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Solaranlagen auf Feldern: Unsichere Förderung bremst neue Projekte rund um Augsburg

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„Schikane, die sprachlos macht“: Wieso Solaranlagen auf Feldern wohl selten bleiben

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    Unten Kühe, oben erneuerbare Energie: Mit Photovoltaikanlagen auf bewirtschafteten Feldern soll der Flächenverbrauch reduziert und die Energieproduktion nachhaltiger werden.
    Unten Kühe, oben erneuerbare Energie: Mit Photovoltaikanlagen auf bewirtschafteten Feldern soll der Flächenverbrauch reduziert und die Energieproduktion nachhaltiger werden. Foto: Matthias Becker (Symbolbild)

    Die Idee klingt erst einmal ziemlich gut: Nicht nur, dass man mit Photovoltaik CO2-neutral Strom erzeugen kann – die Anlagen lassen sich auch noch so bauen, dass auf der gleichen Fläche Tiere weiden oder Früchte angebaut werden können. Bundesweit finden sich diese Solaranlagen schon, auch in Schwaben wurden sie gebaut, mindestens zwei davon befinden sich im Landkreis Augsburg. Seit Anfang Mai ist aber ungewisser denn je, ob sich die Idee noch weiter verbreiten wird. Denn das Bundeswirtschaftsministerium will offenbar die Förderung für die sogenannten Agri-PV-Anlagen streichen. Bernhard Schmid ist deshalb „entsetzt“, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagt.

    Der Landwirt hat auf seinem Hof in Ustersbach Solarpanels aufstellen lassen, unter denen rund 20 Rinder grasen. Seit April vergangenen Jahres wäre diese Anlage betriebsbereit, sagt er. Doch bis heute ist sie nicht ans Stromnetz angeschlossen. Der Grund: Eine Prämie, die die Ampel-Regierung beschlossen hatte, wurde bis heute nicht ausgezahlt, weil die EU das Gesetz gebremst hatte. Und weil er unsicher war, ob der Bonus von 2,5 Cent pro Kilowattstunde auf die Einspeisevergütung rückwirkend ausgezahlt werden würde, wollte Schmid mit dem Start seiner Anlage noch warten, bis das Bundesgesetz endgültig beschlossene Sache sein wird. Dieses Warten könnte nun vergeblich sein.

    Bauer Schmid in Ustersbach kritisiert geplante Kürzungen bei Agri-PV-Förderung

    Deutschland wolle eine autarke Energieversorgung, argumentiert Schmid, und zudem brauche man für Agri-PV-Anlagen keine zusätzlichen Flächen, könne bestehende doppelt nutzen. Weil die neue Bundesregierung nun trotzdem gegensteuert, habe sie „ihre Glaubwürdigkeit völlig verloren“, findet der Bauer. Hinzu kommt, dass er seit Langem darauf wartet, dass seine Anlage zertifiziert wird; „eine bürokratische Schikane“, wie er sagt, „die mich sprachlos macht“. Zwar räumt er ein, mit dem Bau der Anlage ein unternehmerisches Risiko eingegangen zu sein. Doch Schmid hatte sich auf den eingeschlagenen Weg der Regierung verlassen.

    Siebenstellig habe er investiert und mit der Förderung kalkuliert, die Anlage in rund zwölf Jahren abzubezahlen. Ohne die Zahlungen fehlten ihm nun jedoch rund 30.000 Euro jährlich. Das Abbezahlen dauere deutlich länger – wobei die Module nur eine Lebenserwartung von gut 20 Jahren haben. Für weitere Anlagen fehle ohne die Förderung der Anreiz, ist Schmid überzeugt. Denn Agri-PV ist an sich weniger rentabel als Anlagen auf Freiflächen, weil die Module nicht so dicht installiert werden können und komplexere Unterbauten benötigen. „Aber sie sind in der Bevölkerung auch deutlich akzeptierter“, sagt Andreas Steinhüser, der beim Fraunhofer-Institut zu Solarsystemen forscht und auf die doppelte Nutzung von Agri-PV-Flächen verweist.

    Bernhard Schmid (rechts) und seine Familie auf dem Sonnenhof in Ustersbach.
    Bernhard Schmid (rechts) und seine Familie auf dem Sonnenhof in Ustersbach. Foto: Marcus Merk (Archivbild)

    Die Branche sei tatsächlich auch davon ausgegangen, dass die Förderung komme. Dass diese jetzt derart infrage stehe, nennt Steinhüser ein „fatales Signal“. Auf vielen Höfen habe man sich zwar damit beschäftigt, Solarmodule auf Weideflächen zu stellen, doch ohne politische Unterstützung dürften viele den Gedanken wieder verwerfen. Und Landwirt Schmid berichtet zudem von Problemen andernorts, überhaupt Material und Handwerker für eine geplante Anlage zu finden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche begründete ihre Pläne, Fördermittel für Erneuerbare Energien zu kürzen, mit „Systemkosten“ und dem Bestreben, den Ausbau der erneuerbaren Energien „ökonomisch effizient“ zu gestalten. Kritik an dem Vorhaben kam dafür nicht nur aus der Opposition, sondern auch vom Koalitionspartner SPD und vom Bauernverband.

    Neue Agri-PV-Anlage startet in Wittelsbacher Land bei Dasing

    Andernorts ist indes ein wenig Optimismus geblieben. So hat im Wittelsbacher Land kürzlich eine neue Anlage auf einem Hof bei Dasing eröffnet, und auch im Augsburger Land hört man zuversichtliche Stimmen. Eignen dürften sich einige Gebiete in der Region unterdessen durchaus. „Landwirtschaftlich genutzte Flächen und ein Netzanschluss und Abnehmer in der Nähe“ seien relevante Kriterien, erklärt Forscher Steinhüser. Blickt man etwa in die Reischenau mit dem nahegelegenen Ballungsraum Augsburg, fallen einige dazu potenziell passende Felder auf.

    Die Agri-PV-Anlage auf dem Sonnenhof in Ustersbach.
    Die Agri-PV-Anlage auf dem Sonnenhof in Ustersbach. Foto: Ruth Seyboth-Kurth (Archivbild)

    Christian Fendt, der auf seinem Hof zwischen Wollis- und Margertshausen in der Gemeinde Gessertshausen ebenfalls eine Anlage errichtet hat – und dabei in engem Austausch zu Schmid in Ustersbach stand – ist seit Januar am Netz. Auch er kennt Bauern, die nun angesichts wahrscheinlich ausbleibender Fördermittel ihre Baupläne wieder verworfen haben. „In unseren Planungen gab es eben einen Best Case und einen Worst Case“, sagt er. „Und jetzt haben wir wohl den Worst Case ohne die Förderung. Aber wir schaffen das.“

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