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Müller Milch trotzt Boykott und wächst trotz Imageproblem weiter

Fischach-Aretsried

Die Boykottversuche scheitern – und Müller Milch wächst und wächst

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    Theo Müller machte aus der Dorfmolkerei Alois Müller den Milliardenkonzern Müller Milch.
    Theo Müller machte aus der Dorfmolkerei Alois Müller den Milliardenkonzern Müller Milch. Foto: Fred Schöllhorn (Archivbild)

    Ein Sozialist dürfte aus Theo Müller in diesem Leben keiner mehr werden: AfD-Chefin Alice Weidel nennt er eine „Freundin“, als CSU-Mitglied denkt er laut über Koalitionen der Union mit der Rechtsaußen-Partei nach. Nicht zuletzt der Verein Campact stört sich daran und wirft dem langjährigen Chef der nach ihm benannten Unternehmensgruppe vor, „die menschenverachtende Politik der AfD gesellschaftsfähig zu machen“. Der Verein rief dazu auf, die Produkte aus dem Augsburger Land zu boykottieren; ein Edeka in Würzburg klagte wenig später über Sticker der Aktion auf Müller-Milch-Produkten und Beschimpfungen wie „Nazi-Kram“ in sozialen Medien. Doch jetzt macht Müller Milch ganz andere Schlagzeilen.

    So hat das Unternehmen kürzlich bekannt gegeben, die Produktion am Hauptstandort im Fischacher Ortsteil Aretsried auszubauen und dort künftig „Landliebe“-Joghurt herzustellen. Die Marke hatte Müller vor vier Jahren gekauft. Wenig später verkündete die Gruppe, das auf pflanzliche Bioprodukte spezialisierte Unternehmen Berief kaufen zu wollen. Passend zum Wachstum der Produktion entwickelte sich auch der Umsatz des Unternehmens: 2025 lag dieser bei 10,4 Milliarden Euro und stieg wie in den Vorjahren jeweils auch um rund eine Milliarde Euro an. Was ist also überhaupt dran am rechten Imageproblem der Molkerei?

    Handelsverband Bayern sieht keine Proteste gegen Müller-Milch-Produkte

    In den Märkten seien Boykottaufrufe quasi kein Thema, sagt Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern. Von größeren Protestaktionen und Aktivisten, die an den Regalen auftauchten, sei nichts weiter bekannt. Auch aus der Pressestelle von Rewe heißt es, man könne „nicht feststellen“, dass Kundinnen und Kunden „ihr Kaufverhalten gegenüber Produkten aus dem Müller-Konzern oder deren Tochterunternehmen signifikant ändern“ – auch wenn der Konzern sich dazu bemüßigt fühlt zu betonen, dass man „für Vielfalt, Toleranz und ein offenes, demokratisches Deutschland“ stehe und das auch klar an Müller Milch kommuniziere.

    Und auch im Müller-Milch-Stammland ficht der Protest den Molkereiriesen offenbar nicht an. „Die Boykottaufrufe dienen nicht der Sache, sondern den Klicks“, sagt etwa Andreas Schmid, der im Neusässer Stadtteil Steppach einen Edeka betreibt. „Auch wenn es dafür Gründe geben mag, bewirken sie letztlich nichts“, findet er. Er sehe am Kaufverhalten in seinem Markt deutlich, dass hinter dem Protest lediglich eine „anonyme Empörung“ stecke. Zwar könne man sich damit im Netz profilieren – aber Müller Milch werde daran nicht zugrunde gehen, sagt Schmid. Zudem sei vielen Kunden – etwa bei Marken wie Homann oder eben Landliebe – ohnehin oft nicht bewusst, dass sie ein Müller-Produkt kaufen.

    Der Edeka Markt in Steppach: Hier verkaufen sich Müller-Milch-Produkte weiterhin wie vor den Boykottaufrufen.
    Der Edeka Markt in Steppach: Hier verkaufen sich Müller-Milch-Produkte weiterhin wie vor den Boykottaufrufen. Foto: Christof Paulus

    Im Großraum Augsburg ist über Boykottaktionen gegen Müller Milch nichts bekannt

    Boykottaktionen – wie etwa Sticker auf Müller-Produkten – habe es in seinem Edeka noch keine gegeben. Und auch aus keinem anderen Markt im Großraum Augsburg sind derartige Vorfälle bekannt, nicht einmal im Rewe-Markt am Augsburger Königsplatz – obwohl dort Anfang des Jahres noch in Sichtweite der Filiale gegen Müller protestiert wurde. Für Müller gibt es deshalb offenbar auch keine Notwendigkeit, sich zu dem Protest zu äußern. Eine Anfrage unserer Redaktion – auch zur Entwicklung des Gewinns, der letztlich in den Bilanzen vom wachsenden Umsatz übrig bleibt – blieb unbeantwortet.

    Beim Verein Campact geht man immerhin davon aus, dass Theo Müller nach den Boykottaufrufen „nun von weiteren Sympathiebekundungen der AfD absieht“, wie das Manager Magazin eine Sprecherin zitiert. Wie eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Yougov zeigt, hat das Markenimage von Müller Milch zuletzt durchaus stark gelitten. Und das könne den Absatz durchaus noch negativ beeinflussen, sagte Yougov-Manager Felix Leiendecker dem Manager Magazin.

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