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Foto: Marcus Merk
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Das 7,8 Hektar große Weizenfeld von Landwirt Alfons Welzenhofer stand am Mittwoch in Flammen. Der Landwirt hofft, für den Schaden zumindest finanziell entschädigt zu werden.

Langweid-Stettenhofen
14.07.2022

Extreme Trockenheit im Augsburger Land: Feuer vernichtet Arbeit von einem Jahr

Von Philipp Kinne

Plus "Ein ganzes Jahr Arbeit ging in Flammen auf", sagt Landwirt Alfons Welzhofer nach dem Brand auf seinem Feld in Stettenhofen. Auch im Wald herrscht akute Brandgefahr.

Kilometerweit war die Rauchwolke über seinem Feld zu sehen. Am Tag nach dem großen Brand blickt Landwirt Alfons Welzhofer auf seinen Acker in Stettenhofen. "Ein Jahr Arbeit ging in Flammen auf", sagt der 64-Jährige. In seinen Händen hält er das, was nach dem großen Feuer übrig ist: ein paar Weizenkörner. Eigentlich sollte der Weizen bald geerntet werden - doch daraus wird nichts mehr.

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Die Ernte auf einer Fläche von mehr als acht Fußballfeldern ist in kurzer Zeit in Rauch aufgegangen. Nur durch schnelles Eingreifen konnten Feuerwehr und Landwirte verhindern, dass umliegende Häuser Feuer fangen. Auch eine Tankstelle befindet sich ganz in der Nähe des abgebrannten Ackers. Weshalb der Brand ausbrach, ist unklar. Fest steht: Die Trockenheit auf den Feldern und Wäldern ist groß. Es herrscht akute Brandgefahr.

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Foto: Marcus Merk
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Eigentlich sollte der Weizen auf dem Feld in Stettenhofen bald geerntet werden - doch die Ernte ging in Flammen auf.

Polizei geht in Stettenhofen von "fahrlässiger Brandstiftung" aus

Die Polizei geht davon aus, dass es sich im Fall des abgebrannten Felds um "fahrlässige Brandstiftung" handelt. Auf dem Acker ist zu erkennen, dass sich das Feuer vom Straßenrand einer Wohnsiedlung ausbreitete. Dort soll ein Baucontainer gestanden haben, der am Tag des Brands abgeholt wurde. Alfons Welzhofer und seine Frau Brigitte wollen sich an den Spekulationen zur Brandursache nicht beteiligen. "Das muss die Polizei klären", sagt Brigitte Welzhofer. Sie und ihr Mann hoffen nun, zumindest finanziell entschädigt zu werden. Der Schaden wird auf etwa 20.000 Euro geschätzt. Gegen Hagel und Sturm seien sie versichert, aber ein Brand? In seinen 45 Jahren als Landwirt hat Welzhofer so etwas noch nicht erlebt.

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Foto: Feuerwehr Langweid
Foto: Feuerwehr Langweid

Mit etwa 80 Mann waren die Feuerwehren aus Stettenhofen, Langweid, Gersthofen und Gablingen vor Ort, um das brennende Feld zu löschen.

Ein Glück, dass zumindest verhindert werden konnte, dass die Flammen auf die umliegenden Wohnhäuser übergreifen. "Glück war das nicht, das war die Feuerwehr", sagt der Kommandant der Stettenhofer Wehr. Er dankt auch den Landwirten, die sich neben etwa 80 Einsatzkräften an der stundenlangen Löschaktion beteiligten. Der Kampf gegen die Flammen war dramatisch. "Die Anwohner hatten Existenzangst", erzählt der Kommandant. Mit Wasser aus Gartenschläuchen benetzten sie zum Teil ihre Häuser und Gärten. Ein nahegelegener Kindergarten musste geräumt werden. "Das war wirklich spitz auf Knopf", so der Feuerwehrmann.

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Foto: Marcus Merk
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Etwa ein Hektar der insgesamt knapp acht Hektar großen Fläche kann noch geerntet werden, sagt Landwirt Welzenhofer.

Er rückte - zusammen mit seinen Kollegen - am Abend erneut zum Feld aus. Denn Anwohner hatten Glutnester gemeldet, die gelöscht werden mussten. Schließlich entschied man sich dazu, das gesamte Feld umzugraben. Die Aktion dauerte bis in die späten Abendstunden. "Die Hitze ist das grundlegende Problem", meint der Kommandant.

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Auch Hecken und Wiesen bei Zusmarshausen und Jettingen fangen Feuer

Dass die Hitze und extreme Trockenheit zunehmend zur Gefahr wird, wurde auch am Mittwoch an der Bahnstrecke zwischen Augsburg und Ulm deutlich. Wie die Polizei berichtet, war nach ersten Erkenntnissen wohl eine Bremse eines Güterzugs blockiert, welche auf der Durchfahrt einen Funkenflug erzeugte. Die Folge: Die ausgetrockneten Felder bei Zusmarshausen und Jettingen (Kreis Günzburg) gerieten in Brand. Um die Mittagszeit löschten Einsatzkräfte einen Hang nahe des Zusmarshauser Ortsteils Gabelbachergreut bereits zum dritten Mal ab. Das Feuer fing immer wieder an, wie der Einsatzleiter unserer Redaktion berichtete. Die betroffene Fläche sei 4000 bis 6000 Quadratmeter groß. Die Brände beeinträchtigen auch den Regionalverkehr auf der wichtigen Strecke Ulm-Augsburg-München bis in die Nachmittagszeit. An den Bahnhöfen herrschte kurzzeitig Chaos und es kam zu Verspätungen.

Im Landkreis Augsburg herrscht die höchste Stufe von Waldbrandgefahr

Große Angst vor Feuer herrscht aktuell auch in den Wäldern im Augsburger Land. Dort wurde die höchste Stufe für Waldbrandgefahr ausgerufen, berichtet Ralf Gang, Bereichsleiter für Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). "Ein Tag Dauerregen wäre jetzt gut", sagt Gang. Doch der ist nicht in Sicht. Waldbesucher sollten deshalb besonders achtsam sein. "Es sollte klar sein, aber man muss es sagen: Feuermachen im Wald ist verboten", sagt Gang, genauso wie das Grillen in der Nähe des Waldes. Im gesamten Wald herrscht Rauchverbot. Und: "Mit seinem Auto sollte man momentan nicht im hohen Gras am Wald parken", sagt Gang. Denn auch das ist sehr trocken.

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Brände unverzüglich der Feuerwehr (Telefon 112) melden.

Die Regierung von Schwaben hat wegen der Brandgefahr für den Bereich Nordschwaben und Teile Mittelschwabens Luftbeobachtung angeordnet. Speziell ausgebildete Luftbeobachter und Piloten der Luftrettungsstaffel Bayern und der Regierung von Schwaben halten über den Wäldern nach Brandherden Ausschau. Die Kosten dafür trägt der Freistaat Bayern. (mit sohu)

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