„Wollt ihr uns kaputt machen?“ Günther Sigl und die Spider Murphy Gang mussten bei ihrem Unplugged-Konzert in der Stadthalle Gersthofen etliche Zugaben abliefern.Foto: Marcus Merk
Als die Spider Murphy Gang in den 80er Jahren ihre größten Erfolge gefeiert hat, hätte man einen Aperol Spritz wohl noch der Ausstattung eines Feuerwehrautos zugeordnet. 49 Jahre später genießt man das In-Getränk in allen Farbschattierungen vor dem Auftritt und in der Pause. Getränke-Geschmäcker ändern sich, die Spider Murphy Gang ist immer noch da. Der Musik-Geschmack der sieben Musiker und ihrer Fans ist immer noch Rock‘n‘Roll. Und die Telefonnummer von Rosi, die kennt man auch heute noch in- und auswendig, wie sich später noch herausstellen sollte.
Gersthofens Kulturamtsleiter Uwe Wagner überreichte Günter Sigl und Barny Murphy von der Spider Murphy Gang einen Award für die ausverkaufte Stadthalle.Foto: Oliver Reiser
Eine weitere Auszeichnung für die Spider Murphy Gang
Bevor es losgeht, hat Kulturamtsleiter Uwe Wagner noch einen Preis parat, der an alle Künstler überreicht wird, die für die Stadthalle Gersthofen ausverkauft vermelden können: Eine Power-Bank, welche die Aufschrift „Volle Power“ trägt. „Wir haben ja schon viele Preise bekommen. Das goldene Bambi, die goldene Europa, einen Bravo-Otto, aber ausverkauft ist immer das beste“, stufte Günther Sigl den Award in die Reihe der vielen Auszeichnungen ein, die man in der langen Geschichte der Spider Murphy Gang bereits erhalten hat. „Was ist eigentlich eine Power-Bank“, fragte der bald 80-Jährige hinterher treuherzig. Eine „Power Bank“ hat er anscheinend nicht nötig.
Die Spider Murphy Gang beim Soundcheck. Jedes Instrument wird vom Tontechniker separat ausgesteuert.Foto: Oliver Reiser
Die Spider Murphy Gang lebt den Rock‘n‘Roll. „I ziags net aus, meine Rock‘n‘Roll-Schuah“, singen Günther Sigl und Barny Murphy, die schon seit gefühlten 100 Jahren zusammen spielen, noch immer voller Inbrunst und untermauern dies optisch mit dem Tragen von Schuhen in knalligem Rot beziehungsweise Leopardenmuster. Dass die Spiders ihren Spaß haben, das sieht man nicht nur auf der Bühne, sondern schon Stunden zuvor beim Soundcheck. Da werden noch letzte Korrekturen angebracht. Schlagzeuger Andreas Keller stimmt eine Trommel auf die Gitarre ab. Der Pfälzer aus Pirmasens ist das jüngste Mitglied der Band. Der 59-Jährige ist seit zehn Jahren bei der Gang.
Otto Staniloi ist der komplette Bläsersatz der Spider Murphy Gang. Er spielt neben verschiedenen Saxofonen, Klarinette und Querflöte unter anderem auch Tuba.Foto: Oliver Reiser
Zu den Gründungsmitgliedern gehört Gitarrist Barny Murphy. „Wir freuen uns über jede Band und jede Blasmusik-Kapelle, die unsere Songs nachspielen“, lacht der 64-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Gerhard Gmell hat und aus Obergiesing stammt, als sei er noch immer verwundert, welchen Kultstatus „Skandal im Sperrbezirk“ oder „Schickeria“ erreicht haben. Ganz egal, ob mit voller Wucht auf Open-Air- oder Bierzelt-Konzerten oder unplugged, wie an diesem Abend in der Gersthofer Stadthalle. „Hier spielen wir nur mit akustischen Instrumenten. Sogar ein Flügel steht auf der Bühne“, erklärt Murphy, „dass ein Akustik-Set etwas ganz anders ist.“ Musik pur. Da hält es der Kettenraucher sogar einige Zeit ohne Zigarette auf der Bühne aus.
Obwohl mit akustischen Instrumenten gespielt wird, benötigt Gitarrist Barny Murphy eine Menge Technik. Günter Sigl tanzt beim Soundcheck schon mal einen Kasatschok.Foto: Oliver Reiser
Die Spiders haben ihr Publikum im Griff
Vom ersten Takt an haben die Spiders ihr Publikum im Griff. Da wird mitgeklatscht und mitgesungen, weil die mit bayerischen Texten versehenen Nummern jeder kennt. „Wir sind weltberühmt in Bayern - des gilt“, scherzt Günther Sigl, der immer sich immer wieder in launigen Episoden aus seinem langen Musikerleben verplaudert. Wer mehr wissen will, solle die Biografie der Spider Murphy Gang sein Buch kaufen. „Da stehen Sachen drin, die hab‘ ich gar nicht gewusst. Oder schon wieder vergessen“, kokettiert der 79-Jährige mit seinem Alter und erinnert seine musikalischen Mitstreiter immer wieder daran, dass ältere Menschen viel trinken sollen. In der Tat haben neben Sigl und Murphy auch Ludwig Seuss (Klavier, Akkordeon) und Dieter Radig (Percussion, Gesang) ebenso das Rentenalter erreicht, wie Willie Duncan (Bass, Gitarre), der angeblich der einzige Schotte ist, der bayerisch singt, sowie Otto Stanioli. Der Mann mit der grauen Mähne und dem Rauschebart ist für sämtliche Blasinstrumente von der Querflöte bis zur Tuba zuständig.
Fast drei Stunden bebt der Hallenboden
Fast drei Stunden rockt und rollt es in der Stadthalle. Da wird getwistet, wie es der unverwüstliche Günther Sigl vormacht, und zu Rock around the Clock getanzt, dass der Hallenboden bebt. Mit stehenden Ovationen werden Zugaben eingefordert. „Wollt ihr uns kaputt machen?“, ruft Sigl ins Publikum. Und das weiß sich zu helfen. Ganz von selbst fängt der ganze Saal an zu singen: „In München steht ein Hofbräuhaus, doch Freudenhäuser müssen raus.“ Dann stimmt die Band ein und am Ende heißt es: „Ja Rosi hat ein Telefon. Auch ich hab ihre Nummer schon. Unter zwounddreißig, sechzehn, acht, herrscht Konjunktur die ganze Nacht.“ Die Konjunktur der Spider Murphy Gang scheint noch längst nicht zu Ende. Nächstes Jahr feiert die Band ihren 50. Geburtstag.
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