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Meitingen

27.07.2019

„Die Fluktuation hat deutlich zugenommen“

Er kennt sich aus in der Fußballszene der Region: Der frühere Torwart und Trainer Karl Bühler.
Bild: Roland Stoll

Karl Bühler, ehemals Torwart und Trainer, über den Fußball von früher und heute

Mit 31 Jahren hat er seine Karriere als Torwart beendet, danach folgten 25 Trainerjahre bei insgesamt 13 Vereinen in der Region. Unter anderem coachte er seinen Heimatverein TSV Binswangen, den TSV Meitingen, den TSV Herbertshofen, den SC Untere Zusam oder den SC Tapfheim. Kaum ein anderer kennt sich in Sachen Amateurfußball so gut aus wie Karl Bühler. Zwischen 1978 und 1984 stand er sechs Jahre zwischen den Pfosten beim TSV Wertingen. Damals spielten die Zusamstädter in der Bezirksliga. Wie sich der Fußball seit seiner aktiven Zeit bis heute entwickelt hat, darüber sprachen wir dem dem 62-jährigen Strahlenschutztechniker, der in Osterbuch wohnt, vor dem ersten Spieltag in den Bezirksligen.

Hallo Herr Bühler, die Bezirksliga war mal die fünfthöchste Liga im Land, inzwischen sind Bezirksligisten nur noch siebtklassig. Was hat sich geändert?

Bühler: Heutzutage bekommen Spieler, Trainer und Zuschauer durch die zahlreichen Fernsehübertragungen sehr viel Anschauungsunterricht. Das wirkt sich dann manchmal so aus, dass zum Beispiel ein A-Klassenspieler von einem Fan kritisiert wird, wenn er eine Ballannahme nicht sauber verarbeitet, nachdem dies am Vorabend via Bildschirm ein Bundesligaspieler noch perfekt vorgemacht hat. Verändert hat sich gegenüber meiner aktiven Zeit vor allem die Grundausrichtung der Mannschaften, hinunter bis zur B-Klasse. Auch dort wird oft eine Vierer- oder Dreierkette aufgeboten, so wie es die großen Mannschaften praktizieren. Zu meiner Zeit gab es in der Abwehr zwei Verteidiger und einen Vorstopper, die Mann gegen Mann gespielt haben. Die verfolgten ihre Gegenspieler notfalls bis zur Toilette.

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Und wie sieht es mit dem Tempo aus?

Schauen Sie sich doch mal Aufnahmen von Spielen der Nationalmannschaft oder von europäischen Spitzenteams aus den 70er-Jahren an. Wenn man da Szenen sieht, frage ich mich manchmal, ob da gerade eine Zeitlupe läuft. Da ging alles viel gemächlicher zu. Heute ist im Profifußball wesentlich mehr Geschwindigkeit drin. Die athletische Variante hat deutlich zugenommen.

Auch im Amateurbereich?

Bühler: Ich denke schon. Auch wenn das schwieriger einzustufen ist. Fakt ist, dass heute selbst in der A- oder B-Klasse besser trainiert wird. Viele Übungsleiter sind gut ausgebildet und bringen ihr Know-how natürlich mit ein. Früher wurde im Training nur oft gelaufen, dann ein wenig Torschuss geübt und schließlich noch ein Trainingsspielchen absolviert.

Welche Unterschiede zwischen dem Fußball vor 30, 40 Jahren und dem Gekicke heute gibt es noch?

Bühler: Heute fangen die Jugendlichen schon im Kindesalter an zu trainieren und machen ihre ersten Spiele in der F- oder E-Jugend. Früher gab es bei den Sportvereinen auf dem Land nur eine Schüler- und eine Jugendmannschaft, das war´s. Da hast du mit zwölf Jahren begonnen, in der Schülermannschaft zu spielen. Mit 15 bist du in die A-Jugend gewechselt und musstest manchmal aufgrund der Körpergröße bis zu einem Jahr warten, ehe du einen Einsatz bekommen hast. Das war aber nicht unbedingt ein Nachteil. Die Dorfvereine konnten mit eigenen Spielern ihre beiden Nachwuchsmannschaften bestücken und waren nicht auf Spielgemeinschaften angewiesen, die heute allenthalben anzufinden sind. Dadurch müssen selbst Achtjährige oft zehn Kilometer oder weiter fahren, um am Training teilnehmen zu können. Als früher die Spieler in den Seniorenbereich wechselten, haben sie in der Regel bei ihrem Heimatverein weitergespielt. Wer gegangen ist, der wurde im Dorf oft dumm angemacht. Als ich vom TSV Binswangen zum TSV Wertingen wechselte, konnten dies damals einige Binswanger nicht nachvollziehen.

Bereuen Sie im Nachhinein diesen Wechsel?

Bühler: Nein. Schließlich hatte ich in Wertingen sechs schöne Jahre mit vielen aufregenden Begegnungen. Was mir aber auffällt, ist die Tatsache, dass gerade bei Bezirksligisten die Fluktuation von Spielern deutlich zugenommen hat. Da lese ich von bis zu zehn Neuzugängen und neun Abgängen. Und wenn dann die Neuen bei den ersten Spielen mitwirken, fragen die Zuschauer, wer ist denn das?

Ihr früherer Verein, der TSV Wertingen, ist nach drei Jahren in der Kreisliga in die Bezirksliga zurückgekehrt. Am Sonntag ist der TSV Nördlingen II zu Gast auf dem Judenberg. Schauen Sie zu?

Bühler: Ich denke nicht. Dafür habe ich mir fest vorgenommen, in einer Woche am zweiten Spieltag beim Derby in Meitingen vor Ort zu sein. Begegnungen dieser beiden Mannschaften hatten schon immer ihren Reiz.

Interview:Günther Herdin

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