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Fußball

30.10.2020

Jetzt gehen die Lichter wieder aus

Noch vor wenigen Tagen wurde in der Gersthofer Sportarena unter Flutlicht gekickt. Nun gehen die Lichter wieder aus. Die Fußballer müssen im November eine weitere Corona-Pause einlegen. Auch die für dieses Wochenende geplanten Partien im Ligapokal wurden bereits weitgehend abgesagt. Darunter auch der Derby TSV Neusäß – SV Cosmos Aystetten am heutigen Freitagabend.
Bild: Oliver Reiser

Erneute Sperrstunde für die Amateur- und Breitensportler. Wie es mit dem Ligapokal, Nachholspielen und dem Sport im Augsburger Land weitergeht. Die Tendenz geht zur vorzeitigen Winterpause

Die Bundesregierung hat am vergangenen Mittwoch beschlossen, den Spiel- und Trainingsbetrieb im Amateurfußball vom 2. bis zum 30. November lahmzulegen. Das kam nicht unerwartet, aber für viel doch unverständlich, da bisher von Ansteckungen beim Sport im Freien kaum etwas bekannt wurde. Gegner und Trainingspartner infizierter Spieler mussten zwar in Quarantäne, wurden aber fast allesamt negativ getestet. Der Bayerische Fußball Verband hat jetzt keine Wege und Mittel mehr, den Ligapokal und die Nachholspiele in diesem Jahr wie geplant über die Bühne zu bekommen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum weiteren Sportbetrieb.

Welche Folgen haben die Beschlüsse für den Ligapokal?

In den vergangenen Wochen hatten Bezirksspielleiter Rainer Zeiser und Kreisspielleiter Reinhold Mießl einiges zu tun. Den Plan, mit jeweils regionalen Vierer-Gruppen am Samstag in den Ligapokal zu starten, müssen die beiden jetzt jedoch in den Papierkorb werfen. Denn nachdem in der Bezirksliga bereits die Zwischenrunde nach der Gruppenphase und in der Kreisliga die Rückrunde in der Gruppenphase gecancelt wurden, weil zahlreiche Nachholspiele im normalen Liga-Alltag auf dem Programm standen, steht fortan die gesamte Aufnahme des Ligapokals in der Saison 2019/21 auf der Kippe. „Die Gruppenphase des Ligapokals kann nun leider nicht wie geplant durchgeführt werden und der Ablauf […] muss neu bewertet werden“, hieß es am Mittwochabend in der Stellungnahme Zeisers an die Vereine. Noch zu Beginn der Woche war der Bezirksspielleiter guten Mutes: „Positiv Denken ist hier von Vorteil. Die Spiele sind geplant und wer spielen kann, darf und soll auch spielen. Wir (der Bayerische Fußball Verband, Anm. d. Red) wollen den Vereinen die Möglichkeit geben, weiterhin Fußball unter Wettkampfbedingungen zu spielen.“

Welche Teams setzen erste Zeichen?

Den Teams wurde freigestellt, an diesen Samstag vor dem Lockdown die ersten Pokalspiele zu absolvieren. Hierfür wurde mit dem § 94 Abs. 9 eine Sonderregelung eingeführt, aufgrund der Pandemie Spiele abzusagen, wenn der Sieben-Tage-Inzidenzwert über 50 auf 100000 Einwohner steigt. Im Landkreis ist man über diese Grenze längst hinaus. Deshalb wurde auch die für den heutigen Freitagabend angesetzt Partie zwischen dem TSV Neusäß und dem SV Cosmos Aystetten abgesetzt. „Beide Vereine sind der Ansicht, dass es keinen Sinn macht“, berichtet Günther Hausmann, der Sportliche Leiter des TSV, von einem Telefonat mit Cosmos-Coach Marco Löring. Zumal der Ligapokal ja dazu geschaffen worden sei, Zuschauer anzulocken und etwas Geld in die klammen Kassen zu spülen. Außerdem sieht Hausmann die Erkältungsgefahr, wenn Umkleiden und Duschen nicht genutzt werden dürfen.

Am Donnerstagmorgen haben sich auch die beiden Abteilungsleiter der Bezirksligisten TSV Gersthofen und TSV Meitingen, Klaus Assum und Torsten Vrazic, auf eine Spielabsage geeinigt. „Das wäre das falsche Zeichen nach Außen, da jetzt auf Biegen und Brechen vor 50 Zuschauer ein Spiel durchzuziehen, obwohl weißlich ein Lockdown ab Montag eingeläutet ist. Da waren wir uns beide schnell einig“, erklärt Vrazic, der sich mit Assum nun in die Winterpause begeben wird. „Wie es jetzt weiter geht, ob wir den Pokal spielen werden und wann der Spielbetrieb grundsätzlich wieder aufgenommen werden kann, lassen wir jetzt einfach auf uns zukommen“, erklärt auch Kreisspielleiter Mießl.

Warum der Ligapokal dem Amateurfußball in dieser Zeit geholfen hätte?

Die Pokalabsage schmerzt letztlich aber doch sehr. Einige Vereine haben sich auf diesen bereits gefreut. Denn das neu eingeführte Format könnte eine Mannschaft vor dem Abstieg bewahren oder eine andere zum Aufstieg verhelfen. Der Ansporn ist bei einigen Mannschaften aus dem Landkreis Augsburg demnach groß. „Das ist eine interessante Sache, die sich der BFV da hat einfallen lassen. Wir wollen das Ding gewinnen und aufsteigen“, erklärt Zusmarshausen Coach Thomas Weber. „Wir wollen natürlich das Double“, schmunzelt Marco Löring von Cosmos Aystetten motiviert. Andere wiederum sehen es als Chance, um zu experimentieren. „Wir werden sicher ein bisschen was ausprobieren und die Jugend vermehrt einsetzen. Grundsätzlich sollten wir aber schauen, erst einmal die Meisterschaft zu Ende zu bringen“, meint Thierhauptens Spielertrainer Simon Forster.

Doch auch negative Stimmen werden zu Recht laut. „Die aktuelle Lust und Freude hält sich in Grenzen. Anfangs war ich ein Befürworter des Pokals, da es eine interessante Lösung ist. Unter diesen Umständen stelle ich die Sinnhaftigkeit jedoch in Frage“, fügt Anhausens Spielertrainer Benedikt Schmid an. Besonders die Regelung, dass ab einem Inzidenzwert von 50 positiven Fällen auf 100000 Einwohner lediglich 50 Zuschauer zugelassen sind, stößt bei vielen auf Unmut, weshalb eine Verlegung ins nächste Jahr durchweg als sinnvoller bewertet wird. „Wenn man eben mit dem Ligapokal nach der langen Pause nächstes Jahr startet und zwei, drei gute Tests hat vor der Rückrunde, ist das wiederum sehr sinnvoll nach fast sechs Monaten ohne Fußball“, stellt Horgaus Trainer Franz Stroh fest.

Wie und wann werden die Nachholspiele absolviert?

Ein Blick auf den Spielplan offenbart eine Menge Nachholspiele, die der BFV für Ende November, Anfang Dezember anberaumen musste. „Die Meisterschaft hat immer Vorrang“, erklärt Zeiser. Demnach haben er und Kollege Mießl den Bezirks- und Kreisligisten mit mehreren Nachholspielen die Möglichkeit eingeräumt, am kommenden Samstag statt des Pokalstarts, ein Nachholspiel, das für Ende November anberaumt war, vorzuverlegen. Ob Vereine auf dieses Angebot eingehen werden, wird sich im Laufe des Freitages klären. Die Tendenz geht nach Rücksprache mit zahlreichen Vereinen jedoch klar in Richtung vorzeitiger Winterpause. Der Bayerische Fußball-Verband will darüber am Montag entscheiden. Sechs Monate ohne Fußball – darauf sollten sich die Freunde des Amateurfußballs schon einmal einstellen.

Wie sieht es in anderen Sportarten aus?

Beim der SpVgg Westheim hat man sich auf die beiden Heimspiele am Samstag gegen TuS Bad Aibling und TTV Vilshofen gefreut. „Diese müssen leider entfallen“, so Teammanager Josef Merk. Obwohl das von der Regierung verhängt November-Verbot für den Amateursport-Betrieb erst am Montag greift, hat der bayerische Tischtennis-Verband seinen Spielbetrieb bereits ab 30. Oktober ausgesetzt. Eine Fortsetzung zum jetzigen Zeitpunkt sei weder zielführend noch sinnvoll, heißt es auf der Verbandshomepage. Durch Rückzüge, Nichtantreten, ausgefallene Spiele und immer häufigere Hallensperrungen sei ein fairer Spielbetrieb nicht mehr zu gewährleisten.

Die Corona-Taskforce des Deutschen Keglerbunds hat entschieden, den Spieltag der Bundesligen am Wochenende wegen der aktuellen Corona-Entwicklung zu verschieben. Man werde die weitere Corona-Entwicklung sowie Entscheidungen der Bundes- und Landesregierungen beobachten und spätestens am 18. November die weitere Vorgehensweisen bezüglich des Spielbetriebs bekannt geben.

Bereits seit dem Wochenende 24./25. Oktober ruht der Spielbetrieb in allen schwäbischen Ligen. Mit dem Re-Start Mitte November wird es durch die Maßnahmen der Regierung nichts mehr. Jetzt hoffen die Landkreisteams der SG 1871 Gersthofen, TSV Meitingen, TSV Neusäß und TSV Dinkelscherben, dass im Dezember unter Berücksichtigung strenger Hygieneregeln wieder gespielt werden kann.

Den heutigen Freitag und den morgigen Samstag wollen die Vereine noch für Wettkämpfe nutzten. Während im Gau Donau-Brenz-Egau ausschließlich interne Wettbewerbe wie zum Beispiel Königsschießen oder Vereinsmeisterschaften stattfinden, kommt es an Zusam und Lech auch zu ganz normalen Pokal- oder Rundenwettkämpfen, wie Hubert Gerblinger erklärt. „Wir verbieten nichts“, so der Schützenmeister des Gaues Wertingen. Gerblinger hofft, dass nach dem Lockdown im November die Schießstände im Dezember wieder freigegeben werden. Viele Duell müssen aber neu terminiert werden. „Das müssen die Vereine dann selbst regeln“, betont Gerblinger.

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