Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg Land
Icon Pfeil nach unten
Meitingen
Icon Pfeil nach unten

Im Haus St. Raphael des Dominikus-Ringeisen-Werksin Meitingen gibt es Platz für 24 Personen in zwei Gruppen

Meitingen

Ralph Kienzle präsentiert sein neues Zuhause

  • |
  • |
  • |
  • |
    Ralph Kienzle (Mitte) führte gemeinsam mit Gruppenleiterin Nadine Bürle (rechts) Meitingens Bürgermeister Michael Higl durch sein neues Zuhause. Im Wohnzimmer wurde über die Einkaufsmöglichkeiten in der Via Claudia geredet.
    Ralph Kienzle (Mitte) führte gemeinsam mit Gruppenleiterin Nadine Bürle (rechts) Meitingens Bürgermeister Michael Higl durch sein neues Zuhause. Im Wohnzimmer wurde über die Einkaufsmöglichkeiten in der Via Claudia geredet. Foto: Stefanie Brand

    Ralph Kienzle hat sich schick gemacht. Denn er erwartet Besuch. Erst kürzlich ist er umgezogen – von der Wohngruppe für Menschen mit erworbener Hirnschädigung, die es bis Oktober in Holzen gab, nach Meitingen. Eben dort lebt Ralph Kienzle nun in der Wohngruppe Franziskus im Haus St. Raphael. Errichtet wurde diese Einrichtung des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW) im Neubaugebiet zwischen der Donauwörther Straße und der Werner-von-Siemens-Straße. Nun durfte Ralph Kienzle Meitingens Bürgermeister Michael Higl empfangen, um ihm zu zeigen, wie er lebt. Und der Rathauschef sah, wie das Haus geworden ist, das er selbst in erster Linie von Planbesprechungen kennt.

    Um sich ein wenig kennenzulernen, setzen sich Michael Higl, Ralph Kienzle und Gruppenleiterin Nadine Bürle zunächst ins Wohnzimmer. Bei winterlichen Temperaturen strahlt die Sonne durch die Terrassentür und sorgt für ein gemütlich-wohliges Ambiente im hell und freundlich eingerichteten Raum. Ralph Kienzle schwärmt, er habe „viel Glück mit seinen Betreuerinnen“, die von Holzen nach Meitingen mit umgezogen sind. Vertraut blickt er zu Nadine Bürle, die laut und deutlich mit ihm spricht, denn Ralph Kienzle hat ein stark eingeschränktes Hörvermögen. Beide sind seit etwa 20 Jahren beim DRW, erinnern sie sich.

    Mit dem Umzug von Kloster Holzen nach Meitingen hat sich einiges verändert

    Und was hat sich für Ralph Kienzle nun, im Neubau in Meitingen, geändert? Sein neues Zuhause ist deutlich größer. Geplant und gebaut nach einem vorgegebenen Raumkonzept gibt es im Haus St. Raphael eine klar strukturierte Raumaufteilung. Alle Klienten haben ein Einzelzimmer mit Bad. Gut strukturiert wirkt die Wohngruppe Franziskus im Erdgeschoss auf die Besucher, doch Ralph Kienzle brauchte eine Weile, um sich im neuen Gebäudekomplex zu orientieren. Nun helfen Schilder dabei, den Ausgang zu finden. Auch die anderen Räumlichkeiten, wie etwa die Küche, das Wohnzimmer oder das „unordentliche Büro“ der Betreuerinnen, das Ralph Kienzle nur zu gerne zeigt, sind mit einem Schild versehen. Und auch an jedem Einzelzimmer hängt ein Schild mit dem Namen des Bewohners, der hier lebt.

    Das war der nächste Knackpunkt, an den sich Ralph Kienzle erst gewöhnen musste: Bis dato teilte er sich ein Zimmer mit einem anderen DRW-Klienten. Nun lebt dieser Mitbewohner – mit dem sich Ralph Kienzle etwa zehn Jahre lang ein Zimmer geteilt hat – zwar auf demselben Gang, aber ebenfalls in einem Einzelzimmer schräg gegenüber. Umgezogen ins Haus St. Raphael in der Weberstraße in Meitingen ist die komplette Wohngruppe für Menschen mit erworbener Hirnschädigung, also in Summe neun Personen. Mittlerweile gab es bereits weitere Neuzugänge. Platz ist in Meitingen für zweimal zwölf Personen in zwei betreuten Wohngruppen im Erdgeschoss und im ersten Stock.

    Im zweiten Stock befinden sich Appartements, die deutlich machen, wie „durchlässig“ die Angebote des DRW sind, wie Einrichtungsleiterin Sybille Schmöger betont. Denkbar ist es, dass ein Klient in der betreuten Wohneinrichtung so gut klarkommt, dass er ein eigenes Appartement beziehen könnte.  

    An sein Einzelzimmer am Ende des Ganges, das Ralph Kienzle (Zweiter von links), Meitingens Bürgermeister Michael Higl (rechts) bei der Haus-Besichtigung zeigte, musste sich der DRW-Klient erst gewöhnen. Einrichtungsleiterin Sybille Schmöger (am Fenster) und Nadine Bürle (links) wissen, um die Startschwierigkeiten aber auch um die Vorteile am Standort Meitingen.
    An sein Einzelzimmer am Ende des Ganges, das Ralph Kienzle (Zweiter von links), Meitingens Bürgermeister Michael Higl (rechts) bei der Haus-Besichtigung zeigte, musste sich der DRW-Klient erst gewöhnen. Einrichtungsleiterin Sybille Schmöger (am Fenster) und Nadine Bürle (links) wissen, um die Startschwierigkeiten aber auch um die Vorteile am Standort Meitingen. Foto: Stefanie Brand

    Ralph Kienzle hat sich mittlerweile in seinem neuen Zuhause in der Wohngruppe im Erdgeschoss gut eingelebt. Unter der Woche geht er zur Arbeit in die DRW-Werkstatt in der Raiffeisenstraße und tupft die bunten Punkte auf die DRW-Keramikkollektion. Zweimal in der Woche geht er im Gewerbegebiet Via Claudia zum Einkaufen. „Und wenn das Geld noch reicht, gehe ich am Samstag Kaffee trinken“, verrät Ralph Kienzle, als die Nervosität sich legt.

    Eigenständig können die Klienten in Meitingen einkaufen gehen

    Doch auf dem Weg ins Gewerbegebiet Via Claudia, das die DRW-Klienten häufig ansteuern, lauern Gefahren, berichtet Ralph Kienzle. Schnell und für den Mann mit stark eingeschränktem Hörvermögen nahezu unhörbar schießen die E-Roller förmlich an ihm vorbei. Auch Michael Higl kennt diese Situation. Er selbst ist meist auf dem Fahrrad in Richtung Bäcker auf derselben Strecke unterwegs.

    Als Ralph Kienzle noch in Holzen lebte, war die Wegstrecke zum Einkaufen nach Nordendorf deutlich länger. In Meitingen sind die Straßen hingegen belebter. Doch auch daran haben sich Ralph Kienzle und seine Mitbewohner mittlerweile gewöhnt. Auch Gruppenleiterin Nadine Bürle weiß um die Vorteile, die die zentralere Lage den Bewohnern bietet: Eigenständig die Lieblingszeitschrift oder Drogerieartikel in der Via Claudia kaufen zu können, verhilft den Bewohnern zu mehr Selbstständigkeit. In der Küche können Kleinigkeiten selbst zubereitet werden. Das Essensmenü, das für Ralph Kienzles Geschmack viel zu häufig Gemüse enthält, wird im Konvektomat erwärmt. Lieber hätte er aber Weißwürste, verrät er und berichtet frech: „Aber die Mädels lassen die zu oft platzen.“  

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren