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Stadtbergen

12.11.2020

Der Dirigent wechselt die Rolle

Statt auf dem Spielfeld dirigiert Emanuel Richter die Basketballer der BG Leitershofen/Stadtbergen jetzt von der Trainerbank aus.
Bild: Marcus Merk

Bei der BG Leitershofen/Stadtbergen gibt es ein neues, aber doch vertrautes Gesicht auf der Trainerbank: Emanuel Richter spricht über Karriereende, Konzepte und Corona

Es gibt ein neues und doch vertrautes Gesicht auf der Trainerbank der Regionalliga-Basketballer der BG Topstar Leitershofen/ Stadtbergen. Mit Emanuel Richter übernimmt ein ehemaliger Spieler nun die Rolle des Headcoach. Seine spektakulären Dreier und Anweisungen auf dem Spielfeld werden fehlen, doch auch außerhalb der Seitenlinie will der 33-jährige Slowene weiterhin 150 Prozent geben. Im Interview spricht er über seine neue Rolle, seine Ziele und das abrupte Ende seiner Spielerkarriere.

Seit Mitte der letzten Saison sind Sie Headcoach der Kangaroos. Davor waren Sie viele Jahre auf dem Spielfeld aktiv. Wie haben Sie den Wechsel vom Spieler zum Trainer empfunden?

Richter: Es war aufregend. Als die Anfrage kam, habe ich direkt zugesagt, ohne viel nachzudenken. Nach den ersten Spielen kam dann aber recht schnell die Einsicht, dass Spielertrainer auf Dauer keine Option ist. Auf dem Feld hast du nicht die gleiche Übersicht wie ein Coach, der von Außen das Geschehen beobachten kann. Ich habe dann sehr schnell entschieden, nur noch Coach zu sein. Das bedeute allerddings, dass ich meine Karriere als Spielerbeenden musste.

Wie ist das abgelaufen?

Richter: Das kam, zugegeben, alles etwas anders als geplant. Als Spieler jenseits der 30 macht man sich natürlich schon ab und an Gedanken, wie das „Ende“ wohl sein wird. Und dann war es plötzlich da. Zudem wurde die Saison wegen der Pandemie abrupt abgebrochen. Ich hatte keine richtige Verabschiedung im Sinne eines letzten Spiels oder ähnlichem. Aber mit Dingen, die anders kamen als gedacht, bin ich 2020 bestimmt nicht alleine.

Haben Sie schon länger darüber nachgedacht, nach der aktiven Karriere Coach zu werden?

Richter: Ja, ich wollte schon immer Basketballtrainer werden. Ich dachte eben nur nicht, dass es so schnell dazu kommen wird (lacht). Als dann die Chance kam, meine Trainerkarriere direkt in der 1. Regionalliga zu beginnen, konnte ich nicht Nein sagen. Da ich seit einiger Zeit beruflich nach München pendle, kam mir der fließende Wechsel vom Spieler zum Trainer sehr gelegen. Eine Schicksalsfügung.

Wie hat Ihr Weg denn ursprünglich zu den Kangaroos geführt?

Richter: Ich kam 2014 als Spieler von den Giants Nördlingen zu den Kangaroos. Ich wollte gerne in Bayern bleiben, das ist nah an Slowenien, meiner Heimat. Ich hatte mehrere Angebote aus der Region. An Leitershofen/Stadtbergen hat mir die neue Halle gefallen, Andres Santiago hat als Abteilungsleiter einen seriösen und überzeugenden Eindruck gemacht und Augsburg als Wohnort hat mir auf Anhieb gefallen.

Sie kommen aus Slowenien, sprechen neben Deutsch, Englisch, Slowenisch auch noch Kroatisch und Italienisch. Sie waren durch Basketball viel in Europa unterwegs. Warum haben Sie sich gerade in Deutschland niedergelassen?

Richter: Ehrlich gesagt, wollte ich ursprünglich nur eine Saison in Deutschland bleiben (lacht). Daraus sind mittlerweile sieben Jahre geworden. Mir gefällt die deutsche Mentalität, die Organisation, die Zuverlässigkeit. Das passt zu mir als Mensch und meinen Eigenschaften. Außerdem bewegt sich viel im deutschen Basketball, es gibt gute Perspektiven für junge, ambitionierte Trainer. Und auch privat habe ich hier mein Glück gefunden (lacht).

Was gefällt Ihnen besonders an Augsburg?

Richter: Augsburg ist die schönste Stadt Bayerns. Sie ist keine anstrengende Metropole, aber bietet einem alles. Außerdem bekommt der Sport viel Aufmerksamkeit, mit dem FCA und den Panthers haben wir Erstligisten im Fußball und Eishockey. Am Basketball arbeiten wir (lacht). Nein, im Ernst, ich denke, dass im Augsburger Basketball viel Potenzial steckt und es ist für mich eine tolle Chance, diese Zukunft als Coach nun mitzukreieren. Der Verein nimmt immer professionellere Strukturen an. Wir haben einen Online-Fanshop und Online-Ticketing eingeführt. All das stimmt mich optimistisch.

Was haben Sie sich für die Rolle als Coach vorgenommen?

Richter: Auf lange Sicht haben wir schon vor der Pandemie ein neues Konzept erarbeitet. Wir starten in diesem Jahr in eine zweijährige Projektphase, in der wir gezielt auf unsere Nachwuchsspieler setzen und erstmal auf ausländische Profis verzichten. Wir den Aufstieg in die Pro B aus eigener Kraft schaffen. Denn ich bin überzeugt davon: Wenn man es in der Regionalliga nicht ohne ausländische Profispieler schafft, oben mitzuspielen, dann hat man in der Pro B auch nichts zu suchen. Natürlich kann man sich vereinzelt Verstärkung auf Positionen holen, auf denen man selbst keine geeigneten Spieler hat. Doch wenn man sich als Team von einzelnen Starspielern abhängig macht, rächt sich das. Und aufzusteigen, nur um direkt wieder abzusteigen, das wollen weder die Fans, noch der Verein oder das Team. In der Vereinsleitung sind wir uns da einig. Diesem Vertrauen will ich gerecht werden.

Wie schätzen sie die Chancen des Teams für die kommende Saison ein?

Richter: Wir sind ein gutes, junges und dynamisches Team und ich sehe uns in den Playoffs. Das ist unser Ziel. Diese Saison wird unsere Orientierungsphase, um zu sehen, was es noch braucht, um übernächste Saison um Aufstieg zu spielen. Angesichts der besonderen Saison, die vor uns liegt, kann man sowieso nicht zu weit planen.

Vermissen Sie es, selbst auf dem Spielfeld zu stehen?

Richter: Ich vermisse derzeit Basketball grundsätzlich. Die Corona-Pandemie hat uns ja bereits vor dem Start wieder ausgebremst. Das ist nicht so schön. Aber was kann man machen? Es geht in diesen verrückten Zeiten allen gleich. Den ganzen November dürfen wir nicht in die Halle, im Dezember dann hoffentlich zumindest trainieren. Wir halten uns derzeit mit Online-Training fit, dass wir bereit sind, wenn es wieder los geht. Nachdem es jetzt einen Impfstoff zu geben scheint, bin ich mir sicher, dass wird die Saison spielen können. Interview: Dana Hadovic-Forto/oli

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