als feste Zusage des Staates steht“, so Hannes Zapf.
Was, wenn man sich in der Rente die Mietwohnung nicht mehr leisten kann?
Katharina Metzger fordert die Politik auf, Wort zu halten: „Im Koalitionsvertrag steht klipp und klar, dass Wohneigentum gefördert werden soll. Aber wann, wenn nicht jetzt?“ Passiere nichts, gehe die Hängepartie weiter: „Alle warten auf Unterstützung vom Bund. Solange die nicht kommt, liegt der Traum von den eigenen vier Wänden weiterhin auf Eis“, betont sie.
Wie wichtig Wohneigentum für das Alter ist, erkärt Hannes Zapf. Das beste Beispiel seien die geburtenstarken Jahrgänge, die jetzt allmählich in Rente gehen. Wenn sie kein Wohneigentum haben und die Miete bleibt oder steigt, können sie sich unter Umständen ihre Wohnung nicht mehr leisten. „Sie wohnen sich arm“, warnt auch Matthias Günther. Für den Chef-Ökonomen des Pestel-Instituts ist die „Wohnarmut im Alter vor allem eine Mieterarmut“. Wer Wohneigentum habe, komme finanziell im Alter „deutlich besser über die Runden“. (AZ)
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