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Rückblick

30.12.2017

Schnelle Girls und schnelle Tore

Auch ein schöner Rücken kann entzücken. Von den U18-Leichtathletinnen der SpVgg Auerbach-Streitheim sah die Konkurrenz in dieser Saison meist nur die Rückseite. Das „Team Auerbach“ (von links Angela Stockert, Sophia Müller und Emily Schuster) holte sich den deutschen Meistertitel im Mehrkampf.
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Auch ein schöner Rücken kann entzücken. Von den U18-Leichtathletinnen der SpVgg Auerbach-Streitheim sah die Konkurrenz in dieser Saison meist nur die Rückseite. Das „Team Auerbach“ (von links Angela Stockert, Sophia Müller und Emily Schuster) holte sich den deutschen Meistertitel im Mehrkampf.

Vom „Wunder von Bernhausen“, einem unglaublichen Blitz-Hattrick, seltsamen Trainerwechseln und einem Querdenker

1954 fand das „Wunder von Bern“ im Fußball statt. Für die U18-Leichtathletinnen der SpVgg Auerbach/Streitheim gab es am 20. August 2017 das „Wunder von Bernhausen“. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie, liebe Leserinnen und Leser, in unserem Sport-Jahresblick.

Bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften in der kleinen Stadt bei Stuttgart sorgten sie für eine Sensation. Mit Willenskraft und taktischen Finessen von Trainer Lothar Schmitt, ehemals Coach der bundesdeutschen Zehnkämpfer, sicherten sich drei Mädchen aus dem Landkreis Augsburg, Angela Stockert (17, aus Aystetten), Sophia Müller (17, aus Deubach) und Emily Schuster (16, aus Adelsried-Kruichen), die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Siebenkampf mit neuem bayerischen Rekord von 14960 Punkten.

Vor dem abschließenden 800 Meter-Lauf wurde gerechnet und gerechnet. Eine Medaille war sicher, doch Trainer Schmitt wollte mehr. Mit einer Taktik, die fast alle Gegnerinnen verblüffte, legten alle drei Auerbacherinnen ein enormes Anfangstempo vor und enteilten teilweise dem Feld und holten in der letzten Disziplin Gold. Währen die geschlagenen Gegnerinnen aus Düsseldorf und Halle ihren Tränen der Enttäuschung freien Lauf ließen, drehten Stockert, Müller und Schuster eine Ehrenrunde. Der Jubel steigerte sich nochmals, nachdem das Ergebnis der Einzelwertung feststand. Silber für Angela Stockert.

Mit David Kirch holt nach 18 Jahren wieder ein Athlet der SpVgg Auerbach-Streitheim Gold bei einer deutschen Meisterschaft. 1999 war Olivia Norris im Speerwurf erfolgreich. Kirch, der jetzt zum SV Stadtwerke München wechselte, siegte im Dreisprung.

Für noch mehr Schlagzeilen hat Marcus Biber gesorgt. Der Fußballer des TSV Ustersbach hat im Spiel der Kreisklasse Süd beim TSV Haunstetten II einen Hattrick innerhalb von 50 Sekunden erzielt. Damit hat er nicht nur Robert Lewandowski vom FC Bayern München übertroffen, sondern ist auch bundesweit ins Blickfeld gerückt. Drei Tore in 50 Sekunden – geht das überhaupt? Fachleute bezweifeln es und auch an den Stammtischen wurde heftig diskutiert, ob so etwas möglich ist. Allein vom Tor über Jubel bis zum Anpfiff würde mindestens eine Minute vergehen. „Nach dem ersten Treffer habe ich nicht gejubelt, weil ich zuvor schon Riesenchancen vergeben habe“, erzählt Marcus Biber, „und gleich vom Anspiel weg habe ich wieder getroffen. Und wieder. Ich habe es selber nicht glauben können.“ Der Platz sei aber auch ein bisschen kürzer gewesen als normal. „Da hat alles zusammengespielt.“ Nur mit dem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekord hat es nicht geklappt. „Das wäre natürlich cool gewesen“, sagt der Schnellschütze. „Doch dafür fehlt ein Videobeweis. Es rechnet ja niemand damit, dass so etwas an einem Samstagnachmittag vor 30 Zuschauern passiert.“

Mit dem SV Cosmos Aystetten (Aufstieg in die Landesliga) und dem FC Horgau (Aufstieg in die Bezirksliga) feierten zwei Mannschaften den jeweils größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte. Dafür mussten drei Traditionsvereine mit relativ hohem Zuschaueraufkommen den bitteren Weg nach unten antreten: der TSV Dinkelscherben, der SSV Margertshausen und der SV Thierhaupten.

Der Aufstieg der Gersthofer Basketballer war kometenhaft. In der Saison 2014/15 erst schaffte man den Aufstieg aus der Bezirksliga in die Bezirksoberliga, zwei Jahre später durfte man in die Bayernliga aufsteigen. Weil die BG Leitershofen/Stadtbergen III als Meister und der Tabellenzweite VSC Baskets Donauwörth verzichteten, konnte der TSV Gersthofen als Drittplatzierter nachrücken. Ob man dieses Angebot annehmen sollte, dies wurde lange Zeit diskutiert. Schließlich nahm man trotz verbleibenden Zweifeln an. „Für den TSV Gersthofen eine große Chance, der wir uns verpflichtet fühlen. Wir möchten unseren Jugendspielern eine Perspektive ermöglichen, damit sie leistungsorientierten Basketball spielen können“, so Trainer Michael Reitmeir.

Der Aufsteiger des Jahres kommt vom SV Nordendorf. Mit einer Mischung aus Routiniers und Talenten ist die erste Tischtennis-Herrenmannschaft von der 1. Kreisliga in die 1. Bezirksliga durchmarschiert. In den sauren Apfel des Abstiegs mussten hingegen die Frauen des TTC Langweid beißen. Nur aufgrund des schlechteren Satzverhältnisses mussten Katharina Schneider und Martina Erhardsberger, die zusammen bayerische Meister im Doppel wurden, aus der 2. in die 3. Bundesliga absteigen. Darüber hinweg tröstete das Highlight, für das die zweite Mannschaft aus der Tischtennis-Hochburg sorgte. Über die Relegation schaffte man den Aufstieg in die Regionalliga.

Eigentlich abgestiegen waren die Handballer des TSV Gersthofen. Nur weil die ersten Drei aus der Bezirksliga verzichteten, durften die Lechstädter, die nach einer miserablen Vor- eine glanzvolle Rückrunde gespielt hatten, in der Bezirksoberliga verbleiben. Dort läuft es nach gutem Start durchwachsen. Größtes Problem ist der kleine Kader. Zu einem Spiel konnte man mangels Personal nicht antreten.

Wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, dann ist oft auch die Zeit der Trainerwechsel angebrochen. Während der Rücktritt von Helmut Riedl beim Bezirksliga-Schlusslicht TSV Neusäß nach der 0:7-Heimpleite gegen den FC Kempten und der Ausstieg von Karl-Heinz Pecher beim TSV Leitershofen noch nachvollziehbar waren, gab es einige seltsame Wechsel auf den Kommandobrücken, die Fragen aufwarfen. Christian Braun kündigte beim SV Cosmos Aystetten II (3. der A-Klasse Nordwest), beim SV Grün-Weiß Baiershofen (Vierter der Kreisklasse West 2) wurde Helmut Wirth vor die Tür gesetzt, weil die Chemie nicht mehr gestimmt hat. Beim TSV Meitingen, immerhin Dritter der Bezirksliga Nord, musste Spielertrainer Florian Prießnitz für „Motivator“ Paolo Mavros weichen, der aus drei Spielen allerdings erst einen Punkt ergattert hat. Für die Krönung sorgte schließlich der TSV Gersthofen. Dass ein Spitzenreiter den Trainer wechselt, kommt nun wirklich nicht alle Tage vor. Eddi Keil gab aus privaten Gründen seinen Abschied beim Bezirksligisten bekannt, um schon wenige Wochen später beim TSV Pöttmes als Spieler aufzutauchen.

Der 15-jährige Maximilian Heinzel wird schwäbischer Vizemeister bei den Männern. Mit der Mannschaft des TC Rot-Weiß Gersthofen schafft er den Wiederaufstieg in die Landesliga.

Lange Zeit hing es am seidenen Faden, ob es über das 50. Jubiläum hinaus weiter einen Silvesterlauf in Gersthofen geben wird. Die Organisatoren waren mit der Veranstaltung in die Jahre gekommen. TSV-Präsident Hinrich Habenicht machte die Traditionsveranstaltung dann zur Chefsache, sodass der Selbstläufer am letzten Tag des Jahres weiterlaufen kann. Als Auslaufmodell erwies sich indes der Silvesterlauf in Willmatshofen. Nachdem man im Fischacher Ortsteil bereits die Veranstaltung 2016 absagen musste, wird es nun auch 2017 keinen Silvesterlauf geben. Ob es jemals zum 30. Jubiläumslauf kommt, steht in den Sternen.

Es ist gerade einmal zweieinhalb Jahre her, dass sich Martin Brenner selbst das Schwimmen beigebracht hat. Vor zwei Jahren absolvierte er den ersten Triathlon-Wettkampf in der Sprintdistanz. Nun war der 35-Jährige aus Vallried bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft, dem Hawaii der Halbdistanz, in Chattanooga (US-Bundesstaat Tennessee) am Start. „Angesichts dessen ist es für mich ein überragendes Ergebnis, der 566. der Welt gewesen zu sein“, freute sich Brenner, der nach 4:48:37 Stunden ins Ziel kam. Brenner ist einer, der nicht nur im Wasser des Tennessee-River gegen den Strom schwimmt. Auf seinem Facebook-Profil stellt er sich die Frage: „Wie wichtig ist so ein Wettkampf?“ Und kommt zu der Antwort: Unwichtig! „Viel wichtiger ist, dass man es überhaupt machen kann, da man gesund ist. Viel wichtiger ist, dass alle Familienmitglieder und Freunde gesund sind. Viel wichtiger ist, dass man einen Beruf hat, der einem Spaß macht. Viel wichtiger ist, wenn man nach einem Tief wieder Lebensfreude haben kann. Wie wichtig so ein Wettkampf ist – das darf jeder für sich selbst beantworten.“

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