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Leichtathletik

18.06.2019

Franz Herzgsell läuft allen davon

Brachten viel Edelmetall nach Schwaben: Alfred Speer (MBB SG Augsburg, Bronze), die amtierende deutsche Meisterin über 10000 Meter Alina Reh (SSV Ulm) und Franz Herzgsell.
Bild: Sandner

Der Dinkelscherber holt bei der deutschen Meisterschaft in Essen die Goldmedaille

Franz Herz-gsell ist kaum zu stoppen: Nachdem er im März die bayerischen Crosslaufmeisterschaften gewann und Zweiter bei den nationalen Wettkämpfen wurde, holte er jetzt Gold bei der deutschen Meisterschaften über 10000 Meter in Essen.

Zunächst blieb ihm Heinz Ströve aus Emlichheim auf den Fersen, der im März noch den Titel des deutschen Crosslaufmeisters gewann. Doch nach 3000 Metern setzte sich Franz Herzgsell ab und vergrößerte ständig den Abstand. So lief er bei starkem Gegenwind in der Südkurve zwei gleichschnelle Hälften (21:13 und 21:07 Minuten für je 5000 Meter). Mit fast zwei Minuten Vorsprung gewann der Dinkelscherber nach 42:20,77 Minuten den Titel des deutschen Meisters der Altersklasse M70 über 10000 Meter. Alfred Speer von der MBB SG Augsburg lief zur eigenen Überraschung auf den Bronzeplatz. Er benötigte nur 45:56,37 Minuten. Deutscher Meister bei den Männern wurde der Olympiateilnehmer Richard Ringer (LC Rehlingen, 28:28,89 Minuten). Bei den Frauen siegte in überragenden 31:19,87 Minuten die deutsche Nachwuchshoffnung Alina Reh vom SSV Ulm. Mit dieser Top-Zeit hat sie sich auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste der Frauen platziert.

Für den schwäbischen Ausnahme-Athleten Franz Herzgsell, der für die LG Reischenau-Zusamtal startet, ist der Sieg bei der deutschen Meisterschaft ein weiterer Titel in einer großen Sammlung. Immer in Bewegung – für Herzgsell ist das ein Lebensmotto. Das setzt er nicht nur im Sport um. Vor Jahren lief er einfach von der Haustüre in Dinkelscherben-Anried los – um nach fast drei Wochen in Verona anzukommen.

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Über 600 Kilometer legte Herz-gsell auf seiner Pilgerreise von seiner Haustüre in Anried, dem westlichsten Ort des Landkreises Augsburg, bis nach Italien zurück. Von vielen Freunden, Bekannten und Verwandten begleitet, machte er sich am ersten Tag über die Stauden mit Endziel Mittelneufnach auf den Weg. Dann ging die Reise alleine weiter. Nicht nur das Laufen war meditativ, sondern auch so manche Nacht unter freiem Himmel. Franz Herzgsell wollte sich damals an dem Spruch testen: „Es ist nicht einfach, einfach zu leben.“

Über Füssen lief er über den Reschenpass auf den Spuren der Via Claudia. Auf dem Weg besuchte er auch Burgen und Kirchen und schaltet einen Gang zurück – Dauerregen in den Bergen oder der Hitze in Südtirol von fast 40 Grad machten ihm zu schaffen. Und eine Blase am Fuß, die immer dicker wurde. Doch der Herzgsell ließ sich nicht kleinkriegen. Auch in den vergangenen Monaten warfen den Altmeister immer wieder Verletzungen zurück. Doch jetzt überwiegen wieder die Glücksmomente.

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