Auf dem ehemaligen Gelände des Maschinenbauers Angerer in Baar geht es rund. Seit wenigen Jahren hat die Firma Furtak und Salvenmoser das große Gelände gemietet. Doch das junge Unternehmen lässt Baar bald hinter sich. Im Gewerbegebiet zwischen Meitingen und Westendorf wird das Unternehmen einen eigenen Standort aufbauen. Sie hat dort den Großteil der bislang unbebauten Fläche, insgesamt fast 33.000 Quadratmeter, gebucht. Mit dem Neubau soll noch in diesem Jahr begonnen werden.
Die Baarer Firma stellt Industrieschalldämpfer her. 50 Mitarbeitende beschäftigen Robert Furtak und Ingo Salvenmoser, zu gleichen Teilen Geschäftsführer. Die beiden kennen sich schon seit Studienzeiten. In einer Halle, die Furtak im Ortsteil Sand besitzt, gründeten sie 2020 ihre Firma. Zuerst kauften sie sich Maschinen des Baarer Maschinenbauers Angerer. Nach dessen Geschäftsaufgabe bezogen sie das komplette Gelände. Doch dort wird es jetzt zu eng. „Wir betreiben ein sehr lukratives Geschäft“, sagt Salvenmoser. Die Umsatzzahlen hätten sich seit der Firmengründung jährlich verdoppelt. Industrieschalldämpfer können bestehende Anlagen akustisch verbessern oder werden beim Neubau direkt passend dazu geliefert. Etwa in der Petrochemie oder bei Kraftwerken. Die Anlagenbetreiber müssen ihre Lärmkontingente einhalten. Sonst droht Ärger mit den Behörden.
Die Bauteile werden für jede Anlage individuell geplant und produziert. Je nach Anforderung und Ausbreitung des Schalls. Die Produkte der Firma selbst sind riesengroß, aus Metall und halten gewaltiger Hitze stand. In einem Kamin wie im Augsburger Kraftwerk entstünden Temperaturen von bis zu 750 Grad Celsius, erklärt Salvenmoser. Weil die Bauteile für jede Anlage variieren, seien die Arbeitsplätze der Baarer Firma ausgelastet. „Selbst wenn ein Kraftwerk zu 80 Prozent aus Fernost stammt, ein paar Kernkomponenten sind aus der EU“, erklärt Salvenmoser. Konkurrieren könne man nur durch technisches Know-how.
Salvenmoser setzt auf Schallschutz für Kraftwerke weltweit
Im vergangenen Jahr wurde eine Tochtergesellschaft in den USA gegründet. Dort werden gerade zahlreiche KI-Rechenzentren gebaut. Doch diese benötigen angesichts ihrer hohen Leistung extrem viel Strom, der wiederum aus Kraftwerken stammt. Diese müssen schallisoliert werden, erklärt Salvenmoser. Deutschland habe beim Thema Umweltschutz zwar eine Vorreiterrolle; inzwischen werde das Thema Lärm aber auch weltweit restriktiver gehandhabt. Das wiederum komme seiner Firma zugute: „Wir sind global aufgestellt. Wenn man sich traut, international zu arbeiten, dann geht was“, sagt der Ingenieur. Zudem sei man mit Kunden aus der ganzen Welt krisensicher aufgestellt. Der Exportanteil seiner Firma liege inzwischen bei 80 Prozent, 50 Prozent davon gehen in die EU. Die Auftragsbücher für die nächsten drei Jahre seien voll, die Umsatzzahlen zweistellig. Mit diesem Rückenwind entschlossen sich die beiden Ingenieure für den Neustart in Meitingen.
Ab Herbst 2027 soll die neue 5000 Quadratmeter große Halle und das rund 800 Quadratmeter große Verwaltungsgebäude in Meitingen stehen. Insgesamt 21.000 Quadratmeter werden bebaut. Mit einer PV-Anlage auf dem Dach, einem Grundwasserbrunnen und einer Wärmepumpe will man dort binnen drei Jahren den Strom für Produktion und Kühlung größtenteils autark erzeugen. Ohne Gas- oder Fernwärmeanschluss. Zwar liegt das Grundstück auf Westendorfer Flur, die Adresse wird aber eine Meitinger sein. Knallrot soll das Verwaltungsgebäude und direkt am Kreisverkehr liegend auffallen. Auch, um neue Mitarbeitende zu finden. Denn während in Baar 50 Menschen für die Firma arbeiten, könnten es in Meitingen bis zu 100 sein. Sowohl Metallfacharbeiter als auch Ingenieure sind gesucht.
Salvenmoser lobt Zusammenarbeit mit Meitingen
Die Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde sei auch ein Grund für den neuen Standort, sagt Salvenmoser. „So eine geniale Kooperation wie mit Meitingen haben wir noch nie erlebt. Das lief mit allen Beteiligten auf höchstem Niveau. Unsere Ansprechpartner waren fachlich hochversiert und haben immer schnell reagiert“, lobt der 40-Jährige, der aus Reit im Winkl stammt. Während er, der seine Diplomarbeit im Bereich Akustik schrieb, für die Technik im Unternehmen zuständig ist, kümmert sich der drei Jahre ältere Geschäftspartner um Strategie und Vertrieb. Beide hoffen, dass bereits im September die Bagger anrollen. Innerhalb von zwölf Monaten soll dann alles stehen.
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