1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Lokalsport
  4. Fußball-Nachlese: Ein Drehbuch mit und ohne Happy End

Altenmünster

16.10.2018

Fußball-Nachlese: Ein Drehbuch mit und ohne Happy End

Copy%20of%20DSC_5896(2).tif
3 Bilder
Die Wahrheit sah anders aus. Nicht Fahad Barakzaie (links) vom SC Altenmünster musste Gersthofens Christoph Wagemann hinterher laufen, sondern umgekehrt. Der TSV-Kapitän sah zudem die Rote Karte.
Bild: Oliver Reiser

Plus Während Altenmünsters Trainer Boran Goric von einem perfekten Spiel spricht, fühlt sich sein Gersthofer Kollege Florian Fischer im falschen Film.

Spieler des Tages: Sergej Scheifel

76 Spiele in drei Jahren hat Sergej Scheifel von 2009 bis 2012 für den TSV Aindling in der Bayernliga bestritten. Nach fünf Jahren beim FC Langweid und einem einjährigen Gastspiel beim SC Griesbeckerzell ist er zu Beginn dieser Saison beim SC Altenmünster gelandet. „Er will eigentlich aufhören, aber er hält das nicht durch“, prophezeite Trainer Goran Boric zu Saisonbeginn. Und schon bald schnürte der 28-Jährige wieder die Fußballschuhe. Scheifel, den sie „Sigi“ nennen, ist nach wie vor topfit und mit seiner Erfahrung für den Bezirksliga-Aufsteiger Gold wert. Beim 4:1-Sieg gegen den TSV Gersthofen war er der beste Mann auf dem Platz. Er organisierte lautstark die SCA-Hintermannschaft und schaltete nicht nur seinen alten Kumpel, Gersthofens Torjäger Ferkan Secgin, aus, sondern sich selbst auch ins Angriffsspiel ein. Beim 1:0 eroberte er den Ball, zog unwiderstehlich durchs Mittelfeld und legte perfekt für den Torschützen Dominik Osterhoff vor.

Pechvogel des Tages

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Dilaver Cayoglu vom SV Erlingen, vor wenigen Wochen 50 Jahre alt geworden, dürfte der älteste aktive Kicker im Augsburger Land sein. Gegen die SpVgg Auerbach wäre er mit einem sehenswerten Weitschusstreffer beinahe zum Matchwinner geworden. Kurz vor Schluss kamen die Gäste noch zum 1:1-Ausgleich.

Beste Torschützen

Einziger Vierfach-Torschütze war Goran Boric beim 9:3-Sieg des SC Altenmünster II. Jeweils drei Tore gelangen Fahad Barakzaie (SC Altenmünster), Milan Szabo (VfR Foret), Clemens Schneider (TSV Welden), Maximilian Mayer (TSV Diedorf), Leon Rößle (TSV Steppach), Benjamin Keller (SV Ottmarshausen), Julian Göddert (TSV Herbertshofen II), Rainer Müller (SV Ehingen II), Julien Jaremkow (SV Achsheim) und Julian Henkel (SC Altenmünster II)

Torreichste Begegnungen

Ein ganzes Dutzend Treffer gab es beim 9:3 des SC Altenmünster II gegen den SV Ziertheim II (B-Klasse West 4). In drei Spielen fielen jeweils neun Tore. An zwei davon war der TSV Herbertshofen beteiligt. Die „Erste“ der Lechtaler verlor beim VfR Foret mit 3:6, die „Zweite“ gewann bei der SG Langweid/Stettenhofen II mit 8:1. Mit dem selben Ergebnis schoss der TSV Welden die SpVgg Bärenkeller ab.

Größte Zuschauerzahlen

Zwischen Rindern und Traktoren verfolgten 260 Zuschauer das Landesliga-Duell zwischen dem SC Oberweikertshofen und dem SV Cosmos Aystetten (0:2). 226 wurden in Ecknach gezählt, wo der TSV Meitingen mit 0:4 das Fell über die Ohren gezogen bekam. 200 sahen das Derby SC Altenmünster gegen TSV Gersthofen (4:1), 150 das Kreisliga-Spitzenspiel TSV Neusäß – TSV Dinkelscherben und 144 das Kreisklassen-Duell TSV Lützelburg – TSV Täfertingen.

Top des Tages

Obwohl acht Stammspieler fehlten und sogar Ersatzkeeper Alexander Bernhardt noch als Feldspieler eingewechselt wurde, gelang dem Landesligisten SV Cosmos Aystetten ein ganz wichtiger 2:0-Sieg beim Tabellenletzten SC Oberweikertshofen.

Flop des Tages

Bereits zum zweiten Mal in dieser Saison flog Mark Huckle vom TSV Meitingen mit der Roten Karte vom Platz. Nach einem Foul musste auch Christoph Wagemann vom TSV Gersthofen runter. Wenig später folgte ihm sein Vereinskamerad Stefan Smolka, der seinen Gegenspieler beleidigt hatte.

Nachlese

Die Vorrunde ist zwar noch nicht ganz beendet, doch einen Titel kann man dem SC Altenmünster jetzt schon nicht mehr nehmen. Der Aufsteiger ist inoffizieller Landkreismeister in der Bezirksliga Nord. Der SCA, von vielen als Absteiger Nummer eins tituliert, hat nach dem TSV Meitingen auch den TSV Gersthofen besiegt. Und dies gleich mit sage und schreibe 4:1. „Es ist alles zusammengekommen. Es ist so gut gelaufen, als hätte ich selbst das Drehbuch dafür geschrieben“, ist Trainer Goran Boric glücklich über den zweiten Sieg gegen einen seiner Ex-Vereine. Besonders motiviert war wohl auch Fahad Barakzaie. Der vor vier Wochen 19 Jahre alt gewordene anerkannte Asylbewerber aus Afghanistan war erst im Sommer vom TSV Gersthofen nach Altenmünster gewechselt. Nicht nur aufgrund seiner drei Treffer verzückte der eigentlich noch für die A-Jugend spielberechtigte Angreifer die 200 Zuschauer. „Er wollte eigentlich in Gersthofen bleiben, aber er hat zwischen A-Jugend und Aktiven nicht so richtig gewusst, woran er ist“, berichtet Boric und freut sich über das ablösefrei Schnäppchen, das sich als Rohdiamant entpuppt hat. „Manchmal ist er noch zu verspielt und macht zu viel allein“, sagt Boric über Barakzaie, der bei der JFG Lohwald und in Gersthofen als unzuverlässig gegolten haben soll. „Das kann ich überhaupt nicht bestätigen“, so Boric, der den Auszubildenden bei der Deutschen Bahn immer persönlich von Augsburg mit nach Altenmünster nimmt. Mit Mohammed Mahmoud steht ein weiterer Asylbewerber aus Syrien im Kader, der ebenfalls gerade eine Lehre absolviert. „Ein Supertyp für die Stimmung im Team“, so Boric, „der freut sich selbst auf der Bank mehr über ein Tor, als derjenige, der es geschossen hat.“

Auch Mahmoud kam vom TSV Gersthofen, hat aber zuvor beim FC Langweid, als dessen Filiale der SC Altenmünster mittlerweile bezeichnet werden kann, gespielt. Mit Simon Seiter hat nach Goran Boric, Aldin Kahrimanovic, Peter Ferme und Sergej Scheifel erst kürzlich ein weiterer Ex-Langweider den Weg an den Hennhofer Weg gefunden.

Insbesondere die mit allen Wassern gewaschenen Routiniers, der 31-jährige Slowene Ferme und der 30-jährige Bosnier Kahrimanovic waren es, die beim 4:1-Triumph gegen den TSV Gersthofen im Mittelfeld den Unterschied ausmachten. „Die alten Dachse haben den gegnerischen Jungspunden den Schneid abgekauft und dafür gesorgt, dass der TSV nicht so geordnet ins Spiel gekommen ist“, sagt Goran Boric.

Das Spiel gegen den TSV Gersthofen ist damit abgehakt. Bereits am morgigen Mittwoch (Anpfiff 18.15 Uhr) steht das Wiederholungsspiel der nach vier Platzverweisen beim Stand von 4:3 für Altenmünster drei Minuten vor Schluss abgebrochenen Partie bei der TSG Thannhausen an. „Das ist jetzt wieder ein ganz anderes Spiel. Da müssen wir gewinnen“, fordert Goran Boric.

Während für den SC Altenmünster das Drehbuch für eine Schnulze mit einem Happy End geschrieben wurde, wurde die Handlung für den TSV Gersthofen zum Horror-Thriller. „Es ist alles gegen uns gelaufen. Ich bin mit vorgekommen, wie im falschen Film“, so Spielertrainer Florian Fischer. „Wir haben zu viele Fehler produziert und es dem Gegner leicht gemacht. Deshalb hat Altenmünster verdient gewonnen“, will er sich zu diesem Debakel nicht mehr groß äußern. Sein Blick geht bereits nach vorne. Am Samstag gastiert Spitzenreiter FC Ehekirchen in der Abenstein-Arena. „Da sind wir mit Sicherheit nicht Favorit“, sagt Fischer. „Wir müssen jetzt mit den ganz kleinen Dingen wieder anfangen.“ Dass mit Kapitän Christoph Wagemann und Stefan Smolka nach Roten Karten zwei Drittel der Abwehr ausfällt, macht die Sache nicht leichter.

Ähnlich schlimm wie den TSV Gersthofen erwischte es TSV Meitingen. Die 0:4-Klatsche beim VfL Ecknach erinnert schon fast an die Pleiten der großen Volksparteien bei der Landtagswahl. Mit vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen ähnelt die jüngste Bilanz eher einem Abstiegskandidaten, denn einem Aufstiegsanwärter. Dabei waren bis auf Johannes Nießner in Ecknach alle Mann an Bord.

Vom Aufstiegsanwärter zum Abstiegskandidaten – dieses Schicksal ist dem TSV Zusmarshausen widerfahren. „Wir müssen endlich den Abstiegskampf annehmen!“, fordert Trainer Christian Ludl, der bei der 1:2-Heimniederlage gegen den SSV Anhausen erneut von einigen seiner Akteure enttäuscht war. „Es fehlt an der Einstellung, am Biss, an der Leidenschaft. Wer jetzt keine Emotionen hat, der ist fehl am Platz“, so der Coach, der sogar schon mit Rücktritt gedroht hat. Doch beim TSV steht man hinter dem Trainer, der momentan auch kaum Alternativen hat. Zuletzt fiel nach Simon Schneider und Tobias Kuchenbaur mit Patrick Steinle ein weiter Innenverteidiger aus. „Kämpfen ist der Schlüssel in unserer Situation“, hofft Ludl, dass zumindest mit Ilkay Hakarek ein Motivationsspieler schnell zurückkehrt.

Auf der anderen Seite der Tabelle strahlt man beim TSV Neusäß mit der scheinbar nicht enden wollenden Herbstsonne um die Wette. Im Spitzenspiel gegen den TSV Dinkelscherben gab es einen 2:1-Sieg. Bei vier Punkten Vorsprung auf den TSV Haunstetten, bei dem man am kommenden Samstag zum nächsten Gipfeltreffen antritt, könnte man sich mit einem weiteren Sieg die Herbstmeisterschaft sichern.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Stierkegler_II_Auerbach.tif
Oggenhofer Punkterunde

Stierkegler haben die Nase vorn

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden