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04.03.2009

Vereine bangen um ihre Geldquellen

Die Finanzkrise hat viele Unternehmen in eine konjunkturelle Flaute manövriert, aus der sie sich nur schwer befreien können. Der Staat muss viele Milliarden in die Wirtschaft pumpen. Die momentane Lage zwingt viele Unternehmen, den Euro zweimal umzudrehen. In Profisportarten wie Fußball, Tennis oder Formel 1, wo teilweise mit Millionen jongliert wird, wird sich die Krise vielleicht nicht so fatal auswirken. Treffen aber könnte es die kleinen Vereine, denen ein Handwerksmeister mal einen Satz Trikots, ein Bauunternehmer Regenjacken oder ein privater Gönner einen neuen Spielball spendiert. Viele Sportvereine hoffen nun, dass ihre Sponsoren erhalten bleiben.

"Was die Situation allgemein im Sportsponsoring betrifft, so waren wir auch in guten wirtschaftlichen Zeiten nicht auf Rosen gebettet", sagt Gert Jungbauer, der Vorsitzende des TTC Langweid, dessen Tischtennis-Spielerinnen als (Halb-)Profis in der ersten Bundesliga spielen. Seit mehr als zwei Jahren ist das sportliche Aushängeschild der Region nach dem Ausstieg von Müllermilch auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor. Der achtfache deutsche Meister zog sich aus finanziellen Gründen sogar freiwillig in die zweite Liga zurück.

"Natürlich wird es auch für uns nicht leichter", sagt Jungbauer. Dabei fehle nicht viel, um an sportliche Glanzzeiten anknüpfen zu können. "Wenn ihr mit euren Erfolgen ein Berliner Verein sein würdet, dann könntet ihr gut leben", hat einmal ein Berliner Funktionär zu Jungbauer gesagt. In der Hauptstadt und auch in anderen Bundesländern leben die Vereine unter anderem von Geldern der staatlichen Lotterie.

"Eigentlich müsste die wirtschaftliche Lage Sportarten treffen, in denen Sponsoring die Firmen viel Geld kostet", vermutet Jungbauer, der auf viele langjährige und treue Sponsoren vertraut. Aktuell steht er allerdings in Verhandlungen mit einem Unternehmen aus der Automobilbranche, das dem Verein bisher immer einen Kleinbus zum Transport der Spielerinnen zur Verfügung gestellt hat. Jungbauer: "Ich verstehe, dass die Autobranche in Schwierigkeiten steckt. Wir waren und sind aber immer ein solider und guter Werbe- und Imagepartner."

Vereine bangen um ihre Geldquellen

Auf treue Partner, die größtenteils aus dem unmittelbaren Umfeld kommen, setzt man bei der BG Leitershofen/Stadtbergen, die in der dritthöchsten deutschen Liga auf Korbjagd geht. "Basketball kann man nicht mit Fußball vergleichen!" Obwohl für die beiden Ausländerpositionen Profis verpflichtet werden, kalkuliert Abteilungsleiter Andres Santiago mit einem Jahresbudget im mittleren fünfstelligen Bereich. Mit dem Hauptsponsor, der H&G-Bank, wurde gerade bis 2011 verlängert. "Die meisten Sponsoren unterstützen uns aus Gefälligkeit. Bisher hatten wir keine Probleme. Ich hoffe, dass das so bleibt", sagt der Funktionär. Um dem gegenzusteuern, soll sich künftig Thorsten Ziegler um die Sponsorenakquise kümmern.

Kicken auf Minijob-Basis

Bayernliga, Landesliga, Bezirksoberliga - im Fußball sind die Spieler in diesen Spielklassen vergleichbar mit Amateuren auf Minijob-Basis, ihr Verdienst läuft unter der Kategorie "Aufwandsentschädigung". Ein Fußballverein, der eine leistungsstarke Mannschaft an sich binden will, ist in der Regel bereits auf fremdes Geld angewiesen.

"Die Sponsoren sind nicht mehr so üppig", meint Josef Kigle vom TSV Aindling. Der Bayernligist hat das Pharmaunternehmen Medigene als Hauptsponsor, der benachbarte TSV Rain wird von der ortsansässigen Firma Dehner, deutschlandweiter Betreiber von Garten-Centern, unterstützt. Für die Regionalliga, an deren Tür der TSV Aindling derzeit klopft, wird sich der Dorfverein nach einem neuen Geldgeber umsehen müssen. Von Beträgen im gehobenen sechsstelligen Bereich ist hier die Rede.

Von der Bayernliga träumt man auch beim TSV Gersthofen, der von der ortsansässigen Baufirma Abenstein unterstützt wird. Deren Name soll auch weiterhin auf den Trikots prangen. "Wir haben für die kommende Saison bereits sehr gute Gespräche geführt", verrät Abteilungsleiter Hansjörg Birling. Ob dabei auch über eine Vergabe der Namensrechte an der Sportarena Gersthofen gesprochen wurde, wollte der TSV-Fußballboss jedoch nicht bestätigen.

Leistungsmäßiges Fragezeichen

Da Zuschauereinnahmen immer mit einem "leistungsmäßigen Fragezeichen" (Birling) versehen seien, bestreitet der Landesligist seinen weiteren Etat unter anderem aus der Bandenwerbung. Erste Ausfälle gibt es bereits. Aus der Automobilbranche. "Wir liegen im Trend", so Birling, "die Konjunkturkrise ist nicht aufzuhalten". Die laufende Saison sei jedoch gesichert. "Wir sind insgesamt auf einem guten Weg, stehen mit mehreren Firmen in aussichtsreichem Kontakt".

Beim TSV Neusäß hat die Finanzkrise bereits bis auf die Spieler durchgeschlagen. "Obwohl wir nach der Philosophie verfahren und auf viele kleine Sponsoren setzen, weil es dann nicht so weh tut, wenn einer geht, haben von unseren rund 150 Kleinsponsoren in jüngster Zeit viele ihr Engagement gekündigt", berichtet Dr. Ernst Krendlinger. Der Abteilungsleiter hat deshalb zunächst einmal bis zum Ende der Saison sämtliche Ausgaben an seine Aktiven um zehn Prozent gekürzt. Krendlinger: "Die meisten haben das akzeptiert, der eine oder andere ist gegangen." Im Gegenzug habe aber der Hauptsponsor, die Augusta Personalleasing, eine Zusammenarbeit auf längere Sicht zugesagt und es konnten auch neue, größere Sponsoren gewonnen werden.

"Bei uns ist noch keiner abgesprungen", freut sich Martin Mehr, Abteilungsleiter beim TSV Dinkelscherben. Statt eines Hauptsponsors setzt man auf mehrere kleine Firmen. Die sind beim Nord-Bezirksligisten breit über das komplette Dinkelscherbener Gewerbe gefächert. Einnahmequellen sind Banden- und Trikotwerbung, das Stadionheft und eine Jugend-Sponsorentafel im Sportheim.

Mit ganzem Herzen dabei

Wohl dem, der einen Sponsor hat, der den Verein nicht nur finanziell sondern auch mit ganzem Herzen unterstützt. Dies scheint beim TSV Meitingen der Fall zu sein. Heinz Klimesch, Inhaber der Rathaus-Apotheke, hat gerade für die neue Saison seine Unterstützung als Trikot- und Hauptsponsor zugesagt. "Der TSV und das Umfeld sind mittlerweile Bestandteil meines Lebens geworden", so Klimesch, "es geht hier nicht ums Geld, sondern vielmehr um Leidenschaft, Emotionen, Stolz und Freundschaften".

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