Michael und Gundula Thalhofer stehen vor einem Hänger voller verbrannter Dinge. Am Dienstag hatten die Autowerkstatt und ihre Wohnung darüber gebrannt. Dabei wurde das ganze Hab und Gut zerstört.Foto: Cordula Homann
Fast zwei Wochen ist es her, dass eine Autowerkstatt samt Wohnung in Ellgau lichterloh brannte. Doch im sonnenbeschienenen Hof hängt noch immer der beißende Brandgeruch und wabert durch die zerstörten Räume. Michael und Gundula Thalhofer stehen vor dem Betrieb und rekapitulieren die vergangenen Tage. Als es in der Werkstatt brannte und das Feuer innerhalb weniger Augenblicke auf das Dach übergriff. Eine gewaltige Rauchwolke stand über dem Gebäude. Binnen 45 Minuten hatten die rund 100 Feuerwehrleute aus Ellgau und den umliegenden Gemeinden den Brand gelöscht. Doch seitdem ist nichts mehr wie zuvor.
Brand in Ellgau: Nächster Schlag für betroffene Familie
Die extreme Hitze und der Rauch hatten fast alles zerstört. „Bis auf die Kinderzimmer“, sagt Michael Thalhofer und senkt den Kopf. Denn als die Einsatzkräfte nach einer Prüfung mit Wärmebildkameras am Dienstag abgerückt waren, als er nach dem Besuch der Kripo am nächsten Tag mittags bei seinen Schwiegereltern war, da sah seine Frau aus der Ferne wieder Rauch aufsteigen. Wieder verständigten sie die Feuerwehr, wieder rückten mehrere Trupps an. Weil sie nicht an den Brandherd kamen, fuhr ein Bagger in die völlig zerstörte Werkhalle und riss die Wand zum Kinderzimmer der Tochter im ersten Stock heraus. „Die Feuerwehrleute waren so umsichtig und haben sogar noch ihre Sachen hinausgeschoben“, sagt Gundula Thalhofer. Das Zimmer selbst ist weg.
Ein Trost ist die große Hilfsbereitschaft. „Am Dienstagabend hatten wir so viele Nachrichten auf unseren Handys, dass wir Listen erstellt haben, um alles zu organisieren“, erinnert sich Gundula Thalhofer. Zuerst fand die Familie bei ihren Eltern in Nordendorf Unterschlupf. Aufgrund eines anderen Schicksalsschlags können die Thalhofers bald in eine eigene Wohnung ziehen: Michael Thalhofers Schwester war Anfang des Jahres gestorben. „Deren ehemalige Wohnung haben wir nach dem Brand saniert, da können wir hin“, sagt er. „Das ist ein kleiner Strohhalm.“
Auch in der Wohnung oberhalb der Werkstatt sind die Schäden nach dem verheerenden Brand groß.Foto: Cordula Homann
Helferinnen und Helfer strichen und putzten die Nordendorfer Wohnung oder packten in Ellgau mit an, brachten Essen und Getränke und betreuten die Kinder. Wieder andere starteten eine Spendenaktion im Internet, um die Familie zu unterstützen (https://www.gofundme.com/f/alles-verloren-gemeinsam-konnen-wir-ihnen-wieder-halt). Ein Kunde bot ein ganzes Haus an. „Es sind lauter solche Geschichten, die uns zutiefst berührt haben“, sagen die beiden. Um die Fragen der Versicherung zu klären, war das Ehepaar selbst tagelang beschäftigt. „Für jeden Teilbereich gibt es einen eigenen Gutachter“, sagt Thalhofer und zählt auf: „Werkzeug, Gebäude, Hausrat, Waren/Material. Ich habe so 30 neue Leute kennengelernt. Die waren alle nett. Aber ich hätte sie lieber nie getroffen“, sagt der Familienvater.
Ein Blick in ein Büro der Ellgauer Werkstatt.Foto: Cordula Homann
Derweil informierte seine Frau über ihren Whatsapp-Status, wo noch Hilfe benötigt wird, teilte den aktuellen Stand der Sanierungs- und Ausräumaktionen, dankte und finalisierte als Grundschullehrerin die Übertrittzeugnisse, die ihre Viertklässler und Viertklässlerinnen an diesem Montag erhalten. Zur Ruhe kommt die Familie nicht. Das liegt auch am wirtschaftlichen Schaden.
In der Ellgauer Werkhalle klafft ein großes Loch
Nur mit einer FFP2-Maske kann man in das Gebäude, weil der Rauch trotz weit offener Fenster immer noch stark in der Luft hängt. Was der Brand nicht vernichtete, zerstörte das Löschwasser. Es habe zentimeterhoch im Erdgeschoss gestanden, erzählt das Ehepaar auf dem Weg in die Werkhalle. Dort steht das schwarze Skelett eines Autos. An den Wänden ist Teer hinuntergelaufen und teils auf die Autos getropft. Wie Fäden hängt geschmolzenes Glas von den Lampen an der Decke. Daneben klafft ein großes Loch, dort, wo hinter einer Brandschutzmauer die Kinderzimmer waren. Da hatte der Bagger am Mittwoch die Wand herausgerissen, damit die Einsatzkräfte den zweiten Brand löschen konnten. Das Ehepaar ist voller Dankbarkeit auch für die Feuerwehrleute. „Es war faszinierend zu sehen, wie so viele Leute organisiert, mit Ruhe und Bedacht so tolle Arbeit leisten“, erzählt Gundula Thalhofer.
In Ellgau kam es zu einem Brand in einer Autowerkstatt. Der Einsatz dauerte ungefähr zwei Stunden.Foto: Piet Bosse (Archivbild)
Überall liegt Dämmmaterial herum. Von der Decke baumelt ein schwarzer langer Balken, der einst eine Lampe war. „Die Wasserleitung ist auch kaputt“, sagt Michael Thalhofer und seufzt. 1996 wurde die Halle gebaut, später die Wohnung darauf gesetzt. Auch dort ist der Ruß überall. An den Wänden voller Kinderbilder und Fotos zeichnen sich Wasserflecken vom Löscheinsatz und Risse ab. Wie soll es jetzt weitergehen? „Als Erstes ziehen wir in die neue Wohnung. Dann wird die Halle ausgeräumt und dann kommt hoffentlich eine gute Nachricht von der Versicherung“, sagt Michael Thalhofer. Und für einen Augenblick macht er einen zuversichtlichen Eindruck.
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