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Diedorf

27.01.2019

Mit einer Wildcard bis ins Finale

Hoffen, bangen, trauern – beim TSV Diedorf spielte sich die gesamte Gefühlspalette innerhalb weniger Sekunden ab. 14 Sekunden vor dem Ende hatte der Kreisklassist gegen den Bezirksligisten SV Türkgücü Königsbrunn durch einen Zehnmeter die Chance zum Ausgleich. 
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Hoffen, bangen, trauern – beim TSV Diedorf spielte sich die gesamte Gefühlspalette innerhalb weniger Sekunden ab. 14 Sekunden vor dem Ende hatte der Kreisklassist gegen den Bezirksligisten SV Türkgücü Königsbrunn durch einen Zehnmeter die Chance zum Ausgleich. 
Bild: Marcus Merk

Der als Gastgeber automatisch qualifizierte Kreisklassist TSV Diedorf wird in eigener Halle erst im Endspiel gestoppt

14 Sekunden vor Schluss erreichte das Turnier noch einen letzten emotionalen Höhepunkt. Im Finale der 38. Augsburger Landkreismeisterschaft im Hallenfußball gab es nach dem fünften Foul einen Zehn-Meter-Strafstoß für den TSV Diedorf. Der als Gastgeber nur mit einer Wildcard ins Teilnehmerfeld gerückte Kreisklassist hatte die große Chance, sich beim Stand von 0:1 gegen den großen Favoriten SV Türkgücü Königsbrunn ins Siebenmeterschießen zu retten. Florian Sandner legte sich den Ball zurecht, doch der Co-Spielertrainer zielte genau auf den gegnerischen Torwart, der auch den Nachschuss von Benedikt Wellkampf irgendwie aus dem Winkel kratzte. Der Bezirksligist SV Türkgücü Königsbrunn war mit einem 1:0-Erfolg zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte Augsburger Landkreismeister. „So ein blödes Tor“, ärgerte sich Diedorfs Ferdinand Ströhl, der zum besten Keeper gewählt wurde. Als bester Spieler wurde Burak Tok, Spielertrainer des SV Türkgücü Königsbrunn ausgezeichnet.

Dieser Wettbewerb um die Landkreis-Krone ist nach wie vor eine feste Größe im Sportkalender – egal ob Hallenfußball oder Futsal. Das liegt wohl auch am K.-o.-Modus, der ständig für Adrenalin sorgt. Da ist jedes Spiel ein Endspiel, da kann nicht taktiert werden. Über 500 Zuschauer wollten deshalb wohl die besten acht Mannschaften des Landkreises sehen. Großes Pech hat dabei natürlich, wer nach 20 Minuten wieder die Koffer packen muss. Ganz besonders traf dies gestern auf die SpVgg Auerbach-Streitheim zu, die im Eröffnungsspiel gegen den TSV Schwabmünchen zweimal ausgleichen konnte und trotzdem noch 1,4 Sekunden vor Schluss das 2:3 hinnehmen musste. Dabei mussten die Schwabmünchner schon sehr früh den Verlust ihres Torhüters Patrick Joder hinnehmen, der den Ball außerhalb des Kreises mit der Hand abgefangen hatte und deshalb zwar hart, aber völlig regelgerecht die Rote Karte unter die Nase gehalten bekam. Überhaupt konnten die Schiedsrichter Alexander Bienert, Florian Pioch, Vinzenz Lehmann und Florian Ambrosch mit einer konsequenten Spielleitung überzeugen. Die vielen Anhänger, die der Kreisklassist aus Auerbach mitgebracht hatte, harrten aber weiter auf der gut gefüllten Tribüne aus.

Barbara Wengenmeir, die Sportbeauftragte des Landratsamtes, zeigte sich nicht nur aufgrund der Zuschauerresonanz zufrieden. „Wir befinden uns im Landkreis Augsburg in Sachen Hallenfußball in einer glücklichen Lage“, blickte sie in die Menge. „Es muss doch für jeden Fußballer ein Erlebnis sein, vor so einer Kulisse zu spielen.“ Sie sieht die Zugkraft der Landkreis-Endrunde im Gegensatz zu vielen Trainern, die gerne Gruppenspiele hätten, auch im hochspannenden K.-o.-System. „Da steht jedes Spiel 20 Minuten unter Strom, es ist hoch emotional. Und die Zuschauer lieben es, wenn dann ein Kreisklassist einen Bezirksligisten ausschaltet.“

Dieses Kunststück gelang dem TSV Diedorf, der den TSV Gersthofen aus dem Wettbewerb kickte. Nach dem 2:4 gegen die Schwarz-Gelben von der Schmutter mussten sich die Schwarz-Gelben vom Lech zum zweiten Mal hintereinander nach dem ersten Spiel schon wieder verabschieden.

Dieses Schicksal widerfuhr auch der SpVgg Westheim. Nach einer 2:0-Pausenführung fühlten sich die Schützlinge von Trainer Oliver Haberkorn anscheinend zu sicher, während der TSV Leitershofen nun das am Samstag bei der bayerischen Meisterschaft versäumte Toreschießen nachholte und noch mit sage und schreibe 7:2 gewann. Dreifacher Torschütze war dabei Max Wieland, der mit insgesamt vier Treffern Torschützenkönig wurde. Die Enttäuschung der Westheimer muss wohl ziemlich groß gewesen sein, denn nur so ist es zu erklären, dass sie bei der Siegerehrung durch Abwesenheit glänzten. Auch das von vielen Fußball-Experten als „vorweggenommenes Endspiel“, in dem der SV Türkgücü Königsbrunn den Titelverteidiger TSV Bobingen mit 3:1 eliminierte, riss die Zuschauer von den Sitzen.

Von den beiden Halbfinalspielen war nur das erste spannend. Gerade als Schwabmünchen den Torhüter herausnahm, sorgte André Köllmer mit dem 4:2 für die endgültige Entscheidung zugunsten des TSV Diedorf. Der TSV Leitershofen war beim 1:5 gegen Türkgücü Königsbrunn mit seinem Latein und seinen Akkus am Ende.

Die Zuschauer waren mit ihrer Geduld am Ende und begannen schon zu murren, etliche gingen sogar schon nach Hause, als es vor dem Finale eine mehr als 30-minütige Pause gab. „Nachdem es keine Einlage gab, wollten wir auf das Eintreffen der Ehrengäste warten“, erklärte Turnierleiter Reinhold Mießl. Der einzige Kritikpunkt an einer ansonsten rundum gelungenen Veranstaltung.

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