Tischtennis

06.09.2019

Kontinuität in der Zielsetzung

Der Langweider Erfolg lebte und lebt von einem intensiven Stützpunktkonzept. Ex-Vorsitzender Gert Jungbauer kritisiert die Schieflage in der Sportförderung durch Sponsoren

Seit über 40 Jahren besteht in Langweid ein Stützpunkt des Bayerischen Tischtennis-Verbandes in Kooperation mit dem TTC Langweid. Dass die Dreifachsporthalle in der Gemeinde am Lech ein erfolgreicher Stützpunkt für Tischtennis-Talente ist, liegt auch an den hoch qualifizierten Trainerinnen und Trainern, die durch intensives Training für die Fortentwicklung der Talente und deren Erfolge gesorgt haben und sorgen.

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Der erste Stützpunktleiter und -trainer war Alfons Biller, derzeit Vorsitzender des TTC Langweid. Biller ist A-Lizenz-Trainer und war viele Jahre im BTTV für den Leistungssport verantwortlich. Danach war er zehn Jahre lang Vizepräsident des Verbandes mit Zuständigkeit Finanzen. Ihm folgten Tischtennis-Koryphäen als Stützpunkttrainer: die frühere slowenische Weltklassespielerin und bayerische Verbandstrainerin Eva Jeler zum Beispiel, die später Cheftrainerin des Deutschen Tischtennis-Bundes wurde und jetzt Chefin für den Nachwuchssport im DTTB ist. Später waren die Verbandstrainer Kubatschka (polnischer Nationalspieler), Martha Novotna (ehemalige tschechische Verbandstrainerin), Heiko Albers, Jana Klessinger (tschechische und deutsche Nationalspielerin) sowie Langweids ehemalige Spitzenspielerin Jie Schöpp, vielfache Nationalspielerin und derzeitige Damen-Bundestrainerin, im Langweider Stützpunkt als Trainer aktiv.

Namhafte Spitzenspieler sind in der Vergangenheit unter anderem über das Langweider Stützpunkttraining herangewachsen. Allen voran Helmut Grob. Der Donauwörther wurde später Bundesligaspieler in Saarbrücken und Nationalspieler. Aus der Startzeit des Langweider Erfolgs sind es Hedwig Biller, Gudrun Frühbeisser (Herfert), Ute Michl (Speer), Barbara Jungbauer, Verena Voit und später besonders Christina Fischer und Katharina Schneider. Profitiert haben auch die Nordendorfer Brüder Gerd und Wolfgang Steppich, die in Bayerns Elite zu finden waren.

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Seit einigen Jahren ist Langweids Jugendtrainerin Barbara Jungbauer, einst selbst bayerische Jugendspitzenspielerin, als Stützpunktleiterin und -trainerin aktiv. Sie freut sich über den Einsatz von Csilla Batorfi, der früheren Weltklassespielerin und Langweider Ex-Spielertrainerin, als weitere Stützpunkttrainerin. Die Arbeit und Qualität des Langweider Stützpunktes ist von Beginn an bis jetzt anerkannt.

„Wir haben auch in der Zeit der Langweider Hochkonjunktur immer versucht, die Symbiose Spitzensport, Wettkampfsport, Breitensport und Jugendarbeit in der Waage zu halten“, sagt Gert Jungbauer, von 1969 bis 2016 Vorsitzender des Langweider Tischtennissports. „Dies war und ist schwierig, da die Entwicklung im Sport insgesamt immer mehr einen falschen und gefährlichen Weg geht“, klagt er über die Schieflage der Sportförderung – insbesondere im Fernsehen. „Es werden nur wenige privilegierte Sportarten begleitet und damit das Sponsoring bestimmt. Tischtennis, Sportart Nummer eins der Welt, gemessen an den Mitgliedern in der ITTF (Internationale Tischtennis-Föderation), ist mit 226 Millionen Mitgliedern der mitgliederstärkste Sportverband der Welt, knapp vor Fußball, wird aber von Medien als Randsportart behandelt“, ärgert sich Jungbauer. „Manager von Konzernen wägen wohl nicht immer den oft hohen Einsatz der Firma und den Ertrag daraus ab, sondern wo sie sie sich im Glanz der Stars für das Geld der Firma selbst besser sonnen können“, muss Jungbauer die Werbewirksamkeit des Fußballs zähneknirschend anerkennen. „Sieht man die finanziellen Auswüchse im Fußball erst nach den 222 Millionen, die Paris-St. Germain für den Wechsel von Neymar gezahlt hat? Ist die finanzielle Entwicklung nicht schon seit Jahren beängstigend?“, blickt Jungbauer mit Sorge auch auf die Korruption bei der Vergabe von Olympischen Spielen oder Fußball-Weltmeisterschaften und die sonstigen Auswüchse in den Ländern, die den Zuspruch erhalten haben.

Das alles hält Langweids Tischtennis-Verantwortliche nicht ab, den von Beginn an eingeschlagenen Weg zu halten, und führt nicht dazu, das Engagement einzuschränken. Seit dem Rückzug des langjährigen Haupt- und Namenssponsors Müllermilch nach der Saison 1996/1997, als man den achten deutschen Meistertitel feierte, und der seither erfolglosen Suche nach einem neuen Hauptsponsor pendelt der Verein zwischen den drei höchsten deutschen Ligen.

Aufgeben kam aber nicht infrage. Nach dem in der letzten Saison errungenen Meistertitel in der 3. Bundesliga nahm der Verein das Aufstiegsrecht im Interesse der Tischtennisfans an und spielt nächste Saison in der deutschlandweiten 2. Bundesliga. Dort beginnt die Saison am 21. September mit einem Heimspiel gegen den Vorjahresmeister Weinheim, der auf den Aufsteig in die Erste Liga verzichtet hat.

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