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Leichtathletik

29.04.2020

Allein auf weiter Flur

Mit Abstand beobachtet Auerbachs Trainer Lothar Schmitt im Einzeltraining seine Spitzenathletin Angelika Stockert beim Ausdauerlauf in freier Natur.
Bild: Johann Kohler

Auerbachs Spitzensportler leiden unter den Corona-Beschränkungen. Weil die Sportanlagen gesperrt sind, trainieren sie in der freien Natur

Während auf der Sportanlage Rothtal in Horgau wegen dem Betretungsverbot aufgrund der Corona-Krise gähnende Leere herrscht, versuchen auf Sichtweite zum Stadion auf Feldwegen im Einzeltraining, mehrere Leichtathletinnen sich in Form zu halten. Angela Stockert, Sophia Müller, beide 20, und Emily Schuster, 19, die seit rund 13 Jahren bei der SpVgg Auerbach/Streitheim trainieren und starten, haben so eine Krise noch nie erlebt. Während der Bundesliga-Profifußball bereits wieder auf den Trainingsplätzen ihre Übungseinheiten absolvieren und voraussichtlich am 9. Mai mit dem Spielbetrieb starten wird, dürfen bayerische und auch deutsche Spitzenleichtathleten Sportstätten nicht einmal betreten.

Deshalb sitzt der Frust besonders tief bei den Athleten. Denn wie soll Hürdenlauf, Hochsprung, Kugelstoß oder Diskus- und Speerwurf geübt werden, wenn nicht einmal die eigene Wettkampfanlage benützt werden darf? Zwar wurden die bayerischen und auch deutschen Meisterschaften in den September – allerdings noch ohne Termin – verlegt, doch die Zeit läuft den Athleten davon und es fällt ihnen allen schwer, nicht die Flinte ins Korn zu werfen und ihre Laufbahn zu beenden.

Seit Oktober 2019 läuft bereits für die drei Damen Stockert, Müller und Schuster die Vorbereitung für die Saison. Sechs Tage jede Woche bestreiten sie ein aufwändiges und schweres Trainingsprogramm, das jetzt im März jäh unterbrochen wurde. Trainer Lothar Schmitt, der ehemalige Bundestrainer der Mehrkämpfer, investierte bis zum Abbruch sehr viel, denn da Angela Stockert in München studiert, verlegte er zeitweise das Training vom BLV-Mehrkampfstützpunkt Horgau in die Leichtathletikhalle auf dem Olympiagelände in München. Deshalb war auch für ihn die behördlich angeordnete Zwangspause eine Horrorvorstellung. „Besonders weil niemand weiß, wann und wie es weitergeht“, so Schmitt.

Allein auf weiter Flur

Vor allem Angela Stockert, eine der besten Mehrkämpferinnen in Deutschland, trifft diese Krise mehr als hart. 2017 zusammen mit Müller und Schuster noch deutscher Mannschafts-Mehrkampfmeister und im Einzel deutsche Vizemeisterin, verletzte sie sich im Jahre 2018 so schwer, dass sie bis Herbst 2019 mehr bei Sportärzten statt im Stadion zu finden war. Die dadurch verlorene Zugehörigkeit zum Bundeskader wollte sie sich heuer wieder zurückholen. Um dies vielleicht noch zu bewerkstelligen, trainieren die Mädels von Lothar Schmitt nach von ihm geschriebenen Trainingsplänen auf eigene Faust in Wald und Flur. Die vorjährige bayerische Jugendmeisterin über 400 Meter, Sophia Müller, hat heuer die 200 Meter Sprintstrecke im Wettkampf-Visier, Emily Schuster nach wie vor den Mehrkampf. Jetzt hoffen die Drei, die dem bayerischen Leistungskader angehören, und auch die weiteren Nachwuchstalente der SpVgg, auf eine baldige Lockerung der Maßnahmen. „Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, wir haben kein Ziel, auf das wir hinarbeiten sollen“, sind sich die Athletinnen einig.

Deshalb hat sich Abteilungsleiter Johann Kohler auch an die bayerische Staatsministerin Carolina Trautner gewandt, um wenigstens Einzeltraining von Kaderathleten auf den Sportanlagen zu ermöglichen. Zumal die Leichtathletikabteilung der SpVgg Auerbach/Streitheim heuer am 14. und 27. Juni Ausrichter von mittel- und nordschwäbischen Meisterschaften wäre und mit dem Nationalen Abendsportfest am 4. August und den Landkreismeisterschaften am 26. September noch zwei weitere Veranstaltungen anstehen. Ob alle oder nur einzelne dieser Veranstaltungen stattfinden, steht in den Sternen.

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