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Sport

04.01.2021

Solidarität ist die beste Medizin gegen Corona

Mit guten Konzepten konnte man laut Geschäftsstellenleiter Stefan Buchholz beim TSV Diedorf die Mitglieder halten.
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Mit guten Konzepten konnte man laut Geschäftsstellenleiter Stefan Buchholz beim TSV Diedorf die Mitglieder halten.

Wie es den Vereinen im zweiten Lockdown geht und wie man versucht, die Mitglieder bei Laune zu halten Alle hoffen, dass es so bald wie möglich weitergeht, um den Nachwuchs nicht an die Spielkonsolen zu verlieren

Eigentlich wäre in den letzten Wochen die Zeit der Weihnachtsfeiern und Neujahrsempfänge gewesen. Doch für die Sportvereine im Augsburger Land geht im Lockdown gar nichts. Sowohl der Wettkampf- und der Breitensport als auch die gesellschaftlichen Aktivitäten sind durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gecancelt. Und das in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal. Nachdem man im Sommer unter strengen Hygienevorschriften den Trainingsbetrieb wieder hochgefahren hatte, steht nun seit 1. November erneut alles still. Auf den Freisportflächen wächst das Gras, in den Hallen sammelt sich der Staub am Boden. Viele Experten befürchten, dass dem Sport der Nachwuchs an die Spielkonsolen verloren geht.

Auch bei der TSG Stadtbergen gab es durch den Totalausfall im Wettkampfbetrieb sowie im vereinsinternen Trainings- und Sportbetrieb diverse Engpässe zur Motivation der Mitglieder. „Wir haben versucht, diese im Rahmen breit angelegter und auch abteilungsspezifischer Informationen abzufedern“, sagt Dr. Franz Hoppe, der Vorsitzende des breit aufgestellten Vereins. 1700 Mitglieder nutzten ansonsten das vielfältige Angebot in sieben Abteilungen. „Aus wirtschaftlicher Sicht leidet unser Verein noch kaum unter Corona“, so Hoppe. Die Einnahmen aus Werbung und von Sponsoren hätten sich zwar etwas reduziert, „dies aber in verträglichem Rahmen, da sich die beteiligten Firmen sehr solidarisch zeigten.“ Erlöse aus sportlichen Veranstaltungen sind hingegen komplett entfallen. „Die haben ja nicht stattgefunden“, so Hoppe. Ein nennenswerter Mitgliederschwund sei nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil: „Wir sehen eine relativ große Solidarität unter den Mitgliedern. Die Fluktuation zwischen Kündigungen und Neueintritten lag in Summe bei drei Prozent und war somit völlig normal.“ Hoppe geht davon aus, dass sich die Situation im Jahr 2021 wieder weitgehend normalisiert.

Das hofft man auch beim TSV Meitingen, der bisher von Abmeldungen weitgehend verschont geblieben ist. Wenngleich der Vorsitzende Manuel Neuner dafür sogar Verständnis hätte: „Wir haben zum Beispiel das Kinderturnen komplett eingestellt, weil da eine Distanz völlig unmöglich ist. Durch den Ausfall der Skikurse würden natürlich die um diese Jahreszeit üblichen Anmeldungen fehlen. Ansonsten ist der TSV bisher gut durch die beiden Lockdowns gekommen. „Im Rahmen des Möglichen sind wir immer unserem Angebot nachgekommen“, berichtet Neuner, dass sogar öffentliche Plätze zum Sport- und Trainingsbetrieb genutzt wurden.

„Wir stehen hinter den Entscheidungen der Regierung, weil Sportvereine Multiplikatoren sind“, sagt der Vorsitzende, dem bisher kein Corona-Fall bekannt ist, der mit dem Sportbetrieb zusammenhängt. Nichtsdestotrotz: Beim TSV Meitingen steht man Gewehr bei Fuß für einen Re-Start mit entsprechendem Hygienekonzept. „Wir freuen uns, wenn es wieder losgeht“, sagt Neuner, „denn die Sportvereine sind der Schmierstoff unserer Gesellschaft.“

Der Mitgliederschwund hält sich auch beim SC Altenmünster in Grenzen. Lediglich zwei Austritte waren zu verbuchen. „Insofern brauchen wir da nicht gegensteuern“, meint Vorsitzender Bernhard Lange. Finanziell sieht es hingegen nicht so rosig aus. Lange: „Wir generieren zurzeit keine Einnahmen und haben natürlich unsere Fixkosten - wenn es im Frühjahr nicht weitergeht, sieht es nicht gut aus.“

„Mit guten Konzepten und einem Sommerprogramm haben wir die Mitglieder halten können“, sagt Stefan Buchholz, Geschäftsstellenleiter beim TSV Diedorf. Deshalb sei man von Austritten bisher verschont geblieben. Er hofft, dass das auch so bleibt, wenn im Februar die Beiträge eingezogen werden. Denn nach seiner Prognose wird bis März alles zu bleiben. Bis dahin unterhält man die Mitglieder im Internet. Dort werden von Daniel Hornstein von der Badminton-Abteilung Kochkurse, Krimi-Veranstaltungen oder ein Escape-Room online angeboten.

Unmittelbar von Corona betroffen ist der FC Horgau. Vor wenigen Wochen ist Gerhard Aurnhammer an der Viruserkrankung verstorben. Der 82-Jährige war langjähriges Mitglied, Edelfan und bei jedem Spiel und jeder Aufstiegsfeier dabei. „Er war eine Ausnahmeerscheinung“, sagt Vorsitzender Jürgen Tögel, „wir sind sehr traurig, weil wir nicht einmal gebührend Abschied nehmen konnten.“ Tögel selbst musste sich nach einem positiven Test ebenfalls in Quarantäne begeben. Er blieb aber ohne Symptome. Keine Corona-Symptome gibt es im Vereinsleben des FCH. „Die Mitglieder halten in dieser schwierigen Zeit zu ihrem Verein, die Abteilungen untereinander Kontakt“, freut sich Tögel, dass es bislang nur ganz wenige Austritte gegeben hat. Auch finanziell komme man über die Runden. „Wir haben zwar keine Casino-Party ausrichten können und hatten an Weihnachten keine Tombola“, so Tögel, „aber auch keine Kosten, weil wir keine Spieler zahlen und die Trainergehälter teilweise ausgesetzt waren.“

Mit dem Corona-Lockdown hat Wolfgang Jarasch gleich doppelt zu tun: Zum einen als Bürgermeister der Gemeinde Biberbach, zum anderen als Vorsitzender des SC Biberbach. „Auch dem SCBsetzt der erneute Lockdown sehr zu“, sagt Jarasch und gibt ein Beispiel: „Die Wintersportabteilung hat sich nach vielen Jahren neue Skianzüge geleistet, doch die Skikurse im Januar werden flachfallen.“ Egal ob Skigymnastik, Tischtennis, Volleyball, Fußball, Kinderturnen, Fitnessgymnastik, Seniorensport und Corona-Gruppe – alles wieder auf standby, während die Fixkosten weiterlaufen. Die Einnahmen seien natürlich deutlich geringer, da es keinen Festzeltbetrieb am Marktsonntag und nur eine Papiersammlung gab. „Sponsoren fahren ihre Unterstützung verständlicherweise runter. Wer ein Jahr keine Einnahmen hat, kann nichts geben“, hat der SCB-Boss Verständnis.

Wenigstens hält sich der Mitgliederschwund in Grenzen. „Die Verbundenheit mit dem SCB ist schon groß. Das ist ja auch ein Grund, warum ich das als Vorstand immer noch mache“, erklärt Jarasch. Obwohl Vorstandssitzungen derzeit nur online möglich sind, hat man während des ersten Lockdowns schnell gute (Hygiene-)Konzepte entwickelt und so auch schnell wieder Sport im Verein verantwortungsbewusst anbieten können. Derzeit versuche man die Mitglieder gut mitzunehmen und zu informieren. Alle würden sich nach der Antwort auf die Frage sehnen, wann geht es wieder los? Jarasch: „Aber die Antwort kann uns keiner verlässlich geben, das wissen wir.“

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