Neusäß-Hammel

13.06.2019

Koordination kommt vor Kondition

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3 Bilder
Die Mitglieder der „Rams“ des SV Hammel staunen nicht schlecht, als sich unser Praktikant Julian Kraus beim Battern versucht – und sogar den Löwenanteil der Bälle trifft.
Bild: Oliver Reiser

Beim Softball ist das Zusammenspiel von Auge, Körper und Sportgerät gefragt. Wie der Ableger der amerikanischen Nationalsportart Baseball in den Neusässer Ortsteil Hammel gekommen ist

Neusäß-Hammel Außer den Resten eines Burgstalls und einem Schloss aus dem 17. Jahrhundert lässt sich in dem Ortsteil der Stadt Neusäß auf den ersten Blick nichts außergewöhnliches finden. Doch wenn man zufällig mittwochabends in der Mühlbachstraße Richtung Ottmarshausen fährt und über das Fußballfeld des SV Hammel hinweg schaut, kann man Menschen bei der Ausübung einer seltsam anmutenden Sportart beobachten. Das Ganze nennt sich Softball und ist eine Variante des amerikanischen Nationalsports Baseball.

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„Softball ist Baseball für Leute über 30“, lacht Timothy Sullivan. Der gebürtige Amerikaner, der Liebe wegen in Augsburg hängen geblieben, war einer von rund 80000 Soldaten, die früher einmal in Augsburg stationiert waren. Zusammen mit seinem Kumpel Glen McClure hat er vor 22 Jahren in Langweid damit angefangen, Softball zu spielen. „Wir haben auf einem Flohmarkt drei Handschuhe und einen Schläger gekauft. Dann ging’s los“, erinnert sich der 51-Jährige. Nach einem Umweg über Königsbrunn ist man schließlich 2006 in Hammel gelandet. „Einige aus der Gegend haben von dem Platz gewusst. Und die Vorstandschaft des SV Hammel hat gleich angebissen. So kam es nach dreijährigem Kampf dazu, dass wir 2010 ein richtiges Feld einweihen konnten“, erzählt Sullivan.

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Softball ist nicht nur für Leute ab 30. „Das Alter spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die körperliche Fitness ist bedeutender. Ich würde sagen ab 16 Jahren bis der Körper es noch mitmacht. So könnte man die Altersgrenzen für unseren Sport legen“, sagt Thomas Hagest, der stellvertretende Vorsitzende des SV Hammel. Gut, dass unser Praktikant Julian Kraus mit 20 Jahren noch innerhalb dieser Grenzen liegt. Er hat sich in dieser doch etwas ungewöhnlichen Sportart versucht.

Als erstes besorgt mir Christoph Amesreiter einen Handschuh und übt mit mir das Werfen und Fangen. Da der Ball beim Softball sehr hart ist, gibt es wie im Baseball auch einen Handschuh mit einem Beutel zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger, mit dem der Ball idealerweise und auch der Hand zuliebe gefangen werden sollte.

Dass das überhaupt nicht einfach ist, merke ich sofort. Zunächst prallt der Ball von meinem Handballen ab und landet auf dem Boden. Schon beim ersten Mal, bei dem ich den Ball mit der Hand fangen will und nicht mit dem Handschuh, merke ich wie der Kontakt meiner Hand nicht gut getan hat. Auch, dass man nur mit einer Hand fangen kann, macht mir anfangs Probleme. Wenn der Ball auf die Körpermitte kommt und nicht links oder rechts vorbei fliegt, muss die Hand und der ganze Arm sehr beweglich sein. Doch je mehr Bälle Christoph mir zuwirft, desto besser kann ich mich an die Bewegung mit dem Handschuh gewöhnen und der Ball landet immer öfter sicher im Beutel.

Nach den Anfängen mit Fangen und Werfen, schauen wir dem Team beim Spielen zu und Christoph erklärt mir die Grundzüge vom Slowpitch Softball. Danach geht es für mich zur Home Plate. Christoph will mir das Schlagen beibringen. Auch hier ist eine gute Koordination gefragt. Stand und Schlagbewegung müssen passen, sonst tut man sich schwer den Ball zu treffen. Immer wieder geben mir Christoph und auch Timothy Sullivan Tipps wie ich stehen, den Schläger halten soll und wie ich schlagen muss. Die Schlagbewegung hat eine bestimmte Abfolge und auch das nicht unerhebliche Gewicht des Schlägers macht mir zu schaffen.

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Tim Sullivan und Glen McClure hatten seinerzeit die „Brew Crew“ gegründet. „Nachdem die älteren Herren immer mehr zu ’Barbeque-Softball’ am Sonntag tendierten und die Jungen mehr Ehrgeiz entwickelten, haben wir uns getrennt“, so Tim Sullivan. Die „Rams“ wurden gegründet, deren Wappentier – wie könnte es beim diesem Ortsnamen anders sein – ein Hammel ist. „Die ersten Jahre haben die Rams nie gewonnen, jetzt ist es umgekehrt“, lacht der Softball-Pionier. Wenn die „Brew Crew“ und die „Rams“ einmal gemeinsam zu einem Turnier fahren, werden daraus die „Brams“.

Die Bewegung erfolgt in Sekundenschnelle, da ist (normalerweise) keine Zeit zum Nachdenken. Es geht um Auge-Körper Koordination. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich zu lange nachdenke und deswegen den Ball verfehle. Es ist ein Auf und Ab. Einige Schläge kommen ganz gut, aber viele Bälle treffe ich entweder gar nicht oder nicht richtig. Nachdem ich auch beim Battern meine ersten Eindrücke gewonnen habe, geht es zur vorerst letzten Disziplin, dem Pitchen. Der Pitcher wirft den Ball dem Batter aus 13 Metern mit einem Unterhandwurf unterhalb der Hüfte entgegen. Dabei muss der Ball auf seiner Flugbahn einen höchsten Punkt von mindestens 1,83 Meter, oder auch 6 Fuß, durchfliegen und, wenn er nicht getroffen werden würde, auf einem bestimmten Bereich beim Batter aufkommen, der sogenannten „Strike Zone“.

Nachdem es beim Werfen und Fangen gut lief, beim Schlagen dann etwas schlechter, vervollständigt sich nun beim Pitchen der Trend. Von gefühlt 50 Bällen werfe ich keinen einzigen auf die „Home Plate“. Es sah beim Zuschauen bei den Profis aus Hammel wieder einmal sehr leicht aus.

Zu guter Letzt schlagen auch Thomas Hagest und Christoph Amesreiter einige Bälle. Sichtlich beeindruckt sehe ich zu, wie die Bälle Richtung Sportgaststätte davon fliege und an der 100 Meter-Marke kratzen. Das ist etwas deprimierend, wenn man sich selbst so schwer tut. Aber für meine ersten Schritte beim Slowpitch Softball war ich einigermaßen zufrieden.

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Für Tim Sullivan gibt es nach wie vor nichts Schöneres, als mit seinen Sohn auf dem Spielfeld zu stehen. Doch er sieht auch ein Problem. Nicht nur, dass die in Deutschland verblieben Amerikaner immer weniger werden. „Die Jugend ist heut zutage schwer für einen Sport zu begeistern. Die spielen lieber digital“, sagt er. Wer Softball einmal probieren möchte hat dazu bei dem „Rams“ auf dem Sportplatz des SV Hammel jeden Mittwoch ab 18 Uhr und Sonntag ab 13 Uhr die Gelegenheit.

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