Fußball

23.05.2013

Zurück zum Spaß

Auf gute Zusammenarbeit. Biberbachs Vorsitzender Wolfgang Jarasch (links) und Andreas Appelt, der Vorsitzende für den sportlichen Bereich beim BSC Heretsried, tauschten schon mal die Wimpel aus.
Bild: Oliver Reiser

Die beiden Absteiger SC Biberbach und BSC Heretsried gehen in der nächsten Saison eine Kooperation ein. Spielgemeinschaft für die B-Klasse beantragt

Biberbach/Heretsried Roland Fischer und sein Sohn Marco sind in der laufenden Saison nicht zu beneiden. Beide hüteten das Tor von Absteigern. Und so wurde im Hause Fischer am Sonntagabend meist darüber diskutiert, wie viele Treffer sich der Vater im Kasten des BSC Heretsried (A-Klasse Nordwest) beziehungsweise der Filius zwischen den Pfosten des SC Biberbach (Kreisliga Ost) eingefangen hatten. 67 sind es bisher insgesamt bei Roland Fischer, deren 174 bei Marco Fischer. Siege waren Mangelware: Lediglich in Heretsried konnte man zwei bejubeln. Das soll sich in der kommenden Spielrunde ändern: Die beiden Absteiger werden nämlich eine Kooperation eingehen. Da könnte es dann sogar sein, dass sich Vater und Sohn Fischer um den Platz im Tor streiten.

Damit dieser Fall eintritt, müsste Roland Fischer, den man in Fußballerkreisen „Zenga“ nennt, auf seine alten Tage nochmals zum SC Biberbach wechseln. Während nämlich die erste Mannschaft des SCB weiter eigenständig in der Kreisklasse Nordwest antritt, bildet der BSC Heretsried zusammen mit der zweiten Mannschaft des SC Biberbach eine Spielgemeinschaft, die in der B-Klasse Nordwest an den Start gehen wird.

„Wir wollten nächstes Jahr unbedingt eine zweite Mannschaft stellen, Heretsried hätte keine erste Mannschaft mehr stellen können. Was lag da näher, als dass wir zusammenarbeiten?“, sagt Wolfgang Jarasch. Der Bürgermeister der Marktgemeinde Biberbach und Vorsitzende des SC Biberbach kümmert sich nach dem Rücktritt von Abteilungsleiter Peter Fries seit einigen Wochen auch um die Fußballer, die einst in der Bezirksliga spielten. 2012/13 erlebten die Schwarz-Gelben eine Horrorsaison. Nicht nur dass zu Saisonbeginn zahlreiche Leistungsträger zu einer Massenflucht ansetzten. „Diesen Exodus haben wir nicht auffangen können“, sagt Jarasch. Es gab nur die Möglichkeit, die Mannschaft abzumelden und in der B-Klasse wieder zu beginnen oder die Saison mit dem vorhandenen Material durchzuziehen. „Das ist Thomas Andexinger trotz der vielen Niederlagen ganz hervorragend gelungen“, zieht Jarasch verbal den Hut vor dem Trainer. Zu allem Übel schlug nämlich auch noch das Verletzungspech unbarmherzig zu. Teilweise mussten bis zu zwölf Spieler ersetzt werden. Zu einer Partie konnte der SC Biberbach gar nicht antreten, die zweite Mannschaft musste aus dem Wettbewerb genommen werden.

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Auch der BSC Heretsried hat schon bessere Zeiten erlebt. Mit lokalen Größen wie Dieter und Peter Seizmeier, Georg Brummer oder Thomas Liepert spielte man viele Jahre in der A-Klasse (heute Kreisliga). „Seit dem Abstieg ging’s bergab“, blickt Andreas Appelt, der BSC-Vorsitzende für den sportlichen Bereich, zurück. In dem kleinen Dorf (900 Einwohner) gingen die Fußballer aus. Auswärtige Spieler, die man holte, verließen nach weiteren Misserfolgen den Ort des Geschehens. „Die Reserve war nur noch eine Telefonmannschaft und musste abgemeldet werden“, berichtet Appelt. So ergeht es aber auch den anderen Vereinen im Holzwinkel. Deshalb führte man beim BSC Heretsried schon vor dieser Saison Gespräche mit dem SV Bonstetten und dem TSV Welden. Jetzt wurde mit dem SC Biberbach die Vernunftehe geschlossen.

Bei den Spielern ist Kooperation auf große Zustimmung gestoßen

„Bei unseren Spielern ist diese Kooperation auf große Zustimmung gestoßen“, hofft Andreas Appelt, dass sich noch ein paar weitere Abtrünnige wieder fürs Kicken begeistern lassen. „Durch die vielen Niederlagen ist der Spaß am Fußball verloren gegangen. Der soll jetzt zurückkehren.“

Die Heimspiele werden im Wechsel in Biberbach und im neun Kilometer entfernten Heretsried ausgetragen. Trainiert werden soll zusammen. Die bisherigen Trainer Thomas Andexinger (SCB), Andreas Lipp (SCB-Reserve) und Murat Birlik (BSC), die dann insgesamt über einen Kader von 30 Spielern verfügen werden, sollen sich zusammensetzen und die Aufgabenverteilung festlegen.

Wolfgang Jarasch stellt übrigens klar, „dass der Zusammenschluss keinesfalls dazu dienen soll, um den SC Biberbach aufzupeppen“. Dass der eine oder andere routinierte Heretsrieder bei den Biberbacher Youngsters eine Führungsrolle spielen könnte, könnte er sich allerdings schon vorstellen. Das Wichtigste für alle beteiligten sei nun jedoch in allererster Linie, dass man zurück zum Spaß findet.

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