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Gersthofen entscheidet: „Neues Herz“ mit City-Park und Sky-Walk kommt

Gersthofen

Gersthofen füllt sein Loch: Beschluss für das „Neue Herz“ fällt

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    Eine Visualisierung des City-Parks mit der Sicht von oben: Zentral ist ein höher gelegter Panoramaweg, der über die Bahnhofstraße das City-Center anbindet. Die Idee wird als „Sky-Walk“ bezeichnet.
    Eine Visualisierung des City-Parks mit der Sicht von oben: Zentral ist ein höher gelegter Panoramaweg, der über die Bahnhofstraße das City-Center anbindet. Die Idee wird als „Sky-Walk“ bezeichnet. Foto: Stadt Gersthofen

    Seit Jahrzehnten wird geplant, verändert, diskutiert - jetzt hat der Stadtrat Gersthofen den Sack zugemacht: Mit einer Zweidrittelmehrheit wurde die Bebauung des Gersthofer Lochs in der Stadtmitte beschlossen. Umgesetzt wird das Konzept für das „Neue Herz“. Dazu gehören ein City-Park, die Erweiterung der Tiefgarage, eine Begrünung des Rathausplatzes und ein Steg in der Höhe für Fußgänger, auch Sky-Walk genannt. Nach einer langen, teilweise recht emotional geführten Debatte stand im Stadtrat dafür das „Go“ fest. Begleitet von rund 60 Zuhörenden, die gespannt auf den Ausgang der Sitzung waren.

    Vor dem Beschluss sprach Stadtplanerin Doris Grabner „von einem ganz besonderen Tag“ und erläuterte noch einmal die wichtigsten Punkte des „Neuen Herzens“. Der stark versiegelte Rathausplatz soll an vielen Stellen begrünt werden. Dazu kommen ein Wasserspiel, Sitzstufen, transportable Möbel. Veranstaltungen und der Markt könnten weiterhin dort stattfinden.

    Das ist für den City-Park in Gersthofen geplant

    Im neuen City-Park auf der so genannten Potenzialfläche zwischen Donauwörther- und Bahnhofstraße sind eine Oase als Ruheraum mit Wasserelementen und Pflanzen geplant. Außerdem gehören ein Café, ein Aussichtsturm und der Sky-Walk dazu, der das City-Center für Fußgänger anbinden soll. Unter dem Park wird die Tiefgarage erweitert. Das Untergeschoss mit Einbahnverkehr und schräg angeordneten Parkplätzen soll mit einem Gewölbe und indirekter Beleuchtung gestaltet werden und somit für Veranstaltungen nutzbar sein.

    Für sein „Loch“ in der Innenstadt ist Gersthofen seit Jahren bekannt.
    Für sein „Loch“ in der Innenstadt ist Gersthofen seit Jahren bekannt. Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

    Daniel Melcer von der Werbeagentur, die die Bürgerbeteiligung begleitet und moderiert hat, sprach im Stadtrat vom Wandel in Innenstädten. Alle hätten das gleiche Problem mit zunehmenden Leerständen, die einen Dominoeffekt auslösen. Die Menschen würden in Zeiten des Online-Handels nicht mehr nur zum Einkaufen in die Stadt gehen. Immer wichtiger seien Gastronomie, Freizeitangebote und Veranstaltungen, so Melcer. Es gehe um emotionale Fragen wie: „Wo fühle ich mich wohl?“, „Wo gehe ich gerne hin?“. Nebenher werde von vielen Menschen auch oft eingekauft. Melcer zu den Stadträten: „Sie müssen hier über Bande spielen.“ Melcer sprach sich dafür aus, „Orte des Überraschenden und des Mutes“ zu schaffen. Das „Neue Herz“ sei eine Investition in Begegnungen und in die Identität.

    Die staatliche Förderung beträgt teilweise 80 Prozent

    Zum Thema Kosten brachte Bürgermeister Michael Wörle alle auf den aktuellen Stand. Er berichtete von den Gesprächen über zugesagte Förderung: Sowohl für den City-Park als auch für die Oase gibt es 80 Prozent staatlichen Zuschuss. Der Sky-Walk würde mit 50 Prozent gefördert (Eigenanteil der Stadt rund 1,7 Millionen Euro). Für die neue Tiefgarage blieben der Stadt 7,6 Millionen Euro zu bezahlen, das ist der größte Posten. Insgesamt koste Gersthofen das „Neue Herz“ abzüglich aller Zuschüsse rund zehn Millionen Euro. Zur Zeitschiene sagte Wörle: Baubeginn könnte im Jahr 2027 sein. Insgesamt strecke sich die Maßnahme auf sechs Jahre Bauzeit.

    Bei der Abschlussveranstaltung der Bürgerbeteiligung für das „Neue Herz“ wurde symbolisch ein Herz gebildet.
    Bei der Abschlussveranstaltung der Bürgerbeteiligung für das „Neue Herz“ wurde symbolisch ein Herz gebildet. Foto: Marcus Merk (Archivfoto)

    Wörle macht sich bekanntlich seit langem für die Umsetzung des „Neuen Herzens“ stark. Er sagte: „Wenn es sich Gersthofen nicht leisten kann, dann kann es niemand.“ Äußerungen in sozialen Medien, dass Gersthofen „arm“ sei, seien falsch. Es seien in den vergangenen Jahren immer Überschüsse erwirtschaftet worden und bereits jetzt zeichne sich ab, dass die Gewerbesteuereinnahmen heuer um rund zwei Millionen höher seien als angenommen.

    Die CSU-Fraktion widersprach: „Beim Thema Finanzen werden wir nicht einig werden“, sagte Stefan Buck. Die Stadt müsse sparen und es stünden hohe Kosten bei der Kreisumlage und Ganztagsbetreuung ins Haus. „Warum sollen wir den neuen Stadtrat damit belasten, wenn viel wichtigere Aufgaben vor uns liegen?“ Man solle nichts versprechen, was man sich nicht leisten könne. Buck kündigte an, dass die CSU gegen das „Neue Herz“ stimmen werde. „Uns ist nicht klar, warum der Stadtpark nicht einbezogen wurde.“ Außerdem fehle ein Angebot der Nahversorgung in der Planung. So mache man sich abhängig vom City-Center.

    Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler (FW), Melanie Schappin, sagte, ihre Fraktion würde mit „ja“ stimmen. Die FW würden hier eine Chance sehen, das Zentrum attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten. „Die Stadt braucht neuen Schwung.“ Das „Neue Herz“ stärke den Einzelhandel und das soziale Miteinander. Die Höhe der Förderung von über acht Millionen Euro sei beachtlich. Günstiger bekomme man so ein Projekt nie wieder. Schappin verwies auf die Bürgerbeteiligung, die auf „unwahrscheinlich große Resonanz“ gestoßen sei. Die Stadträtin abschließend: „Es ist Zeit, den nächsten Schritt zu gehen, das ist eine notwendige Entwicklung nach vielen Jahren der Arbeit.“

    Die neue Tiefgarage unter dem „Loch“ könnte auch als Ort für Veranstaltungen genutzt werden. Die Tiefgarage ist der größte Kostenfaktor beim „Neuen Herz“.
    Die neue Tiefgarage unter dem „Loch“ könnte auch als Ort für Veranstaltungen genutzt werden. Die Tiefgarage ist der größte Kostenfaktor beim „Neuen Herz“. Foto: Stadt Gersthofen

    „Unser Blick ist nach vorne gerichtet,“, betonte Josef Koller von der WIR-Fraktion. WIR sei damals gegen den Kauf des „völlig überteuerten“ Grundstücks gewesen, doch man stehe „nicht beleidigt an der Seitenlinie“. „Wir können endlich den gordischen Knoten in unserer Innenstadt lösen.“ Ein Verkauf des Grundstücks an Investoren zur Bebauung sei keine gute Alternative, da dies „ein verlustreiches Unterfangen“ wäre. Für die WIR-Fraktion habe im Park ein Gebäude Priorität, etwa für Gastronomie, dies sei ein Wunsch aus der älteren Generation. Koller sagte, dass man am ehesten auf den Sky-Walk verzichten könnte, wenn die Kosten davon laufen würden.

    Peter Schönfelder (SPD) erinnerte daran, welche Pläne es von Investoren für das „Loch“ schon gegeben habe: „ein hässliches schwarzes Gebäude“, „ein goldener Würfel“ und ein bis zu neunstöckiges Gebäude seien dabei gewesen. Die Stadt habe das Grundstück gekauft, um wieder Herr des Handelns zu werden. Und immer wieder sei eine Bürgerbeteiligung gefordert worden. Dies habe man umgesetzt und mehr als 90 Prozent hätten dem „Neuen Herz“ zugestimmt. „Daraus ist ein klarer Auftrag für diesen Stadtrat ableitbar.“ Schönfelder sagte, er greife einen von Landrat Martin Sailer gerne verwendeten Begriff auf: Das Ganze sei ein „Leuchtturm-Projekt“.

    Albert Kaps argumentiert mit dem Klimawandel

    Die große Zustimmung bei der Bürgerbeteiligung in Präsenz oder online sprach auch Albert Kaps (Pro Gersthofen) an. Kaps sagte, es stehe die Zukunft der Gersthofer Innenstadt auf der Tagesordnung. Mit der Entscheidung müssten die Gersthofer „wahrscheinlich die nächsten 100 Jahre leben“. Aufenthaltsqualität und Erlebniswert seien „mit den Plänen mehr als erfüllt.“ Die Kosten seien hoch, aber er wolle sich nie den Vorwurf machen lassen, nicht den Mut gehabt zu haben, den Eigenanteil von zehn Millionen Euro zu tragen, so Kaps. Mehr Kälteschneisen durch Parks und Wasser seien wichtig in Zeiten des Klimawandels. Der Weg zu einer „klimafreundlicheren Stadt“ war auch das Hauptargument für Kerstin Thiel für eine Zustimmung der Grünen.

    Max Lenz (Bewegung Zukunft) sagte, seiner Ansicht nach werde in dieser Debatte mit der Entscheidung „Jetzt oder nie“ zu viel Druck gemacht. „Dem Stadtrat wird das Messer auf die Brust gesetzt.“ Die hohe Zustimmung bei der Bürgerbeteiligung klinge „beeindruckend“. Doch er vermisse die kritische Auseinandersetzung mit Gegenstimmen, so Lenz. Er sprach auch die Kosten an, die zu hoch seien. „Das ist eine Luxusausgabe von Steuergeldern.“ Ihm würden Frequenzbringer im Konzept fehlen. „Eine Oase wird die Innenstadt nicht beleben.“ Lenz sprach sich für eine Neubewertung der Stadtmitte aus, mit einer Integration von City-Center und Stadtpark. Doch die Mehrheit im Gremium wollte das Thema nicht weiter vertagen: Das „Neue Herz“ wurde mit 20:9 Stimmen beschlossen.

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