Hähnchenmast mit 30.000 Tieren bei Rettenbergen: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Gersthofen
Landwirte planen Hähnchenmast: So soll die Aufzucht der 30.000 Tiere ablaufen
Der Neubau auf einem Feld bei Rettenbergen sorgt für Debatten in der Region. Die Landwirte beantworten die wichtigsten Fragen zum geplanten Hühnerstall.
Auf diesem Grundstück wollen Marina Bösel und Andreas Vöst den Hähnchenstall bauen. Im Hintergrund zu sehen ist das nächstgelegene Wohngebiet von Rettenbergen.Foto: Marcus Merk
Das sorgt vor allem in Rettenbergen und Edenbergen für Diskussion: In einem neuen Stall auf einem Feld zwischen Rettenbergen und der Autobahn sollen fast 30.000 Hühner aufgezogen werden. Andreas Vöst und Marina Bösel aus Edenbergen möchten mit dem Bau heuer noch loslegen. Doch seit die Nachricht von dem Hähnchenstall die Runde gemacht hat, erreichen das junge Paar viele Nachfragen und in dem gegenüberliegenden Wohngebiet Weidenlohe gibt es Sorgen und Widerstand. Die Landwirtsfamilie will daher die Öffentlichkeit über Details des geplanten Betriebs informieren. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten:
Wie ist die Idee zur Hühnermast entstanden?
Sowohl Andreas Vöst als auch Marina Bösel haben bei ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung viel über Hühneraufzucht gelernt. Die beiden betreiben mit seinen Eltern den Hof in Edenbergen, bisher mit den Schwerpunkten Milchvieh und Biogas. „Die Idee eines Hühnerstalls ist schon länger in meinem Kopf gewesen“, erzählt der 30-jährige Landwirt. Im Sommer 2025 sei die Entscheidung gefallen, das Projekt anzugehen. Im Stall könnte die Wärme aus der Biogasanlage genutzt werden, so Vöst. Die Hühner bräuchten eine Temperatur von 32 Grad.
Welche Haltungsform ist geplant?
Während fast 90 Prozent des in Deutschland gemästeten Geflügels noch aus den Haltungsformen 1 und 2 stamme, so Vöst, werde der geplante Hühnerstall den Standards der Haltungsform 3 des Lebensmitteleinzelhandels entsprechen.
Wie wird der Stall aussehen?
Geplant ist ein Stall der Maße 100 mal 20 Meter, zuzüglich eines überdachten, sieben Meter breiten Außenbereichs für die Hühner entlang der südlichen Längsseite, das heißt zur Seite der Autobahn. Eine Hälfte des Gebäudes werde von einer Geländeerhebung verdeckt, betont Vöst. Der Stall ist sieben Meter hoch, auf dem First montiert ist eine Abluftanlage mit einer Schlothöhe von drei Metern. Die Futtersilos sind acht Meter hoch, die Getreidesilos gut zehn Meter. Insgesamt werden gut 3.000 Quadratmeter überbaut.
Einen Tag alte Küken werden von einer Brüterei aus Bayern angeliefert und in den eingestreuten Stall eingesetzt. 45 Tage bleiben die Tiere der Rasse Hubbart dort. „Das ist deutlich länger als sogenannte Turbo-Hähnchen, deren Mast pro Durchgang nur 28 Tage braucht“, so der Landwirt. Das Futter besteht laut Vöst aus Weizen, Mais, Soja, Rapsschrot und Mineralien. Weizen und Mais kämen aus dem eigenen Betrieb. Der Landwirt rechnet mit sechs bis sieben Durchgängen pro Jahr. Er erklärt, dass „niemals prophylaktisch“ Antibiotika gegeben würden. „Um bei aufkommenden Krankheiten sofort reagieren zu können, werden 24 Kameras die Tiere rund um die Uhr im Auge behalten“, sagt der Landwirt. Deren Bildmaterial, ausgewertet von einer KI basierten Software, gebe über eine App sofort Hinweise darauf, sollten sich Tiere auffällig bzw. nicht artgerecht verhalten.
Der neue Stall für Hühnerzucht bei Rettenbergen soll in gleicher Bauweise wie dieser errichtet werden, sagen die künftigen Betreiber.Foto: Andreas Vöst
Wer nimmt die Hühner ab?
Die Familie Vöst hat mit der Geflügelschlachterei Huber, in der Nähe von Altötting, einen Abnehmer gefunden. Drei bis vier Lkws kämen zur Abholung der Tiere. Huber wiederum liefert an eine große Supermarktkette mit etwa 550 Märkten in Bayern. „Im Sommer erfolgt die Abholung nachts, da es sonst für die Tiere zu heiß ist“, erklärt Vöst. Einen Abverkauf am Stall wird es nicht geben.
Gibt es schon eine Baugenehmigung?
Die Vösts warten noch auf die Baugenehmigung vom Landratsamt. Wie die Behörde mitteilt, sei die Bearbeitung des Bauantrags noch nicht abgeschlossen, werde aber voraussichtlich genehmigungsfähig sein. Im Rahmen des Bauantragsverfahrens seien die Fachstellen (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Wasserrecht, Naturschutz, Veterinäramt, technischer Umweltschutz, Brandschutz) beteiligt gewesen. Daraus ergeben sich die Auflagen und Hinweise in einer Baugenehmigung.
Wie weit ist der Stall vom nächsten Wohngebiet entfernt?
Der Stall ist ungefähr 450 Meter Luftlinie von der nächsten Wohnbebauung weg, teilte die Stadt mit. Die Stadt hatte das Vorhaben nur mit Blick auf das Baurecht zu prüfen. Der Bauausschuss gab einstimmig grünes Licht.
Wie ist der weitere Zeitplan der Landwirte?
„Der Bau soll heuer noch beginnen“, sagt Andreas Vöst. Der Stall werde zügig wie ein Fertighaus gebaut. Um den Stall herum muss Vöst für eine Begrünung sorgen. Hierfür habe er eine Bürgschaft hinterlegt. Die Anzahl der Bäume, Sträucher und Pflanzen ist vorgegeben.
Wird der Stall stinken?
Der Landwirt erklärt, dass im Stall keine Gülle anfallen werde, sondern trockener Mist. Die davon pro Mastdurchgang aufkommenden zwei Lkw-Ladungen werde ein externer Biogas-Unternehmer abholen. Marina Bösel ergänzt, dass die Laster nicht am Gebiet Weidenlohe vorbeifahren würden, sondern von Edenbergen kommend den Stall über die Forststraße bzw. Falkenstraße erreichen sollen.
So wie bei diesem Stall soll laut Landwirt Andreas Vöst der Außenbereich beim Neubau in Rettenbergen aussehen. Geplant ist eine Aufzucht nach der Haltungsstufe 3.Foto: Andreas Vöst
Wie sind die Reaktionen?
Die Menschen reagierten unterschiedlich, so Vöst. Es gebe Zuspruch, viele Nachfragen, aber auch eine Interessensgemeinschaft in der Weidenlohe, die sich gegen das Vorhaben stellt. Es wurden auch schon Flyer verteilt. Für ein Gespräch mit deren Initiatoren sei er jederzeit offen, betont der Landwirt: „Wir werden gern jede Frage beantworten.“
Wie steht die neue Bürgermeisterin Susanne Olita zu dem Vorhaben?
Susanne Olita wohnt in Rettenbergen und bekommt daher die Debatte auch deshalb hautnah mit. Sie sagt auf unsere Anfrage, dass der „alte“ Stadtrat das gemeindliche Einvernehmen für das Bauvorhaben erteilt habe. Im Rahmen des Baurechts gebe es keine Gründe, die dagegen gesprochen hätten. Es handele sich bei dem Stallbau um ein privilegiertes Vorhaben (§35 BauGB). Dieses ist im Außenbereich zulässig. Olita weiter: „Um Bedenken frühzeitig zu begegnen, habe ich das direkte Gespräch mit Herrn Vöst und den Akteuren der Flugblattaktion gesucht.“ Sie sei überzeugt, dass offene Kommunikation der beste Weg sei. Daher habe sie eine umfassende Information der Öffentlichkeit sowie eine Veranstaltung durch den Betreiber angeregt.
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