Basketball

04.03.2015

Wirbel um Rassismus-Vorwürfe

Einiges Schlucken mussten André Lockhart (links) und Dominik Veney (rechts) von der BG Leitershofen/Stadtbergen beim Auswärtsspiel in Treuchtlingen. In der Mitte der momentan verletzte Kapitän Sebastian Woelki.
Bild: Marcus Merk

In Treuchtlingen wurden dunkelhäutige Spieler der BG Leitershofen/Stadtbergen verbal attackiert. Weltenbummler André Lockhart findet das traurig

Basketball ist die Domäne dunkelhäutiger Spieler. Viele Klubs haben deshalb Akteure in ihren Reihen, die mit ihrer Geschmeidigkeit und Sprungkraft für diese Sportart prädestiniert scheinen. Leider macht Rassismus anscheinend auch vor dieser Sportart nicht halt. Bei der Niederlage der BG Leitershofen/Stadtbergen beim VfL Treuchtlingen in der Regionalliga Südost am vergangenen Wochenende tönten laut BG-Abteilungsleiter Andres Santiago rassistische Beleidigungen von den Zuschauerrängen. Ziel sei es jetzt, die Verantwortlichen ausfindig zu machen und diese, wenn möglich, auch zur Rechenschaft zu ziehen.

„Solche Leute haben in einer Sporthalle nichts verloren“, betont Santiago. Er hat nach eigenen Angaben inzwischen die Spielleitung informiert und den VfL Treuchtlingen kontaktiert. Er hofft auf Zusammenarbeit bei der Identifikation der Verantwortlichen. „Es besteht durchaus eine gute Chance, dass auch einige unserer Fans behilflich sein können und die entsprechenden Personen wiedererkennen“, so der Abteilungsleiter.

Während des Spiels am Samstagabend wurden laut Santiago die dunkelhäutigen Spieler der BG Leitershofen/Stadtbergen ständig beschimpft. Insbesondere Dominik Veney und auch dessen Frau, die als Zuschauerin in der Halle anwesend war. „Es war von Anfang an klar, dass Jubelrufe für die BGL nicht erwünscht waren“, berichtet Veney. „Als die Zuschauer in der Pause mitbekamen, dass es sich um meine Frau handelt, begannen die rassistischen Äußerungen auch gegen sie.“

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„Frau Veney, Mutter von drei Kindern, war davon sehr schockiert“, so Andres Santiago. Für ihn ist es das Wichtigste, Vorfälle dieser Art in Zukunft zu unterbinden und den verantwortlichen Personen Hausverbot zu erteilen.

Auch André Lockhart, einer der dunkelhäutigen Spieler der Kangaroos, hat die Rufe von der Tribüne gehört. „Ich spreche nicht so gut Deutsch, deswegen habe ich nicht alles verstanden“, sagt der 28-Jährige, der 50 Länderspiele für die Nationalmannschaft der Karibikinsel Barbados absolviert hat. „Aber das, was ich gehört habe, war schon sehr aggressiv. So etwas habe ich zum ersten Mal erlebt. Das hätte ich nie erwartet.“ Dabei ist Lockhart, der auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt, ein basketballerischer Weltenbummler. Er hat sowohl auf Barbados als auch an einem College in den USA gespielt. In England, wo er unter anderem in Newcastle und Essex unter Vertrag stand, war er ebenfalls aktiv. Dort sei der Umgang zwischen Zuschauern und Spielern wesentlich respektvoller. Lockhart: „Ich finde das sehr traurig, was da passiert ist.“

Eine andere Sicht der Dinge hat Josef Ferschl, stellvertretender Abteilungsleiter des VfL Treuchtlingen, der versichert: „Ich war bei dem Spiel am Samstag dabei. Es waren keinerlei abfällige Äußerungen, geschweige denn rassistische Rufe vonseiten unserer Zuschauer zu hören. So etwas hätten die Schiedsrichter sofort unterbunden.“

In einer Stellungnahme heißt es weiter: „Der VfL Treuchtlingen ist entschieden gegen jede Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserem Land. Wir haben nie und werden nie Ausländerhass und Ressentiments gegenüber Andersdenkenden tolerieren und in keinster Weise zulassen.“ Die Basketballabteilung des VfL Treuchtlingen ist aber auch der Ansicht, dass die Berichterstattung über das Spiel nicht korrekt gewesen sei. „Wir werden nichts unversucht lassen, den Anschuldigungen der BG Leitershofen/Stadtbergen nachzugehen, hätten uns aber gewünscht, dass genannte Beschimpfungen, die von Beginn an erfolgt seien, den Verantwortlichen noch vor Ort in der Halbzeitpause mitgeteilt worden wären, um sofort beschuldigte Personen zur Verantwortung ziehen zu können.“

VfL Treuchtlingen sieht sich Medienkampagne gegenüber

Erschüttert sehe sich der VfL Treuchtlingen nun einer Medienkampagne ungeahnten Ausmaßes gegenüber. Durch die Stellungnahme des Abteilungsleiters Andres Santiago und den Bericht in unserer Zeitung, die auf nahezu sämtlichen basketball-relevanten Seiten in ganz Deutschland verbreitet wurden, sei man in eine „rechtsradikale Ecke“ gestellt worden. „Dies schockiert und berührt uns zutiefst. Wir werden uns vorbehalten, weitere Schritte zu unternehmen und den tatsächlichen Erfordernissen anzupassen.“

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