20 Jahre lang hat die Gemeinde Meitingen am Bebauungsplan der Lech-Stahlwerke (LSW) gearbeitet. Nachdem er 2021 schließlich verabschiedet wurde, hatte der Bund Naturschutz dagegen geklagt. Der Münchner Verwaltungsgerichtshof hatte die Klage abgewiesen. Erleichtert darüber zeigte sich Meitingens Bürgermeister Michael Higl. Mit dem Bebauungsplan werde den LSW ermöglicht, die Entwicklung hin zu „grünem Stahl“ und zur Kreislaufwirtschaft zu gehen.
Die Lech-Stahlwerke begrüßen die Planungssicherheit, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Der Schwerpunkt der geplanten Investitionen liegt auf Anlagen zur Reststoffaufbereitung und Kreislaufwirtschaft. Ein geplantes Projekt sei eine Anlage zur Herstellung von „schwarzem Hüttensand“ aus dem Nebenprodukt Schlacke. Diese Technologie wird in Meitingen derzeit im Rahmen eines vom Umweltministerium geförderten Projektes (Wageos) zur Serienreife gebracht und sei ein Leuchtturmprojekt für die gesamte europäische Stahlindustrie. Es trage „maßgeblich zur Senkung der CO2-Emissionen in der Zementindustrie bei“.
Naturschützer beklagen die Schwächung des Bannwaldschutzes
„Das Urteil schwächt den Bannwaldschutz in Bayern leider deutlich“, betont dagegen Thomas Frey, Regionalreferent für Schwaben im Bund Naturschutz. „Aus fachlicher Sicht haben neuangepflanzte Ausgleichsflächen über viele Jahrzehnte nicht die gleichen Waldfunktion wie alte Wälder.“ Durch die geplante Bebauung verliere der Lohwald Richtung Süden einen großen Anteil seiner Immissionsschutzfunktionen. „Zum Schutz der umliegenden Bevölkerung vor Staub und Lärm wäre eigentlich ein sehr breiter Waldgürtel rund um die gesamten Lech-Stahlwerke sinnvoll. Doch nun müssen die Anwohner über viele Jahrzehnte mit einem deutlich reduzierten Schutzwald zurechtkommen.“
Meitingen sieht einen Vorteil für Forst und Natur
Die Marktgemeinde sieht das anders. Man habe mit der Neuanpflanzung von 23,2 Hektar (gegenüber der langfristigen Rodungsfläche von 17,7 Hektar) und dem ökologischen Umbau des Lohwaldes (etwa für Schmetterlinge, Fledermäuse, Amphibien) insgesamt einen Vorteil im Sinne des Forstes und des Naturschutzes erreicht.
Die Lech-Stahlwerke haben eigener Auskunft zufolge fünf von insgesamt 17 Hektar des Sondergebietes gerodet. Das war schon 2022 geschehen, trotz erheblicher Proteste von Bürgerinitiativen und Verbänden und noch bevor ein erstes Urteil darüber gefällt worden war. Die gerodete Fläche wird laut LSW bereits teilweise genutzt. Auf einer ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche sei zudem ein klimaresistenter Wald auf einer Fläche von 23 Hektar angepflanzt worden.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren