Thomas Petri aus dem westlichen Landkreis Augsburg sammelt Spielkarten.Foto: Marcus Merk
Rommé, Canasta, Skat oder Doppelkopf - schon als Kind hat Thomas Petri im Familienkreis gespielt. „Damals gab es eben noch kein Handy, keinen PC“, erinnert sich der Mann aus dem westlichen Landkreis Augsburg . Es war allerdings ein kurioser Zufall, der beim 60-Jährigen eine wahre Sammelleidenschaft entfachte.
Thomas Petri, der in der DDR aufgewachsen ist, absolvierte im Jahre 1984 in Fürstenwalde in der Nähe von Berlin seine Dienstzeit bei der NVA. Wegen Schwierigkeiten beim Gehen mit den Uniformstiefeln suchte er einen orthopädischen Schuhmacher auf. Auf dem Rückweg kam er an einem Spieleladen vorbei und war fasziniert: „In den Schaufenstern habe ich so viel Interessantes gesehen. Die bloße Vielfalt brachte mich zum Staunen.“
So hat sich seine Spielkarten-Sammlung über die Jahre hinweg entwickelt
Welches Kartenspiel er dort zuerst gekauft hat und warum genau, das weiß Petri nicht mehr. Kurz nach dem Kauf brachte ihm sein Cousin, der damals Schornsteinfeger war, ältere Spielkarten von Dachböden mit. Zunächst sammelte Petri vorwiegend DDR-Kartenspiele aus Altenburger Produktion. Heute reicht seine Sammlung bis ins 19. Jahrhundert zurück. Lediglich Kinderkartenspiele wie „Schwarzer Peter“ besitze er nicht. „Man muss sich ja irgendwo einschränken.“ Bis zu 1000 Kartenspiele dürfte es mittlerweile sein - da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Deshalb hat Thomas Petri bereits einige Sammelbücher geschrieben.
Petri ist Mitglied der deutschen Spielkartengesellschaft „Bube Dame König“
Diese Kataloge sind nicht nur hilfreich, um eine geordnete Liste von den Karten in seinem Besitz anzulegen, sondern auch um auf weitere Kartenspiele zu stoßen. Diese ließen sich dann viel einfacher mit anderen Sammlern austauschen. Thomas Petri ist seit 1994 Mitglied in der deutschen Spielkartengesellschaft „Bube Dame König“. Neben den jährlichen Sitzungen werden auch „Tauschabende“ organisiert, bei denen die Sammler ihre Karten auch verkaufen könnten. Er unterstützt außerdem das Deutsche Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen. Es umfasst 30.000 Spielkartenschätze aus der ganzen Welt und soll geschlossen werden. Ein Förderverein will die Pläne stoppen.
Spielkarten aus dem Jahr 1930Foto: Marcus Merk
Auf eines seiner Sammelstücke ist Thomas Petri besonders stolz. Es handelt sich um ein Kartenspiel von einem regionalen Hersteller aus Darmstadt, welches vermutlich um 1810 hergestellt worden ist - vermutlich von einem Hofmusikanten. Petris Sammlerherz schlägt höher, wenn er seltene Karten in die Hände bekommt. Ein Spiel der Technischen Universität Illmenau aus den 1940er-Jahren bezeichnet er als „echte Rarität“. „Für 6,60 Euro mit Schachtel und Versandkosten habe ich damals die Karten auf Ebay bekommen“, erinnert er sich und schmunzelt. Später habe er sie in einem Katalog für den 40-fachen Preis gefunden.
Wasserschaden: Wie durch ein Wunder blieben die Karten unversehrt
Einen Schreck bekam der Sammler einmal, als ein Wasserschaden den Keller flutete. Wie durch ein Wunder blieb der Schrank mit seinen Karten allerdings unversehrt. „Daraufhin habe ich direkt alles auf den Dachboden umgeräumt.“ Das Sammelfieber lässt ihn übrigens nicht mehr los: „Vor allem, wenn man Kartenspiele findet, von denen man vorher noch nicht einmal gewusst hat, dass sie existieren.“
Seine ältesten Spielkarten von Thomas Petri stammen aus dem Jahr 1810.Foto: Marcus Merk
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