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Stadtbergen

27.01.2019

Der beste Torwart und das schönste Tor

Kurz vor dem Anpfiff der bayerischen Meisterschaften musste noch ein neues Tor herbeigeschafft werden. Der TSV Leitershofen meisterte auch diese organisatorische Aufgabe mit Bravour. Mittendrin Julian Bauer, der zum besten Torhüter gewählt wurde.
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Kurz vor dem Anpfiff der bayerischen Meisterschaften musste noch ein neues Tor herbeigeschafft werden. Der TSV Leitershofen meisterte auch diese organisatorische Aufgabe mit Bravour. Mittendrin Julian Bauer, der zum besten Torhüter gewählt wurde.
Bild: Oliver Reiser

Beim TSV Leitershofen als Gastgeber der bayerischen Futsal-Meisterschaften trübt lediglich eine schwere Verletzung die Freude

„Wissenschaftliche Studien belegen klar, dass der Nachwuchs ganz andere Fähigkeiten entwickelt, wenn er von Kindesbeinen an Futsal spielt. In Südamerika ist das ein ganz elementarer Baustein der Talentförderung. Deshalb bin ich mir sicher, dass das eine Generationenfrage ist, bis wir diese Diskussionen, ob Futsal oder Hallenfußball mit Bande nicht mehr führen müssen. Am Ende muss jeder erkennen, dass die Verletzungsgefahr deutlich minimiert wird und die technischen Fähigkeiten merklich gestärkt und verbessert werden. Viele Erwachsene von morgen werden sich später einmal fragen, was herkömmlicher Hallenfußball überhaupt ist.“ Dieses Statement von Michael Tittmann, dem Futsal-Beauftragter im Verbands-Spielausschuss auf der Homepage des Bayerischen Fußball-Verbandes, dürfte Daniel Witt wie Hohn in den Ohren geklungen haben. Der Spieler des TSV Leitershofen verletzte schwer am Knie und fällt mit einem Bänderriss für den Rest der Saison aus. „Das ist tragisch und bitter und wird uns im Abstiegskampf der Kreisliga sehr weh tun“, konstatierte Trainer Bernd Endres.

Im Spiel gegen die SG Etzenricht/Luhe-Wildenau II – angeblich ein A-Klassist – zog sich der 23-Jährige bei einem Futsal-typischen Zweikampf einen Bänderriss im rechten Knie zu. Schon im vergangenen Jahr hatte sich Witt beim Futsal in der Halle dieselbe Verletzung zugezogen, war die ganz Rückrunde ausgefallen. Deshalb wollte Daniel Witt eigentlich gar nicht in der Halle spielen, war nur in die Mannschaft gerückt, weil Martin Gawronski tags zuvor zum Junggesellenabschied nach Kitzbühl „entführt“ wurde.

Der Vater des Hallenfußball sah zum ersten Mal Futsal

800 Zuschauer hatten die bayerischen Meisterschaften in die schmucke Stadtberger Sporthalle gelockt. Darunter auch Armin Klughammer. „Wenn so eine Veranstaltung schon in meiner unmittelbaren Nachbarschaft stattfindet, muss ich doch einen Anstandsbesuch machen“, sagte der 82-jährige „Vater des schwäbischen Hallenfußballs“, der diesen Wettbewerb 1980 ins Leben gerufen hatte, und der sich nun zum ersten Mal vor Ort ein Bild vom viel diskutieren Futsal machte. „Ich habe einige alte Bekannte getroffen“, so Klughammer, der sich allerdings schon bald wieder verabschiedete und seinen Spaziergang fortsetzte. Stadtbergens Bürgermeister Paul Metz hingegen outete sich als Fan der neuen Variante: „Mit gefällt Futsal. Es geht schnell hin und her.“

Seine Fertigkeiten am Ball konnte das Stadtoberhaupt zusammen mit Verbandsspielleiter Josef Janker beim symbolischen Anstoß demonstrieren. Symbolisch auch der Aufruf gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung, den Leitershofens Spielführer Benedikt Gerstmeier vor Turnierbeginn inmitten aller beteiligten Mannschaften verlas. Bevor es losgehen konnte, musste noch ein defektes Tor ausgetauscht werden. „Das ging bei uns wesentlich schneller als seinerzeit in Madrid beim Spiel gegen Borussia Dortmund“, scherzte Bürgermeister Metz.

Im Gegensatz zu Armin Klughammer, der zu derjenigen Generation gehört, die mit dem Kick auf kleine Tore und sprungreduziertem Ball wenig anfangen können, gefiel dem Publikum in Stadtbergen, was die acht Meister aus den sieben bayerischen Regierungsbezirken plus Ausrichter TSV Leitershofen boten. Vor allem Titelverteidiger Türkspor Nürnberg, Grün-Weiß Ingolstadt oder der FC Dingolfing hatten viele Fans mitgebracht, die für gute Stimmung auf den Rängen sorgten. „Viel schneller, viel strukturierter und auch die Schiedsrichter pfeifen viel konsequenter“, urteilte Jürgen Rößle, der Trainer des A-Klassen-Spitzenreiters TSV Steppach. „Man sieht, dass hier echte Spezialisten am Werk sind.“ Wie zum Beispiel ein Tobias Strobel, ehemaliger Bayernliga-Spielertrainer beim TSV Schwabmünchen und FC Pipinsried, der als Gastspieler die Multi-Kulti-Truppe vom Grün-Weiß Ingolstadt verstärkte und zum Sieg führte.

„Das ist kein Kreisklassist“, urteilte Leitershofens Trainer Bernd Endres, der sich vor Turnierbeginn noch ganz locker gab. „Wir haben hier nichts zu verlieren. Aber abschießen lassen wollen wir uns natürlich auch nicht.“ Am Ende des Tages war er trotz des Wermutstropfens der schweren Verletzung von Daniel Witt zufrieden. „Wir haben uns als Gastgeber gut verkauft“, sagte er trotz des Ausscheidens nach den Gruppenspielen zufrieden. „Ein Sieg wäre schon schön gewesen, wir haben aber halt leider einfach den Ball nicht ins Tor bekommen.“ In der Tat: Beim 0:0 gegen den SV Etzenricht hatte Lukas Mayer in der Schlussminute gleich zweimal den Siegtreffer auf dem Fuß, scheiterte aber zweimal ganz allein vor dem gegnerischen Torwart. Gegen den späteren Meister Grün-Weiß Ingolstadt blieb man beim 0:3 ebenfalls ohne Torerfolg.

Dennoch konnten sich die Almkicker freuen. Julian Bauer wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt und der einzige Treffer, den die Almkicker im Laufe des Turniers erzielten, darf mit fug und recht als schönster Treffer der Veranstaltung bezeichnet werden. Benedikt Gerstmeier schloss in der Auftaktpartie gegen den Bayernligisten SpVgg Bayern Hof (1:4) ab, was Tobias Foth und Lukas Schnitzler genial herausgespielt hatten. Solche Traumtore hätte man gerne noch öfters gesehen.

„Die Spieler haben den begeisterten Zuschauern gezeigt, warum Futsal die Zukunft ist und was er dem klassischen Fußball voraushat. Er ist schneller, trickreicher, wesentlich eleganter und fördert jene Eigenschaften, auf die es auch beim klassischen Fußball ankommt: Disziplin, Ballbehandlung, Spielwitz und -verständnis“, erklärte BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der im Verbandsvorstand für den Spielbetrieb zuständig ist. „Dazu hatten wir heute einen reibungslosen organisatorischen Ablauf und sozusagen als i-Tüpfelchen auf einen tollen Turniertag ganz starke Leistungen unserer bayerischen Futsal-Schiedsrichter“, betonte Verbandsspielleiter Josef Janker.

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