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Gablingen

25.01.2020

Der Traum vom Vereinsausflug ins Ally Pally

Alle auf die Triple-20! Bei den Schmutter Dart Boyz des SV Gablingen herrscht nicht nur im Training beste Stimmung. In der Punktrunde haben sich beiden Mannschaften der neu gegründeten Abteilung ebenfalls gut geschlagen.
Foto: Oliver Reiser

Die neu gegründeten Schmutter Dart Boyz haben ein Domizil beim SV Gablingen gefunden. Schnellstart in der Liga

„One hundred and eighty“ dröhnt es laut durch den Ally Pally – und der Saal tobt. Tausende Darts-Fans erheben sich von ihren Sitzen, grölen, singen, tanzen. Wer die Darts-Weltmeisterschaft und den Triumph von Peter Wright im Fernsehen verfolgt hat, kann ansatzweise die Atmosphäre nachvollziehen, die einer Mischung aus Faching und Wiesn gleichkommt. Unmöglich scheint es, sich bei diesem Lärm konzentrieren zu können und die nur acht Millimeter breiten Triple- und Double-Felder zu treffen. Dieser Sport verlangt sowohl den Fans als auch den Spielern alles ab.

„Das ist der größte Mentalsport für die Psyche, den ich bisher kennengelernt habe. So nervös ist man sonst nirgends“, sagt Michael Elschner, der früher Fußball und Eishockey gespielt hat. Zusammen mit Markus Hofmann leitet er nun die Dart-Abteilung des SV Gablingen. Bis zur Stimmung im Alexandra Palace, dem Mekka des Dart-Sports im Norden von London, müssen sie bei den Schmutter-Dart Boys, wie sie sich nennen, noch etwas arbeiten. Im Nebenraum des Gablinger Sportheims, wo man ein Zuhause gefunden hat, geht es da etwas ruhiger zu. Es läuft zwar Musik, aber eben nur auf Zimmerlautstärke.

So können Hofmann und Elschner erzählen, dass sie sich im Dezember 2018 auf dem Dachboden eines gemeinsamen Freundes beim Dartspielen kennen gelernt und ihre gemeinsame Begeisterung für das Pfeilspiel entdeckt haben. Spontan beschlossen sie, ein Hobbymannschaft zu gründen. „Schon nach kurzer Zeit haben wir beschlossen ein paar Freundschaftsspiele zu machen, um zu sehen, ob wir konkurrenzfähig waren“, berichtet Markus Hofmann: „Danach war das Dartfieber endgültig ausgebrochen.“

Doch warum ist Darts in England längst ein Millionengeschäft und auch in Deutschland immer erfolgreicher? Neben der fantastischen Stimmung ist es vor allem die Einfachheit des Sports, die heraussticht. Einem Laien kann man die Regeln innerhalb kürzester Zeit erklären. Ein weiterer Punkt, der für die Sportart spricht, sind die Sportler selbst. Die meisten von ihnen sind Entertainer, die sich selbst und das Publikum feiern. Modelmaße, wie man sie in anderen Sportarten benötigt, sind im Dartssport selten zu finden, viele Profis sind eher rundlich gebaut. Auch das Alter scheint keine Rolle zu spielen, wenn man bedenkt, dass Phil Taylor bis zu seinem 57. Lebensjahr Titel gewonnen hat.

Als nächstes Ziel wollten die Schmutter Dart Boyz in der Saison 2020/21 in den Ligenspielbetrieb des Nordschwäbischen Dart-Verbandes einsteigen. Da dort jedoch noch Mannschaften fehlten, konnte man schon im Oktober 2019 auf Punktejagd gehen. „Man gab uns zwei Tage Zeit, um eine Entscheidung zu treffen, sofort einzusteigen. Innerhalb von ein paar Stunden haben wir zwei Mannschaften gestellt“, berichtet Michael Elschner: „Wir mussten dann ein paar Nachholspiele absolvieren. Aber der Teamgeist der beiden Teams, die Platz zwei und neun nach der Hinrunde belegen, ist überragend.“

Inzwischen kommen immer mehr zum Training, die Zahl der Mitglieder von 20 bis 70 Jahren ist auf 18 gestiegen. „Durch den Hype im Fernsehen wollen die Leute Dart spielen“, freut sich „Iron Mike“ Elschner, der sich bei privaten Turnieren schon mal mit Perücke als Weltmeister Peter Wright verkleidet.

Bislang ist Dart bei den Schmutter Boyz Männersache. Aber das könnte sich bald ändern, denn die Darts-WM hielt in diesem Jahr ein kleines Wunder parat. Mit Fallon Sherrock gewann erstmalig eine Frau eine Erstrunden-Partie. Als wäre das nicht unglaublich genug, kegelte sie in Runde zwei den an Position elf gesetzten Mensur Suljovic aus dem Turnier. Bei den Männern geht der Trend vom Bier- zum Waschbrettbauch. „Das ist schon eine Sportart!“, sagt Michael Elschner im Brustton der Überzeugung: „Mit Larifari geht da gar nichts. Man muss sich total konzentrieren.“ In der Tat gibt es nur wenige Sportarten, die ein solches Maß an Konzentration erfordern – es geht schließlich nur um Millimeter, die zwischen einer hohen Punktzahl und einem schlechten Score liegen. Beim Snooker beispielsweise kann man bei einem Match eine Stecknadel fallen hören. Aber Darts ist ganz anders. Viele Profis starteten ihre Karrieren in Pubs und so ist für sie dieser Lärmpegel nichts Besonderes mehr.

Michael Leuschner hat sogar noch einen weiteren Vorteil ausgemacht: „Man kann sich beim Dart kein Kreuzband reißen.“ Dafür gibt es eine Krankheit, die es nur in dieser Sportart gibt: Die Diagnose lautet „Dartitis“. Dabei kann man den Pfeil nicht mehr loslassen. Ist sie in Gablingen etwa ausgebrochen? Die Schmutter Dart Boyz jedenfalls träumen von einem Vereinsausflug ins Ally Pally nach London.

Training ist jeden Donnerstag ab 18.30 Uhr im Gablinger Sportheim. Gäste sind herzlich willkommen.

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